VW will Sportwagenhersteller Porsche an die Börse bringen – Aktienkurs steigt um fast 10 Prozent. Der Sportwagenhersteller aus Zuffenhausen will an die Börse. VW könnte mit dem Verkauf die Entwicklung neuer Elektromodelle und digitaler Plattformen finanzieren.

Aktienkurse von Porsche SE und VW steigen deutlich an

Volkswagen hat einen möglichen Börsengang seiner Stuttgarter Sportwagentochter endgültig vorangetrieben. In den nächsten Tagen will der VW-Aufsichtsrat einen Grundsatzbeschluss fassen, um die entsprechenden Vorbereitungen voranzutreiben. Ein Unternehmenssprecher sagte am Dienstag, die Angelegenheit sei „entscheidungsreif“. Kurz zuvor hatte Volkswagen in einer außerordentlichen Mitteilung bestätigt, dass es Verhandlungen über einen Börsengang von Porsche gebe. Es habe „Vorgespräche“ gegeben. Volkswagen teilte zudem mit, dass der Wolfsburger Konzern eine Grundsatzvereinbarung mit der Porsche SE ausgehandelt habe, die „die Basis für weitere Schritte in Richtung eines möglichen Börsengangs bildet.“ Die Porsche SE, nicht zu verwechseln mit dem Sportwagenhersteller Porsche AG, der derzeit für einen Börsengang vorbereitet wird, ist eine Stuttgarter Holding, in der die Familie Porsche-Piech ihre Anteile am VW-Konzern bündelt. Die Familie hält 53 % der Stimmrechte an VW und ist der einflussreichste Aktionär in Wolfsburg.

Die Interessen der wichtigsten Aktionärsgruppen von Volkswagen seien in der Eckpunktevereinbarung berücksichtigt worden, so der Konzern weiter. Damit ist nun klar, dass der Aufsichtsrat in den nächsten Tagen einen Grundsatzbeschluss fassen wird, um den Börsengang vorzubereiten. Volkswagen und die Porsche SE haben bereits große Banken und Anwaltskanzleien beauftragt, sie bei den Vorbereitungen zu unterstützen. Nach verschiedenen Angaben sollte eigentlich schon am Montag eine Entscheidung über die wesentlichen Punkte fallen. Allerdings hat Katar, ein Großaktionär des Unternehmens, einen Antrag gestellt, dessen Antwort noch aussteht. Das Basisszenario sieht vor, dass 20 bis 30 Prozent der Aktien der Porsche AG an die Börse gebracht werden. Wie beim Volkswagen-Konzern würde es voraussichtlich sowohl Stamm- als auch Vorzugsaktien geben. Die Eigentümerfamilie wird ein Vorkaufsrecht an der Porsche Automobil Holding SE haben, die ihr gehört. Die doppelte Beteiligung an Porsche und Volkswagen hätte zur Folge, dass die Macht von Volkswagen bei dem Sportwagenhersteller deutlich zunehmen würde.

Nach der behelfsmäßigen Ankündigung von Volkswagen am Morgen stieg der Aktienkurs von VW am Vormittag um fast 10 Prozent. Auch der Aktienkurs der ebenfalls börsennotierten Porsche SE profitierte stark und stieg um mehr als 11 Prozent. Im Falle eines Börsengangs werden die Porsche-Aktien, die derzeit von den VW-Hauptaktionären – der Familie Porsche Piech, dem Land Niedersachsen und der Qatar National Holding Company – gehalten werden, in gewissem Umfang verwässert. Wie das Unternehmen weiter mitteilt, garantiert die Einigung über die Eckpunkte, dass ein gewisser Ausgleich gezahlt wird.

