Mit einer neuen norwegisch-deutschen Erdgas-Wasserstoff-Raffinerie (Projektname H2EG Rostock) rettet Rostock die Energie-Versorgung mit Wärme in Berlin und in ganz Ostdeutschland – zumindest in naher Zukunft.

Ein Kilo Wasserstoff enthält soviel Energie wie 3,8 Liter Benzin und hinterlässt im Gegensatz zum Benzin beim Verbrennen keine Schadstoffe, sondern nur Wasserdampf.

Die geplante Erdgas-Wasserstoff-Raffinerie könnte den Osten Deutschlands in wenigen Jahren unabhängig von Gas aus Russland, den USA oder auch Katar machen.

Das Projekt mit dem Namen H2EG Rostock gaben am 4. Juli 2022 sowohl der größte und mehrheitlich staatliche Gasproduzent des Königreichs Norwegens, die Equinor ASA aus Stavanger, als auch sein deutscher Gasimporteurpartner, die halbstaatliche VNG AG (Verbundnetzgas) aus Leipzig, in einer gemeinsamen Presseerklärung bekannt.

Nina Scholz, Country Managerin Germany und Leiterin des Berliner Büros der norwegischen Equinor ASA © Pressefoto Equinor ASA, Stavanger

Nina Scholz, Country Managerin Germany und Leiterin des Berliner Büros der norwegischen Equinor ASA © Pressefoto Equinor ASA, Stavanger

Die neue Erdgas-Wasserstoff-Raffinerie von Equinor und VNG wird nach Angaben von Equinor-Sprecherin Nina Scholz aus Berlin eine Milliardeninvestition an der Warnow, die in die Ostsee mündet.

Projektelemente sind laut Equinor und VNG „die Planung, der Bau und Betrieb einer Anlage im Gigawatt-Maßstab in Rostock mit einer jährlichen Wasserstoffproduktionskapazität von bis zu 230.000 Tonnen – das entspricht 8 bis 9 TWh oder fast 20 Prozent des derzeitigen deutschen Wasserstoffmarktes“.

Das Prinzip: Aus dem fossilen Gas wird in einem sogenannten „autothermen Reformierer“ (ATR) Wasserstoff gewonnen.

Das deutsch-norwegische Wasserstoffprojekt mit der Erdgas-Wasserstoff-Raffinerie Rostock „H2GE Rostock“ © Pressegrafik VNG AG, Leipzig

Das deutsch-norwegische Wasserstoffprojekt mit der Erdgas-Wasserstoff-Raffinerie Rostock „H2GE Rostock“ © Pressegrafik VNG AG, Leipzig

Der norwegische Energiekonzern Equinor ASA liefert über eine neue Gasleitung dreckiges Erdgas aus der Nordsee in eine Erdgas-Wasserstoff-Raffinerie nach Rostock, wo daraus sauberer Wasserstoff entsteht – Energie für die Industriezentren des Ostens in Leuna, Leipzig und Eisenhüttenstadt, als Heizenergie für Berlin.

Das dabei freiwerdende gasförmige CO2 verflüssigt die Equinor ASA und nimmt es so wieder per Schiff zurück, um es vor Norwegen in ehemaligen Sandstein-Erdgasspeichern unter der Nordsee dauerhaft einzulagern. Das frei werdende Kohlenstoffpulver aus CO2 (Carbon Black) wird von dem Leipziger Gasimporteur VNG AG an die Industrie geliefert – für den Straßenbau, Gebäudebau, zur Reifenherstellung oder für die Produktion von Lithium-Batterien.

Noch suchen die Norweger für die Erdgas-Wasserstoff-Raffinerie eine gigantische Fläche in der Hansestadt Rostock

Die Anlage soll mehr als 20 Fußballfelder umfassen. Bis zu 100 neue Jobs könnte Equinor in Rostock schaffen.

Rostocks bisheriger Finanz-Senator Dr. Chris Müller von Wrycz Rekowski (53, links, SPD) schwörte am 30. Juni 2022 dem scheidenden Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (49, parteilos, aus Kopenhagen in Dänemark) den Amtseid © Hanse- und Universitätsstadt Rostock

Sucht ein Gelände für die geplante Erdgas-Wasserstoff-Raffinerie: Rostocks bisheriger Finanz-Senator Dr. Chris Müller von Wrycz Rekowski (53, links, SPD) schwörte am 30. Juni 2022 dem scheidenden Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (49, parteilos, aus Kopenhagen in Dänemark) den Amtseid © Hanse- und Universitätsstadt Rostock

Rostocks amtierender Oberbürgermeister Dr. Chris Müller von Wrycz Rekowski (53, SPD) ist ganz aus dem Häuschen und sagte der Ostsee-Zeitung vom 7. Juli 2022:  „Wir prüfen verschiedene Flächenoptionen im Hafen-Umfeld, diese Chance lassen wir uns nicht entgehen! Eine Anlage in dieser Größenordnung wäre ein Meilenstein, Rostock als Top-Energie-Standort an der Ostsee zu etablieren.“

