Überstanden und am Abgrund

Nach dem ersten Beben, dass das Rauchverbot vor einiger Zeit auslöste, ist derzeit ein noch härterer Einschnitt des Kneipenlebens, der Kneipenkultur spürbar. Es wird gar ein Kneipensterben geben!

Knapp 15 Jahre ist es schon her, als das Nichtraucherschutzgesetz in das Kneipenleben eingriff und drohte dieses zu zerstören. Nun, viele Jahre danach wissen wir, dass es nicht soweit gekommen ist. Anpassung war das Zauberwort, Weitermachen ohne den Rauch. Was ja auch seine Vorteile hat! Doch die damaligen Probleme, die durch das Nichtraucherschutzgesetz ausgelöst wurden sind alle nichts gegen die Situation, die seit knapp einem Jahr in Deutschland und vielen anderen Ländern vorhanden ist. Die Corona-Krise mit all Ihren Regelungen, gesetzlichen Auflagen und Auswirkungen werden nicht zu einem Kneipensterben führen, sie führen bereits dazu.

 

Betreiber nicht tatenlos

Lange Zeit haben Betreiber versucht durch Improvisationen, Investitionen und vorallem durch unbändiges Durchhaltevermögen, die Lage zu verbessern oder zu überbrücken. Fortlaufend neue Auflagen, Änderungen von Gesetzen wieder Lockerungen und wieder von vorn, lassen die Betreiber hilflos dastehen. Kaum jemand hatte auch nur im Traum daran gedacht, dass einmal der Moment kommen würde, bei dem er den Laden mehrere Monate schließen muss, wohl gemerkt, unverschuldet!

 

Kneipensterben

Früher beliebter Platz, heute verstaubt und überflüssig?

 

Die Kneipe, kein Ort wie jeder Andere

Nicht nur aus Sicht der Betreiber ein Fiasko. Auch die Gäste, oftmals Stammgäste, würden sich wünschen, nach so einer langen Zeit mal wieder in Ihrer Lieblingskneipe vorbeizuschauen, bekannte Gesichter wieder zu sehen, oder sein Bier am alten Platz zu trinken. Die netten Gespräche sind es die man doch so viele Jahre am Tresen geführt hat, die jetzt fehlen. Ist eine Kneipe doch meist mehr als nur ein Ort wo es Bier und Wein gibt. So manch ein Wirt oder Wirtin sprang immer mal wieder ein als Psychologe, Zu-sprecher, Kollege. Ein offenes Ohr ist bei den meisten unter Ihnen eine Grundtugend in dieser Branche. Man kennt sich, man mag sich…nicht jeden, nicht immer, aber beisammen.

 

Gibt es Hilfen und reichen diese?

„Einem Drittel der 245.000 Betriebe droht bei einer erneuten Schließung das Aus“, warnte bereits der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), Guido Zöllick. „Es ist mehr als konsequent, dass hier eine Entschädigung erfolgt, wenn unsere Branche geschlossen wird, damit die allgemeine Wirtschaft keinen Lockdown erfährt und Schulen geöffnet bleiben.“ Es sei nun wichtig, „dass diese Hilfen für alle Unternehmen in Gastronomie, Hotellerie und Cateringwirtschaft schnell und unbürokratisch zur Verfügung gestellt werden.“ Dabei stellen Brandbriefe an Kanzlerin Merkel immer wieder dar, dass die Gastronomie nie ein Infektionsherd war und sich diese Branche weitestgehend geschlossen an alle gestellten Auflagen halte. Dieser Ansicht seien auch große Cafe- und Restaurantketten wie Hans im Glück, Nordsee, Block House und Coffee Fellows, aber auch Starkoch Tim Mälzer.

 
Ausmaß nicht absehbar

Man müsse immer auch betrachten was die direkten Folgen der Schließung jener Etablissements bedeute. So vermuten viele, dass die Schließungen Menschen ins private Umfeld verdrängen würde, ohne Auflagen, unbeobachtet. Dies vermute man seit geraumer Zeit eh schon als „Hotspot“. Das ganze Ausmaß des Kneipensterbens würde sich dann ergeben, wenn es wieder möglich sei, am Leben „teilzunehmen“, sich frei bewegen zu können und gesellig zu sein. Vermutlich klopft der ein oder andere dann an Türen, die dann für immer verschlossen sind und bleiben…

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