Autostadt Wolfsburg
Autostadt Wolfsburg

Volkswagen wird im Zuge des Börsengangs eine Sonderdividende an seine Aktionäre ausschütten. Einen entsprechenden Grundsatzbeschluss hatte die Hauptversammlung der Volkswagen AG bereits im vergangenen Sommer gefasst. Ein großer Teil der Sonderdividende wird demnach an die Porsche SE ausgeschüttet, die damit die Möglichkeit hat, sich an der Sportwagentochter zu beteiligen. Die Vereinbarung trägt auch den Interessen der einflussreichen Arbeitnehmervertreter im VW-Aufsichtsrat Rechnung. Sie gibt dem Vorstand des Volkswagen-Konzerns zudem die Sicherheit, dass die Milliarden aus dem Börsengang von Porsche in Elektrofahrzeuge investiert werden können. Allein der Bau der sechs geplanten neuen Batteriezellenfabriken in Europa dürfte rund 20 Milliarden Euro kosten. Wie genau Porsche an die Börse gehen wird, ist noch nicht bekannt. In jedem Fall wird der VW-Konzern eine Mehrheitsbeteiligung an dem Stuttgarter Sportwagenhersteller behalten, und der Börsengang dürfte vor allem den versteckten Wert des Stuttgarter Sportwagenherstellers erhöhen. Der gesamte Volkswagen-Konzern hat derzeit eine Marktkapitalisierung von 100 Milliarden Euro, was mehr als ausreichend ist. Porsche allein ist mindestens 50 bis 60 Milliarden Euro, im besten Fall 100 Milliarden Euro wert. Das würde den verschiedenen Aktionären eine Menge Geld einbringen.

Selbst wenn der Volkswagen-Aufsichtsrat in den kommenden Tagen eine Grundsatzentscheidung zum Porsche-Börsengang trifft, gibt es keine Garantie, dass dieser auch tatsächlich zustande kommt. Dies hängt natürlich vom weltweiten Börsenumfeld ab“, so eine Quelle der Gruppe. Die größte Herausforderung bestehe nun darin, die Rechtsgrundlage für den Börsengang zu schaffen, sagten sie. Er fügte hinzu, dass die Ungewissheit über die Situation in der Ukraine und die Möglichkeit steigender globaler Zinssätze Einflussfaktoren sind, die Porsche von einem Einstieg in den Aktienmarkt abhalten könnten. Die Grundregeln der Finanzmärkte gelten auch für den Automobilhersteller aus Stuttgart. Dies bedeutet, dass eine Börsennotierung nur dann erfolgt, wenn das allgemeine Börsenumfeld günstig ist.

Noch ist nichts endgültig entschieden

Die Aussichten auf einen Börsengang sind jedoch gut. Er würde den verschiedenen Aktionären viel Geld bringen“, sagte der Quantco-Automobilexperte und langjährige VW-Konzernbeobachter Arndt Ellinghorst, „die Logik des Börsengangs ist zwingend“, da VW so von der hohen Profitabilität von Porsche profitieren könnte. fügte Ellinghorst hinzu. Er sagte, der Börsengang könnte in der zweiten Hälfte dieses Jahres stattfinden. Die Porsche SE bestätigte, dass die Gespräche bereits weit fortgeschritten sind. Er wies darauf hin, dass die Transaktion, selbst wenn sie von den zuständigen Aufsichtsbehörden genehmigt wird, einer weiteren Überprüfung und der allgemeinen Marktentwicklung unterliegt.

Wir sind uns natürlich bewusst, dass es ein großes Interesse der Öffentlichkeit und des Marktes gibt“, sagte er. Die Entscheidung liegt allein beim Volkswagen-Konzern“, sagte Porsche-Chef Oliver Blum in einem Interview mit dem Handelsblatt. Wenn der Börsengang gelingt, erhält die Eigentümerfamilie wieder Zugang zur Porsche AG, die nach einer verlorenen Übernahmeschlacht vor zehn Jahren vollständig an Volkswagen verkauft wurde. Die Familie Porsche ist nach wie vor eng mit dem Sportwagenhersteller verbunden, denn er ist das Herz der Automobilindustrie.

(FW)