400 Kilometer – von Rostock nach Bad Lauchstädt und Bernburg in Sachsen-Anhalt

Die VNG AG baut eine Wasserstoff-Gasleitung von Rostock in ihre beiden Untergrundgasspeichern in Salzkavernen in Bad Lauchstädt und Bernburg in Sachsen-Anhalt © Pressefoto VNG AG (Verbundnetzgas), Leipzig

Die VNG AG baut eine Wasserstoff-Gasleitung von der geplanten Rostocker Erdgas-Wasserstoff-Raffinerie in ihre beiden Untergrundgasspeichern in Salzkavernen in Bad Lauchstädt und Bernburg in Sachsen-Anhalt © Pressefoto VNG AG (Verbundnetzgas), Leipzig

Parallel zum Bau dieser Anlage will Verbundnetzgas – mit Partnern wie den Gasnetzbetreibern Gascade und dem belgischen Unternehmen Fluxys – ein neues 400 Kilometer langes Wasserstoff-Pipeline-Netz von Rostock in die VNG-Untergrundgasspeicher in Salzkavernen in Bad Lauchstädt und Bernburg in Sachsen-Anhalt aufbauen, um von da aus den Wasserstoff in das bereits bestehende 7.500 Kilometer lange Verteilernetz in ganz Ostdeutschland einzuspeisen. Kosten dafür: noch offen.

Fest steht bisher nur: Die Raffinerie und die neuen Netze sollen bis 2030 komplett fertig sein. Ein Fünftel des gesamten deutschen Wasserstoffbedarfs soll das Projekt decken.

Rostock bekommt aber nicht nur eine Erdgas-Wasserstoff-Raffinerie aus Erdgas

Im Schnellverfahren wird Deutschlands größter Ostseehafen zum wichtigsten Energiehafen der Neuen Länder.

Gerade erst hatten die Energieriesen EnBW (Stuttgart), RWE (Essen), RheinEnergie (Köln) bekanntgegeben, zusammen mit dem Rostock Port bis 2025 im Rostocker Seehafen eine riesige Produktionsanlage für Wasserstoff aus Ostseeparks-Windstrom aufzubauen. Also für grünen Wasserstoff ohne CO2-Abfall. Gleiches plant ein Konsortium auch in Lubmin. Zusammen könnten die drei Projekte (Erdgas-Wasserstoff-Raffinerie in Rostock, Windstrom-Wasserstoff in Rostock und Lubmin) fast zwei Drittel des bisherigen Wasserstoffbedarfs in ganz Deutschland decken.

Parallel verhandeln Bund, Land und Hafen über den Ausbau des Ölhafens – als neuer Hauptzulieferer für die Raffinerie Schwedt – und den Bau eines neuen Flüssiggas-Terminals.

Wer braucht den Wasserstoff?

In Berlin – so der Plan – könnten künftig Heizungen und Kraftwerke mit dem Stoff aus Rostock und Lubmin befeuert werden: grüne Wärme für Tausende Wohnungen. In Leuna benötigt die chemische Industrie Wasserstoff, in Eisenhüttenstadt die Stahlwerke und in Chemnitz ebenfalls die Großindustrie. Auch in Leipzig (unter anderem Porsche und BMW) ist Wasserstoff gefragt.

Über Equinor

Die Equinor ASA gehört zu 67 Prozent dem Königreich Norwegen und ist ein internationales Energieunternehmen mit über 21.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und Hauptsitz in Stavanger in Norwegen sowie Deutschlandsitz im ostfriesischen Friedeburg-Etzel und Büro in Berlin.

Equinor ist Europas zweitgrößter Gaslieferant mit einem Marktanteil von rund 20 Prozent. Bereits heute zählt Equinor zu den emissionsärmsten Öl- und Gasproduzenten der Welt. Equinor entwickelt sich zu einem breit aufgestellten Energieunternehmen, das starke Synergien zwischen Öl, Gas, erneuerbaren Energien, Kohlenstoffabscheidung und Offshore-Speicherung (CCOS) und Wasserstoff nutzt. Der Konzern hat ein wachsendes Portfolio im Bereich Offshore-Wind und ist an verschiedenen Wasserstoffprojekten in ganz Europa beteiligt. Mehr unter www.equinor.de.

Über VNG

Die VNG AG gehört zu 74,21 Prozent der EnBW Energie Baden-Württemberg AG (zu 93,5 Prozent in den Händen von 9 baden-württembergischen Landkreisen und dem Land Baden-Württemberg) aus Karlsruhe ist ein europaweit aktiver Unternehmensverbund mit über 20 Gesellschaften, einem breiten, zukunftsfähigen Leistungsportfolio in Gas und Infrastruktur sowie einer über 60-jährigen Erfahrung im Energiemarkt.

Der Konzern mit Hauptsitz in Leipzig beschäftigt rund 1.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2021 einen abgerechneten Umsatz von rund 18,5 Milliarden Euro. Entlang der Gaswertschöpfungskette konzentriert sich VNG auf die vier Geschäftsbereiche Handel & Vertrieb, Transport, Speicher und Biogas. Ausgehend von der Kernkompetenz in Gas richtet VNG mit der Strategie „VNG 2030+“ ihren Fokus zunehmend auf neue Geschäftsfelder. Dazu zählen unter anderem grüne Gase und digitale Infrastruktur. Mehr unter: www.vng.de. (FM)