Die Inflationsrate (aktuell 7,3 Prozent) ist in Deutschland im März auf den höchsten Stand seit rund 40 Jahren emporgeschnellt. Ein Ende steigender Preise ist nicht in Sicht. Die Energiepreise steigen dramatisch weiter, das hat Folgen. Dazu kommen Lieferschwierigkeiten und Engpässe in der Versorgung mit Nahrungsmitteln. Erst kürzlich hatte der Bauernverband gewarnt: Brot könne bis zu 10 Euro kosten, wenn die Erzeugerpreise weiter so steigen. Eine hohe Inflation schmälert die Kaufkraft der Verbraucher, weil die sich für einen Euro weniger leisten können.

Inflation über 7 Prozent - EZB zögert weiter - Wirtschaftsweise warnen vor Konjunktureinbruch

Inflation über 7 Prozent – EZB zögert weiter – Wirtschaftsweise warnen vor Konjunktureinbruch

Inflation und niedriges Wachstum

EZB-Chefin Christine Lagarde äußerte sich in Nikosia zur aktuellen Lage: „Weder eine nachhaltige Rezession noch eine immer höhere Inflation zeichneten sich ab. Zwar gebe es Inflationstreiber wie Energie- und Nahrungsmittelkosten, doch sei nicht davon auszugehen, dass diese sich weiter „höher und höher“ bewegten. Wir werden auf kurze Sicht mit höherer Inflation und niedrigerem Wachstum konfrontiert sein.“

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, warnt vor hohen Inflationsraten als Folge des Ukraine-Kriegs. „Wenn es zu einem Öl- und Gas-Embargo kommen sollte oder wenn Präsident Putin den Gashahn zudreht, sind Inflationsraten von bis zu zehn Prozent wahrscheinlich. Auch ohne eine solche Eskalation sei mit Inflationsraten um sechs bis sieben Prozent zu rechnen. Durch ein Energie-Embargo könnte die Inflationsrate in Deutschland zweistellig werden. Andere Länder seien von den wirtschaftlichen Folgen noch deutlich stärker betroffen. sagte Fratzscher in einem Podcast von „Kölner Stadt-Anzeiger“ und Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Teuerungsraten von mehr als sieben Prozent

Das Statistischen Bundesamt legte eine erste Schätzung vor. Nach dieser Einschätzung sind die Verbraucherpreise in Deutschland um 7,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen und damit so stark wie noch nie im wiedervereinigten Deutschland. Ähnlich hoch wie im März war die Inflationsrate in den alten Bundesländern zuletzt im Herbst 1981, als infolge der Auswirkungen des Ersten Golfkrieges die Mineralölpreise stark angestiegen waren. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer äußerte sich dazu: „Wie außergewöhnlich ein derart kräftiger Preisanstieg ist, zeigt ein Blick in die Geschichte: Selbst im früheren Bundesgebiet hatten  Seltenheitswert und waren nur zu Beginn der 1980er, 1970er und 1950er Jahre zu finden.“

LBBW-Ökonom Jens-Oliver Niklasch. „Die Kaufkraft von Renten und Einkommen schrumpfe erheblich, Ersparnisse seien aufgrund der Mini-Zinsen ebenfalls nicht gegen Realwertverlust gesichert. Hohe Inflationsraten schmälern die Kaufkraft von Verbrauchern, weil sie sich für einen Euro dann weniger leisten können. Die Doppelkrise aus Corona und Ukraine-Krieg kostet ganz handfest Wohlstand“

Wolfgang Schnellbächer – Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG): Die Preissteigerungen, die Verbraucher aktuell in den Supermärkten sehen, sind wohl nur ein bitterer Vorgeschmack. Die durch den Ukraine-Krieg verursachte Explosion der Beschaffungspreise ist nämlich noch gar nicht bei den Konsumenten angekommen – mit Ausnahme der Spritpreise“.

Michael Heise, Chefvolkswirt von HQ Trust: „Die nüchterne Zahl eines Preisanstiegs von über sieben Prozent bedeutet eine massive reale Entwertung der Einkommen in der deutschen Volkswirtschaft – der Arbeitseinkommen, der Renten und Transfers, der Unternehmer- und Kapitaleinkommen“.

Die Inflationsrate wird weiter neue Rekordstände erreichen

Die Wirtschaftsweisen haben wegen der Folgen des Ukraine-Kriegs ihre Konjunkturprognose für dieses Jahr deutlich nach unten geschraubt. Der Sachverständigenrat erwartet nun nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,8 Prozent, wie das Beratergremium der Bundesregierung in Berlin mitteilte. Für das kommende Jahr wird ein Plus von 3,6 Prozent vorhergesagt. (AH)