Es sind ungewisse Zeiten für Anleger von Wertpapieren und Anleihen. 2022 war für Investoren ein Jahr voller Turbulenzen, allgemeine Unsicherheit macht sich breit. Seit Beginn des Jahres 2022 ist der US-Aktienindex S&P 500 um etwa 20% gefallen, der deutsche Aktienindex Dax 40 hat im gleichen Zeitraum ebenfalls fast 20% verloren. Das verunsichert Anleger, manche tendieren zu Panikverkäufen.

Und die Unsicherheit der Anleger von Wertpapieren und Anleihen kommt nicht von Ungefähr: Eine weltweite Inflation nach der Pandemie, steigende Zinsen, Null-Covid-Politik in China und der Ukraine-Krieg waren Ereignisse, die Investoren nicht auf dem Schirm hatten. Ohne gleich in Panik zu verfallen wurde aber jedem Investor in dieser Zeit klar welchen Einfluss geopolitische Ereignisse auf unsere Anlagen und Vermögenswerte haben können.

 

Die Zinsen steigen langsamer als die Preise – Die Kaufkraft schwindet

Die Fed, die wichtigste Notenbank der Welt hob bereits im März 2022 den Leitzins um 3 Prozentpunkte an, die EZB folgte im Juli 2022 mit 1,25 Prozentpunkten. Auch im Anleihemarkt machte sich die Zinswende bemerkbar. Für 2jährige Bundesanleihen gibt es zur Zeit 1,9%, für 10jährige Bundesanleihen 2,42% Rendite. das entspricht dem höchsten Stand seit 11 Jahren.

Die Frage ist: Ist das schon Inflation? Trotz steigender Zinsen haben z.B. Staatsanleihen eine negative Rendite wie noch nie zuvor. Die Kaufkraft des Geldes, welches in Anlagen investiert wurde, schwindet zusehens. 10% Verlust sind da keine Seltenheit. Die Investoren erwarten steigende Inflationsraten und damit weitere Zinsschritte der EZB, die den Preissteigerungen entgegenwirken.  Dies wiederum lässt die Kapitalmarktzinsen steigen – die Renditen für Bundesanleihen müssen steigen. Wer nun als Investor auf lang- und mittelfristige Preisstabilität setzt könnte mit Bundespapieren in einigen Jahren einen guten Deal gemacht haben.

Am Anleihemarkt ist die Zinswende damit ebenfalls in vollem Gang. Die Renditen für zweijährige Bundesanleihen sind auf bis zu 1,9, die für 10-jährige Bundesanleihen auf maximal 2,42 Prozent gestiegen. Das entspricht den höchsten Ständen seit rund 11 Jahren. Zu Jahresbeginn lag die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe noch bei minus 0,18 %, im August ’22 bei 0,8%. Im September 2022 wurde erstmals seit 9 Jahren die 2%-Marke überschritten.

 

Anleihen und Wertpapiere vs. Festgeld

Zwar bietet die ING DiBa als Spitzenreiter zwar stolze 1% Tagesgeldzinsen mit 4-monatiger Zinsgarantie sind Privatanleger und institutionelle Investoren derzeit mit Zinspapieren besser beraten. 

Deutlich mehr Rendite als hierzulande gibt es im Moment z.B. in den USA. So erhalten Anleger für 10-jährige Staatsanleihen 4% Dividende, bei 2-jährigen Staatsanleihen sind es derzeit 4,5%. Risikobereite Anleger können sich auch russischen Staatsanleihen widmen, 10-jährige russische Anleihen bringen derzeit 5,89%. Wer es noch aufregender mag setzt auf Brasilianische Staats-Anleihen, dort gibt es für 10-jährige Staats-Anleihen satte 12%.

Anleihen in unsicheren Zeiten - Lohnt sich der Einstieg in Wertpapiere?

Anleihen in unsicheren Zeiten – Lohnt sich der Einstieg in Wertpapiere?

