Am 28. Februar 2022, vier Tage nach Beginn von Putins Krieg gegen die Ukraine, griffen die EU-Sanktionen gegen Russland.

Putins Krieg: Russische Raketen und Luftwaffe zerstörten auch dieses Wohnhaus in der Stadt Borodjanka bei Kiew © Tweet des ukrainischen Botschafters in Deutschland, Andrij Melnyk (46), vom 3. März 2022

Putins Krieg: Russische Raketen und Luftwaffe zerstörten auch dieses Wohnhaus in der Stadt Borodjanka bei Kiew © Tweet des ukrainischen Botschafters in Deutschland, Andrij Melnyk (46), vom 3. März 2022

Die russische Börse in Moskau musste am 28. Februar 2022 schließen.  Auch an den meisten anderen Handelsplätzen der Welt, wo russische Wertpapiere notiert sind, ist der Handel mit diesen Titeln seitdem ausgesetzt.

Putins Krieg: Die Moskauer Börse bleibt auch in der dritten Woche nach dem Überfall des russischen Präsidenten, Wladimir Putin (69), geschlossen © Wikimedia Commons eigenes Werk / Pressefoto Kremlin.ru vom 11. März 2022

Putins Krieg: Die Moskauer Börse bleibt auch in der dritten Woche nach dem Überfall des russischen Präsidenten, Wladimir Putin (69), geschlossen © Wikimedia Commons eigenes Werk / Pressefoto Kremlin.ru vom 11. März 2022

Putins Krieg: Die Allianz-Tochter Pimco wettete mit einem Swap auf die Zahlungsunfähigkeit Russlands

Mit einer hochriskanten Swap-Wette versucht die kalifornische Allianz-Tochter Pimco noch zu retten, was zu retten geht. So wettete Pimco mit Credit Default Swaps (CDS) im Wert von 1,1 Milliarden Dollar (1,01 Milliarden Euro) gegen eine mögliche Zahlungsunfähigkeit von Russland. Zugleich hielt Pimco bis kurz vor Ausbruch des Krieges russische Staatsanleihen im Wert von umgerechnet 1,5 Milliarden Dollar (1,37 Milliarden Euro).

Der norwegische Staatsfonds dagegen gab als erster großer Vermögensverwalter auf

„Unsere Verwaltung des Government Pension Fund Global soll den finanziellen Wohlstand für künftige Generationen in Norwegen sichern und aufbauen. Unser Ziel ist es, der beste globale Investmentfonds der Welt zu sein“, verkündete das Norges Bank Investment Management, also der Staatsfonds, am 7. April 2021 in seinem Strategieplan 2021-2022 © NBIM.no/en/publications

„Unsere Verwaltung des Government Pension Fund Global soll den finanziellen Wohlstand für künftige Generationen in Norwegen sichern und aufbauen. Unser Ziel ist es, der beste globale Investmentfonds der Welt zu sein“, verkündete das Norges Bank Investment Management, also der Staatsfonds, am 7. April 2021 in seinem Strategieplan 2021-2022 © NBIM.no/en/publications

Der norwegische Staatsfonds hat als erster Big Player den Wert seiner in Russland gehaltenen Vermögenswerte in Höhe von rund drei Milliarden Dollar (2,75 Milliarden Euro) nahezu komplett abgeschrieben. Der Fonds war Ende vergangenen Jahres in Russland über Aktien an 51 Unternehmen in Russland beteiligt.

Tragisch: „Unsere Verwaltung des Government Pension Fund Global soll den finanziellen Wohlstand für künftige Generationen in Norwegen sichern und aufbauen. Unser Ziel ist es, der beste globale Investmentfonds der Welt zu sein“, verkündete das Norges Bank Investment Management, also der Staatsfonds, am 7. April 2021 in seinem Strategieplan 2021-2022, wie Business Leaders berichtete.

Norwegischer Staatsfonds: Strategy Plan 2021-2022

Im April 2021 kündigte das norwegische Finanzministerium an, seine Anlagepolitik zu vereinfachen und künftig weniger auf kleine Unternehmen zu setzen. Auch bei Investitionen in Schwellenländer soll sich der Fonds zurückzuhalten. Russland zählte nicht dazu.

Gründung des Staatsfonds zur Absicherung gegen Ölmarkt-Probleme

Norwegen legte den Fonds in den 1990er Jahren auf, um die Wirtschaft gegen die Schwankungen bei den Ölpreisen zu schützen und die umfangreichen Leistungen des Sozialstaats zu finanzieren. Zudem fungiert er als Versicherung für künftige Generationen, wenn nicht mehr gebohrt werden kann. Er wird mit den Einnahmen aus der norwegischen Öl- und Gasförderung gefüttert, von der Zentralbank im Auftrag des Finanzministeriums verwaltet.

