Für den russischen Präsidenten Wladimir Putin (69) werden die Sanktionen wegen seiner Ukraine-Aggression seit dem 24. Februar 2022 auch persönlich immer spürbarer.

Das betrifft aktuell den Arrest der  mutmaßliche Kreml-Luxus-Yacht Scheherazade mit Drohnenabwehrsystem in Italien sowie geplante Sanktionen gegen seine mutmaßliche Geliebte und angebliche Mutter seiner zwei Söhne, der Usbekin Alina Kabajewa (38), nebst einem Ausschluss aller Russen vom EU-Immobilienmarkt im neuen, noch zu beschließenden 6. EU-Sanktionspaket.

► Putins heimliche Yacht Scheherazade?

Am vergangenen Freitag (6. Mai 2022) beschlagnahmte die italienische Polizei auf Anordnung des italienischen Finanzministers Daniele Franco (68) im Hafen von Marina di Carrara in der Toskana die Yacht Scheherazade.

Die 650 Millionen Euro teure Yacht mit zwei Hubschrauberlandeplätzen, vier (statt den normalen 2) Radarsystemen, Swimmingpool und Kino, 2020 in der Bremer Lürssen-Werft fertiggestellt, war für Wartungsarbeiten im Hafen von Marina di Carrara nach Italien gekommen. Ihr letztes Signal sendete sie am 2. März um 17.46 Uhr vom Dock des Luxusjacht-Unternehmen „Italian Sea Group“.

Die „Italian Sea Group“ dementierte stets jede Putin-Verbindung. Offiziell ist als Besitzer die „Beilor Asset Ltd.“ auf den Marshall-Inseln eingetragen. Italienischen Medien zufolge ist Eduard Chudainatow (61), der Ex-Chef des russischen Öl-Staatskonzerns Rosneft, als Besitzer eingetragen. Der wird im Gegensatz zu Putin nicht sanktioniert. Vermutet wird, dass Chudainatow nur ein gern genutzter Strohmann ist, um die Sanktionen zu umgehen.

Chudainatow und die auf Fidschi beschlagnahmte Super-Yacht Amadea

Der Erdölmanager wird auch als Eigentümer der Superjacht „Amadea“ angeführt, die am Dienstag (5. Mai 2022) auf Fidschi beschlagnahmt worden war und vom FBI in die USA verbracht wird. Die Amadea soll jedoch dem sanktionierten russischen Milliardär Suleiman Kerimow (56, Besitzer von Polyus Gold) gehören.

Kerimow gilt als Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er steht in den USA schon seit 2018 wegen Geldwäsche auf der Sanktionsliste, ist aber im Zuge des Ukrainekrieges auch von der Europäischen Union und anderen Staaten sanktioniert worden.

Wegen der zunächst unklaren Besitzverhältnisse war die rund 300 Millionen Euro teure Luxusjacht – nach einer 18-tägigen Fahrt von Mexiko quer über den Pazifik – seit Mitte April auf Fidschi gestrandet. Als offizieller Eigentümer ist ein Unternehmen namens Millemarin Investment Ltd. eingetragen. Jedoch gab es unterschiedliche Angaben dazu, wer sich dahinter verbirgt. Die Millemarin-Anwälte sagen, das Schiff gehöre dem russischen Milliardär Eduard Chudainatow, der nicht auf den Sanktionslisten steht. Der High Court in der Fidschi-Hauptstadt Suva folgte am 6. Mai 2022 nochmals dem Antrag auf Beschlagnahme aus Washington und ließ eine Verteidigung gegen die Beschlagnahme vom 3. Mai 2022 nicht zu.

Nawalny-Team: Scheherazade gehöre Putin

Für das von Putins Erzfeind, dem inhaftierten oppositionellen Moskauer Anwalt Alexei Nawalny (45), gegründete Team russischer Anti-Korruptions-Journalisten (FBK) besteht kein Zweifel daran, dass die Yacht Putin gehört, dem ein Vermögen von 200 Millionen US-Dollar nachgesagt wird, dass seinen Beginn mit verschwundenen Millionen aus dem Erdölverkauf aus Putins Zeit im Bürgermeisterbüro von Sankt Petersburg.

