Der in London lebende Ostwestfale Lars Windhorst (44) erwarb letztes Jahr über seine Investmentfirma Tennor Holding B.V. mit Repräsentanz in der Berliner Friedrichsstraße 95, 16. Stock, für 375 Millionen Euro die absolute Aktienmehrheit von 66,6 Prozent an der HERTHA BSC GmbH & Co. KGaA. Allerdings auf Raten. Und nicht immer pünktlich.

HERTHA-Investor Lars Windhorst (44) mit Wohnsitz in London © Pressefoto Herthabsc.de

HERTHA-Investor Lars Windhorst (44) mit Wohnsitz in London © Pressefoto Herthabsc.de

Auch die zum 1. Juli 2021 zugesagte Rate ist noch nicht angekommen. Im Augenblick sind noch 65 Millionen Euro offen.

Hält der HERTHA-Investor die Kauf-Raten nicht ein, kann der Fußball-Bundesliga-Klub die HERTHA-Aktien von Tennor (vormals Sapinda) pfänden und an andere Investoren weiterverkaufen. Es soll bereits Interessenten geben.

Für Grund zur Sorge in HERTHAS Chefetage hat Lars Windhorst selbst gesorgt.

Windhorst hat die Überweisungstermine schon mehrfach nicht eingehalten. Die Rate von 50 Millionen Euro für Juli 2020 kam verspätet. Und  eine 100 Millionen Euro-Rate, die am 30. Oktober 2020 fällig war, kam gar nicht.

Die Berliner wollen sich mit Hilfe von Investor Lars Windhorst an der Bundesliga-Spitze etablieren.

Schon die angeblich verspätet gezahlte Rate von 50 Millionen Euro hatte laut Sport-BILD für den damaligen Trainer Bruno Labbadia (55), der 2021 von dem Ungarn Pal Dadai (45) abgelöst wurde, und den Kader einen zeitweiligen Investitions-Stopp zur Folge gehabt.

HERTHA-Präsident Werner Gegenbauer (70, links) stellte den HERTHA-Mehrheitsgesellschafter Lars Windhorst (44) auf der HERTHA-Pressekonferenz am 13. Februar 2020 vor © Pressefoto Herthabsc.de

HERTHA-Präsident Werner Gegenbauer (70, links) stellte den HERTHA-Mehrheitsgesellschafter Lars Windhorst (44) auf der HERTHA-Pressekonferenz am 13. Februar 2020 vor © Pressefoto Herthabsc.de

Das soll unter anderem der Grund dafür gewesen sein, dass Wunsch-Kandidaten wie Bayer 04 Leverkusens brasilianischer Links-Verteidiger Wendell Nascimento Borges (27) nicht verpflichtet werden konnten. Wendell verlängerte schließlich im Juni 2020 seinen Vertrag bis 2022 bei Bayer 04 Leverkusen. Gerade mal rund 30 Millionen Euro gab der zukünftige „Big City Club“ (Windhorst) im zweiten Halbjahr 2020 für neue Spieler aus, angedachte Verstärkungen fürs Mittelfeld oder für die Außenbahnen wurden gestrichen.

HERTHA BSC musste mit Lars Windhorst immer wieder neue Zahlungstermine vereinbaren.

Die letzten noch offenen 65 Millionen Euro sollten nun in 2 Raten am 1. Juli 2021 in Höhe von 35 Millionen Euro und am 15. August 2021 in Höhe von 30 Millionen Euro bei der HERTHA eingehen.

Am Donnerstag, 1. Juli 2021, kam jedoch kein Cent von der Tennor Holding B.V.

Nach Bankenschluss am 1. Juli 2021 um 18:25 Uhr twitterte das Fußballmagazin kicker  nach Rücksprache bei HERTHA: „Windhorst-Rate bei Hertha nicht eingegangen – Kommt es jetzt zur Pfändung von Anteilen? #BL

Lars Windhorst dementierte.

Anderthalb Stunden später am 1. Juli 2021 um 19:51 Uhr twitterte Lars Windhorst zurück: „Das ist eine irre Falschmeldung! Die Tranche wurde heute wie vereinbart und nachweislich an @HerthaBSC überwiesen. Es droht keine Pfändung! Das nennt man dann wohl @Kicker-Eigentor.“

Tennor-Sprecher Andreas Fritzenkötter verpricht: „35 Millionen nachweislich überwiesen“

Vier Minuten später zitierte der kicker auf Twitter den Tennor Holding B.V.-Firmensprecher mit den Worten:  „Sprecher Fritzenkötter: ‚35 Millionen nachweislich überwiesen‘ – Vorletzte Tranche laut Tennor im Anflug #BL

Zuvor hatte HERTHA-Klub-Sprecher Marcus Jung dem kicker auf Nachfrage erklärt, dass „der Zahlungseingang für Montag vereinbart ist“. Also nun der 5. Juli 2021.

Windhorst bezeichnete die Berichte des Sportmagazins gegenüber der Wirtschaftswoche als „Quatsch“. Der Effekt dieser Gerüchte sei vielmehr, „dass ich noch motivierter bin, mit aller Energie dazu beizutragen, dass Hertha BSC eine Erfolgsstory wird.“

Bereits in der vergangenen Woche am 21. Juni 2021 hatte der Unternehmer weitere Zahlungen versprochen.

„Wir haben bisher bereits 310 Millionen Euro investiert. Und wir stehen zu unserem Wort und an der Seite von Hertha BSC, auch wenn es sportlich keine leichte Zeit für den Verein ist. Selbstverständlich werden wir, wie verabredet, pünktlich das restliche Geld überweisen“, hatte Windhorst getwittert.

Längst nicht alle im Klub glauben daran, dass das Geld am 5. Juli 2021 tatsächlich kommt.

Hinter den Kulissen wird in Herthas Chef-Etage seit Wochen ein mögliches Szenario diskutiert für den Fall, dass das restliche Geld von Windhorsts Tennor-Holding ausbleibt. Hertha könnte dann, wie bereits erwähnt, tatsächlich Anteile an der HERTHA BSC GmbH & Co. KGaA, für die noch Zahlungen ausstehen, pfänden – und diese Anteile entweder behalten oder weiterverkaufen.

Doch Windhorst zählt zu den reichsten Deutschen.

Sein Vermögen wird vom ManagerMagazin auf 800 Millionen Euro geschätzt. Immerhin gehört auch die Luxus-Dessous-Marke La Perla (Im Februar 2018 für 70 Millionen Euro gekauft), die Flensburger Schiffswerft FSG oder ein Bergwerkbetreiber in Südafrika zu Windhorsts Imperium, welches im Laufe der Firmengeschichte bereits Investments in Milliardenhöhe rund um den Globus getätigt hat. Darunter fallen auch Anteile an der Filmproduktionsfirma „Wild Bunch“ sowie zahlreiche Immobiliengeschäfte. Die Büros von Tennor verteilen sich auf London, Amsterdam und Berlin.

Er ist seit 2009 verheiratet mit Tatjana Windhorst. Die Wohnsitze des Unternehmers verteilen sich auf Zürich, London und Monaco. Windhorst besitzt die 70 Meter Luxusyacht „Global“ mit einem Hubschrauber Landeplatz und fliegt im Privatjet um die Welt. (FM)