Ein Vermögensverwalter sagt, warum die Inflation die Hälfte aller Deutschen voll erwischen werde — und wie er seine Kunden davor schützt. In einem Interview mit dem „Manager Magazin“ gibt der Vermögensberater Reinhard Panse Ratschläge dazu, wie sich Anleger vor Inflation schützen können.

Vermögensverwalter: 50 % der Deutschen seien betroffen

Da der Inflationsschutz durch Immobilien nur noch mit Einschränkungen gelte, habe auch die wohlhabende Klientel ein Problem, erklärt er. Reinhard Panse ist Vermögensverwalter bei FINVIA Family Office GmbH und kümmert sich seit mehr als drei Jahrzehnten um die Geldanlagen vermögender Menschen. In einem Interview mit dem „Manager Magazin“ äußerte sich Panse besorgt über Deutschland. „Wir haben in Deutschland die niedrigste Arbeitslosenquote in der gesamten Eurozone. Der Durchschnitt der Eurozone ist mehr als doppelt so hoch. Frankreich, Italien und Spanien liegen sogar noch höher“, erklärt Panse. Er fährt fort: „Diese Länder haben auch größere Schuldenprobleme als Deutschland, so dass sie die EZB daran hindern wollen, die Inflation angemessen zu bekämpfen. Außerdem haben die Zentralbanken jetzt auch die Finanzmärkte im Blick, wo zu starke Zinsschritte zu Verwerfungen führen können.“ Die Inflationsrate wird also vorerst hoch bleiben, schon allein deshalb, weil die Verschuldung heute höher ist als früher, meint der Vermögensverwalter.

Auch die vermögende Klientel, die unter anderem Aktien, Immobilien und Gold besitzt, sei für höhere Inflationsraten gut aufgestellt, sagt er. Sorgen sollten sich laut Panse aber 50 Prozent der Deutschen machen: „Nämlich jene 50 Prozent, die weder Immobilien noch Aktien besitzen. Sie wird es hart treffen. Denn ihre Altersvorsorge, sei es ein Riester-Vertrag oder eine Lebensversicherung, ist größtenteils mit festverzinslichen Wertpapieren unterlegt“, sagt er im Interview mit dem „Manager Magazin“. Die Rendite liegt in diesen Fällen sechs bis sieben Prozent unter der Inflationsrate. Panse findet es sehr deprimierend, dass der Staat in diesem Bereich nichts tut.

Die Inflation liegt bei etwa 5%

Die Inflation liegt bei etwa 5%

Die vermögende Klientel hat aber noch ein weiteres Problem: Der Inflationsschutz von Immobilien gilt nur bedingt. Denn Investitionen in Gewerbeimmobilien werden derzeit durch den Home-Office-Trend getrübt, der Einzelhandel ist durch den Online-Handel bedroht. „Selbst eine Investition in das hochpreisige Luxus-Wohnsegment bietet kaum noch Inflationsschutz“, erklärt Panse. Für jemanden, der auf der Suche nach einer Immobilie ist, die den gewünschten Inflationsschutz bringt, hat Panse einen Rat: Am besten eignen sich einfache Neubauwohnungen in Städten, die „nicht zu schlecht“ sind. Dazu gehört das Umland von Großstädten. „In der Umgebung von Frankfurt zu kaufen, ist zweifellos besser als in Frankfurt selbst“, erklärt Panse.

Aktien bieten besseren Inflationsschutz

Aktien und Unternehmensbeteiligungen sollten laut Panse langfristig sogar einen besseren Inflationsschutz bieten als Immobilien. „Der Grund dafür ist, dass es in diesem Bereich weniger politischen Einfluss gibt“, erklärt Panse. Außerdem könne man mit Aktien sein Kapital viel besser streuen. Schließlich seien Unternehmen auch in Zeiten der Inflation im Vorteil, so Panse weiter. Panse empfiehlt die Sektoren Gesundheitspflege und Basiskonsumgüter. „Die Unternehmen dieser Sektoren sind kaum von der Konjunktur abhängig“, sagt der Vermögensverwalter. Außerdem verfügen diese Unternehmen nach Ansicht von Panse über starke Bilanzen mit viel Eigenkapital und sind weniger anfällig für steigende Preise.

(FW)