Die russische Journalistin Maria Pevchikh warnte am 5. Mai 2022 auf Twitter vor einer Flucht der Yacht Scheherazade aus Sardinien © Twitter.com
Die russische Journalistin Maria Pevchikh warnte am 5. Mai 2022 auf Twitter vor einer Flucht der Yacht Scheherazade aus Sardinien © Twitter.com

Einen Tag zuvor, am Donnerstag (5. Mai 2022), hatte die russische Journalistin Maria Pevchikh (34) per Twitter davor gewarnt, dass das Schiff bald in Gewässer aufbrechen könnte, die dem Kreml gut gesonnen sind.

Als Beleg hatten sie und ihre Kollegen schon vor Wochen enthüllt, dass die rund 70 russischen Crew-Mitglieder der Scheherazade in unmittelbarer Verbindung zu Putin und seinem Schutzdienst FSO stehen. Die Hauptaufgabe des FSO ist die Sicherheit des russischen Präsidenten und der russischen Regierung. Auch die „New York Times“ hatte unter Berufung auf amerikanische Geheim­dienst-Dokumente darüber berichtet.

Im März 2022 waren BILD-Reporter am Schiff, als Fischer ihnen erzählten, dass die Yacht „Putin gehört“.

In einer offiziellen Erklärung blieb die Regierung in Rom trotz der zahlreichen Beweise zunächst vage und ordnete das Schiff jemandem zu, der Verbindungen zu „prominenten Elementen der russischen Regierung“ und anderen Leuten von der EU-Sanktionsliste hat.

► Putins heimliche Geliebte

Der russische Präsident Wladimir Putin überreichte Alina Kabajewa den Orden für Verdienste um das Vaterland, vierte Klasse, am 21. Dezember 2005 © Pressefoto kremlin.ru
Der russische Präsident Wladimir Putin überreichte Alina Kabajewa den Orden für Verdienste um das Vaterland, vierte Klasse, am 21. Dezember 2005 © Pressefoto kremlin.ru

Putins Ex-Ehefrau Ljudmila (64, Scheidung 2014) und die gemeinsamen Töchter sind bereits sanktioniert. Im April 2022 hat die EU nach den USA die Drüsen-Ärztin Maria Woronzowa (37) und Katerina Tichonowa (35, sie sitzt als Verwaltungswissenschaftlerin in der Leitung der Moskauer Lomonossow-Universität wegen Putins Ukraine-Krieg auf ihre Sanktionsliste gesetzt.

Woronzowa ist Miteigentümerin einer medizinischen Forschungsgesellschaft. Putins ältere Tochter leitet laut US-Angaben staatlich finanzierte Programme, die vom Kreml mit Milliardensummen für die Genforschung gefördert und von Putin persönlich überwacht würden.

Katerina Wladimirowna Tichonowa leitet laut russischen Medienberichten ein Institut für Künstliche Intelligenz an der staatlichen Moskauer Universität. Sie unterstütze mit ihrer Arbeit die russische Regierung und die Verteidigungsindustrie, erklärten die USA.

Nun soll sich das kurz vor der Verabschiedung stehende 6. EU-Sanktionspaket auch direkt gegen Alina Kabajewa richten

Wie der US-Sender CNN berichtete, soll Alina Kabajewa auf dieser neuen Liste der sanktionierten Personen stehen. Wie auch das orthodox-russische Kirchenoberhaupt Patriarch Kirill (75), der den Krieg befürwortet und sich an Putins Riviera am Schwarzen Meer eingenistet hat, wie Business Leaders berichtete.

2013 gab Putin die Trennung von seiner Ehefrau Ljudmila Putin bekannt. Eine Beziehung mit der früheren Leistungssportlerin Kabajewa oder seine mutmaßliche Vaterschaft hat er nie bestätigt.

2015 soll Kabajewa einen Sohn Putins zur Welt gebracht haben – in einem Krankenhaus im Tessin, dem italienischsprachigen Süden der Schweiz. Eine russischstämmige Gynäkologin und Vertraute des russischen Präsidenten soll bei der Geburt geholfen haben – und 2019 zur Geburt des kleinen Bruders nach Moskau gereist sein. So berichteten es Zeitungen im Tessin und in Italien. Eine italienische Zeitung veröffentlichte ein Bild der Villa, in der Putins Geliebte angeblich lebte. Heute soll Putin von der Nachricht überrascht worden sein, dass die Exturnerin (einst gelenkigste Frau Russlands) schon wieder von ihm schwanger sei.