Das Zinsniveau hat noch Luft nach oben

Für Anleger herrscht zwar keine Goldgräberstimmung, aber ein Blick in Richtung Anleihen lohnt sich im Vergleich zu anderen Anlageformen derzeit allemal. Die Zinswende der Notenbanken ist noch nicht auf break Even, etwas Geduld wird für Anleihen und Wertpapiere in den kommenden Wochen wird vielleicht belohnt.

Solange sich das Zinsniveau auf den Märkten noch nicht eingependelt hat wird es tendenziell noch starke Turbulenzen bei den Anlagen geben. Nicht immer zum Nachteil der Anleger, die sollten von steigenden Renditen profitieren. Bei der Wahl der Anlagen sollten Anleger Bonität, Laufzeit und das Währungsrisiko bewerten.

Privatanleger können ihre Anleihen direkt über die Börse oder ihrer Bank für das eigene Depot kaufen. Alternativ investieren sie in aktiv gemanagte Fonds. Für Unternehmensanleihen ist die Anlage in Fonds der einfachste und realistischste Weg. Die meisten Unternehmen haben bei der Ausgabe Bonds aber eine Mindest-Anlagesumme von 100.000 €, was es den meisten privaten Anlegern schwer macht ein breit gefächertes Portfolio mit Wertpapieren anzulegen.

 

Pro und Kontra beim Kauf von Fonds

Anleger können beim Dirketkauf selbst bestimmen was mit ihren Wertpapieren passiert. Bei der Strategie „Kaufen und halten“ (Buy-and-hold) handelt es sich mit Abstand um die erfolgreichste Strategie, die sich über Jahrzehnte bewährt hat und mit Zahlen und Statistiken belegt werden kann. Diese Strategie eignet sich grundsätzlich für jede langfristige Geldanlage, so z.B.:

  • Ausbildung/ Studium der Kinder absichern
  • Lebenstraum erfüllen (Weltreise, Boot) 
  • Altersvorsorge
  • allgemeiner langfristiger Vermögensaufbau

In der Vergangenheit haben Anleger damit immer wieder auch Krisenzeiten überstehen und am Ende eine gute Rendite erzielen können. Ob das so bleiben wird, ist offen, aber insgesamt nicht aussichtslos. In Einzelfällen kann immer mal etwas schiefgehen, das wissen Anleger. Wer sich Wertpapiere zulegt und damit langfristig sein Vermögen aufbauen will, braucht vor allem Geduld.

Unser Tipp:   Aktien in regelmäßigen Abständen kaufen und dann ab damit ins Depot – am besten über Jahrzehnte hinweg. Langes Durchhaltevermögen hat sich für Anleger schon oft bezahlt gemacht, am Ende konnten sie mit guten Renditen rechnen. Wie sieht es aber heute aus? Natürlich ist das Prinzip, Aktien lange zu halten, nicht automatisch eine Garantie für gute Erträge. Doch die Chancen, dass sich diese Strategie rechnet, sind nicht schlecht.

Bei der Anlage in Fonds gibt es dagegen kein „Kaufen und halten“, die Fonds haben kein Laufzeitende. Die Anleihen in den Fonds werden zu den Marktpreisen bewertet, zu denen sie gehandelt werden. In diesem Jahr war dies für Anleger in Rentenfonds ein schlechtes Jahr. Bei Anleihen fallen die Kurse, wenn die Renditen steigen und umgekehrt. Grund dafür ist, dass sich die festen Zinsen der Anleihen auf den Nominalwert von 100% beziehen, zu denen die Papiere ausgegeben und am Ende der Laufzeit zurückgezahlt werden. Fallen die Kurse unter Nominalwert, erhöht sich so die Rendite für Neukäufer. Die Kurse schwanken bei Anleihen mit langer Laufzeit stärker als bei kurzfristigen Anlagen.

Anleger in Fonds können im Übrigen davon profitieren, dass ihr Vermögen breit gestreut wird. Ein Ausfall oder schlechte Entwicklung einzelner Anleihen wird so kompensiert. Durch eine gute Auswahl der Anleihen im Fond können aktive Fondsmanager zudem die gesamte Rendite des Fonds erhöhen. Außerdem werden in den Fonds Anleihen am Ende ihrer Laufzeit durch neue Wertpapiere ersetzt. So kommen Besitzer von Anleihefonds bei steigenden Zinsen im Laufe der Zeit in den Genuss attraktiv bewerteter Wertpapiere. 