Kurz nach dem norwegischen Staatsfonds folgte Blackrock – der weltgrößte Vermögensverwalter

Kunden des weltgrößten Vermögensverwalters, BlackRock aus New York (insgesamt 9,16 Billionen Euro in der Vermögensverwaltung), haben Ende Januar 2022 Vermögenswerte in Höhe von rund 18,2 Milliarden Dollar (16,68 Milliarden Euro) in Russland gehalten. Der Großteil davon ist aufgrund der geschlossenen Märkte und der Sanktionen gegen das Land unverkäuflich geworden, sodass BlackRock sie nun weitgehend abgeschrieben hat. Die damit einhergehenden Verluste belaufen sich auf rund 17 Milliarden Dollar, berichtete die „Financial Times“ am 11. März 2022.

BlackRock wollte weder seinen Bestand russischer Wertpapiere aufschlüsseln, noch genau angeben, welche Fonds welche Verluste erlitten haben, heißt es in dem Bericht weiter.

 Larry Laurence Fink, Chairman und CEO von BlackRock, Inc. in New York © Larry Finks Brief an CEOS 2022


Larry Laurence Fink, Chairman und CEO von BlackRock, Inc. in New York © Larry Finks Brief an CEOs 2022

BlackRock-Chef Larry Fink (69) erklärte in einem LinkedIn-Beitrag vor einer Woche: „BlackRock wird sich weiterhin aktiv mit Aufsichtsbehörden, Indexanbietern und anderen Marktteilnehmern beraten, um sicherzustellen, dass unsere Kunden ihre Positionen in russischen Wertpapieren auflösen können, wann immer und wo immer es die regulatorischen und Marktbedingungen erlauben.“

Fink erläuterte: „Als die Welt vor mehr als 30 Jahren den Kalten Krieg hinter sich ließ, erhielt Russland Zugang zu den globalen Kapitalmärkten. BlackRock hat zwar nie eine Niederlassung in Russland eröffnet, aber für Kunden, die ein Engagement auf dem Markt wünschten, haben wir in russische Wertpapiere investiert.“

Die Konsequenz aus dem Putin-Krieg gegen die Ukraine: „Bei BlackRock haben wir am Montag, den 28. Februar, den Kauf aller russischen Wertpapiere in unseren aktiven und Indexfonds ausgesetzt. Wir haben uns auch proaktiv bei unseren Indexanbietern dafür eingesetzt, russische Wertpapiere aus breit angelegten Indizes zu entfernen.“

Die Folge bei BlackRock: „Russische Wertpapiere machen heute weniger als 0,01 % des Vermögens unserer Kunden aus, hauptsächlich in unseren Indexportfolios. Einige unserer wichtigsten Indexanbieter haben inzwischen angekündigt, russische Wertpapiere aus ihren Indizes zu streichen, was in der nächsten Woche in Kraft treten wird.“

Weltweit sind 100 Fonds von Putins Krieg direkt betroffen

Die Rating-Experten von Morningstar schätzen, dass sich das Engagement der 100 größten Fonds in russischen Aktien und Anleihen Ende Februar auf rund 60 Milliarden Dollar belaufen hat. Nach Angaben der US-Bank JP Morgan sollen ausländische Gläubiger zudem auf russischen Schuldverschreibungen in Höhe von 79 Milliarden Dollar sitzen. Ausländische Banken und Geldinstitute wiederum sollen nach Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ein Russland-Risiko von etwa 120 Milliarden Dollar tragen.

Dr. Bert Flossbach, der Chef des Kölner Vermögensverwalters Flossbach von Storch, rät Anlegern zu Sachwerten
Dr. Bert Flossbach (60) aus Köln, Gründungsgesellschafter (50 Prozent) und Vorstand der Flossbach von Storch AG aus Köln (Jahresüberschuss 2019: rund 349 Millionen Euro, 2018: rund 155 Millionen Euro) © Twitter.com/fvs_com vom 7. März 2022

Dr. Bert Flossbach (60) aus Köln, Gründungsgesellschafter (50 Prozent) und Vorstand der Flossbach von Storch AG aus Köln (Jahresüberschuss 2019: rund 349 Millionen Euro, 2018: rund 155 Millionen Euro) © Twitter.com/fvs_com vom 7. März 2022

Dr. Flossbach (60) aus Köln schrieb am 9. März 2022 im Münchener Merkur: „Steigende Inflation bei gleichbleibenden, im besten Falle leicht steigenden Nominalzinsen, also in Summe negative Realzinsen, lassen die Guthaben auf Sparkonten und Tagesgelder dahinschmelzen. Jahr für Jahr.

Bisher hat es so etwas in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gegeben – negative Realzinsen. Immer wenn die Inflation in der Vergangenheit hoch war, waren die Zinsen höher. Heute und in Zukunft ist das anders. Anleger sollten sich darauf einstellen.

Wer sein Vermögen langfristig erhalten will, braucht deshalb mehr Sachwerte, nicht weniger. Auch an dieser Einschätzung verändert der Krieg in der Ukraine nichts. Er braucht allen voran Aktien guter Unternehmen, so zynisch das in diesen Tagen auch klingen mag.“ (FM)