Kabajewa erhält als Chefin der „Nationalen Medien Gruppe“, einem der größten russischen Medienunternehmen, seit 2014 ein Jahresgehalt von knapp zehn Millionen Euro erhalten. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine trat die 38-Jährige mehrmals in Moskau zu Propagandazwecken auf. Unter anderem ehrte sie bei einer nach ihr benannten Wohltätigkeitsveranstaltung, dem „Alina Festival“, die russischen Veteranen des Zweiten Weltkriegs. Teile dieser Veranstaltungen werden am Feiertag (9. Mai 2022) im russischen Staatsfernsehen ausgestrahlt.

Die EU begründete die Sanktionen gegen sie damit, dass sie eine Führungsposition in der Nationalen Mediengruppe (NMG) innehat. Diese Medien sollen Staatspropaganda verbreiten und den russischen Krieg gegen die Ukraine unterstützen.

Wenn die neuen Sanktionen in Kraft treten, dürfte die 38-jährige heimliche Putin-Geliebte nicht mehr in die Europäische Union einreisen und ihre Konten in der EU werden eingefroren.

► Geplant: Russen vom Immobilienmarkt in der EU ausschließen

Das bevorstehende 6. EU-Sanktionspaket will allen Russen in der EU den Immobilienhandel verbieten.

Die Europäische Union hat ihr sechstes Sanktionspaket, mit dem der Druck auf Wladimir Putin erhöht werden soll, um ein Verbot von Immobiliengeschäften mit russischen Staatsangehörigen ergänzt, wie Bloomberg am 4. Mai 2022 berichtete.

Der Vorschlag der Europäischen Kommission sieht ein Verbot von Immobiliengeschäften mit russischen Staatsbürgern, Gebietsansässigen und Unternehmen vor, das den direkten oder indirekten Verkauf oder die Übertragung von „Eigentumsrechten an im Gebiet der Union gelegenen Immobilien oder von Anteilen an Organismen für gemeinsame Anlagen, die ein Engagement in solchen Immobilien bieten“, untersagt, so der von Bloomberg News eingesehene Gesetzestext. 

Das Verbot ist Teil des jüngsten Vorstoßes der EU gegen den russischen Staat und die Oligarchen, der sich zum ersten Mal gegen die lukrative Ölindustrie Moskaus und die Sberbank, die größte Bank des Landes, richtet. Der Plan muss diese Woche von den EU-Mitgliedstaaten gebilligt werden, bevor er in Kraft treten kann – und kann noch geändert werden.

Das Verbot gilt für Russen, die keine EU-Bürger sind und keine Aufenthaltserlaubnis in den EU-Mitgliedstaaten haben. Es gilt nicht für diejenigen, die eine Staatsbürgerschaft oder einen Wohnsitz im Europäischen Wirtschaftsraum oder in der Schweiz haben. Viele russische Milliardäre haben seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 unter Putins Vorgänger Boris Jelzin (geboren 1931 im russischen Dorf Butka, gestorben 2007 in einer Klinik in Moskau, russsischer Präsident von 1991 bis zu seinem Rücktritt 1999) Eigentum in der EU erworben, da sie einen Teil oder den größten Teil ihres Reichtums außerhalb ihres Heimatlandes verlagert haben.

Der sanktionierte Oligarch Roman Abramowitsch (55, Gründer von Gazprom Neft, Millhouse Capital) besitzt ein 26.000 Quadratmeter großes Schloss in Frankreich mit einem Pool auf dem Dach, während der ebenfalls sanktionierte Suleiman Kerimow mit einem High-End-Anwesen „Villa Hier“ am Cap d‘ Antibes an der französischen Riviera mit Tennisplatz und einem riesigen ovalen Außenpool in Verbindung gebracht wurde. Laut französischen Behörden wurde das Anwesen 2008 für 127 Millionen Euro erworben.

Das sechste EU-Paket enthält außerdem ein Ölembargo, dem Ungarn nicht zustimmen will. Für das EU-Paket ist jedoch die Zustimmung aller 27 EU-Mitgliedsstaaten notwendig. Die Paketverhandlungen laufen noch. (FM)