 

Vorsicht bei US-Bonds 

Für Anleger mit langfristiger Strategie sind derzeit 2-jährige US-Staatsanleihen interessant. 4,5% Rendite pro Jahr sind durchaus attraktiv – auf den ersten Blick jedenfalls. Auch die 10-jährigen US-Anleihen mit 4% erscheinen verlockend. Der Grund, dass die 2-jährige US-Anlage besser bewertet ist als die 10-jährige ist, dass Investoren mittelfristig einen Rückgang der Inflation und damit fallende US-Leitzinsen erwarten. Interessant sind die 4% Rendite für zehn Jahre vor allem deshalb, weil Experten in den kommenden 2 Jahren eine Inflation von nur 2,3 Prozent erwarten. Wenn es dann so kommt ist dieses Papier mit 4,5% eine lukrative Anlage.

 

Vergessen Sie aber nicht das Währungsrisiko 

Investoren, die ihre Anlageprodukte auf dem US-Markt suchen hoffen und vertrauen darauf, dass der Dollar weiterhin stabil bleibt. Aus heutiger Sicht scheint das auch so zu bleiben. Aus Sicht von Finanzexperten ist bei der Entwicklung des Dollar sogar noch Luft nach oben.

Aber dafür gibt es keine Sicherheiten, denn Währungsschwankungen des Dollars können die höhere Rendite der US-Anleihen aufzehren. Für risikoscheue Anleger sind US-Anlagen auch bei langfristiger Strategie eher nicht zu empfehlen. Für diese Anleger empfehlen wir währungsgesicherte Fonds. Diese haben zwar eine geringere Rendite (1,8% – 2,2%), haben aber auch ein deutlich geringeres Ausfallrisiko. Nimmt man allerdings die prognostizierte deutsche Inflationsrate von 2,3 Prozent als gesetzt werden Anleger mit einer 10jährigen Bundesanleihe real kaum ihr Kapital erhalten können.

Wer aber mehr Rendite will, muss höhere Risiken eingehen. Doch Vorsicht ist geboten bei Staatsanleihen über 3%. Hier ist jederzeit die Möglichkeit sehr wahrscheinlich, das die bekannten Rating-Agenturen diese Staaten zurückstufen und die Anlagen ins Bodenlose fallen. Mehr Rendite als Bundesanleihen gibt es auch bei Anleihen von Unternehmen. Die Kurse der Firmenbonds sind noch mehr gefallen, als die der Staatsanleihen. Die Renditen haben sich dann auch deutlich nach oben korrigiert. Grund dafür ist die befürchtete Rezession und die ungewisse Zinsentwicklung. Wächst die Wirtschaft weniger stark, verdienen die Unternehmen weniger. Das drückt nicht nur die Aktien, sondern auch die Anleihen der Unternehmen. 

 

Alternative Firmenbonds

Die Rendite von Unternehmensanleihen im Euro-Raum mit guter Bonität (durchschnittlichen Restlaufzeit 6 Jahre) ist in diesem Jahr durchschnittlich von 0,5% auf ca. 4,3% gestiegen. Die Rendite der Anleihen großer deutscher Konzerne liegen bei einer 6jährigen Laufzeit allerdings rund 1,0% unter dem Durchschnitt. 

Nach Meinung der Börsenprofis sind Unternehmensanleihen (mit guter Bonität) derzeit eine gute Option. Die Renditen der europäischen Unternehmensanleihen sind mittlerweile so hoch, dass sie die Kosten einer Rezession mit einpreisen. Unternehmensanleihen sind also wieder interessant geworden. Kommende Zinserhöhungen der EZB könnten die Renditen noch weiter steigen lassen. Anleihen sind heute immer eine Betrachtung wert, maßgeblich ist aber der Zeitpunkt des Einstiegs.

Deshalb unser Tipp:    Wenn Sie ihr Portfolio erweitern möchten kaufen Sie Unternehmensanleihen nur in kleinen Tranchen und zu verschiedenen Zeitpunkten. 

(HZ)

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