Der globale Sportmarkt wächst dynamisch: Bis 2029 soll sein Volumen auf mehr als 618 Milliarden US-Dollar steigen. Treiber sind steigende Medienerlöse, internationale Vermarktungsstrategien und neue digitale Geschäftsmodelle. Gleichzeitig rückt die Branche zunehmend in den Fokus institutioneller Investoren. Patrick Becker, CEO der LegendsOne Capital AG, sieht darin die Entstehung einer neuen Anlageklasse. Im Gespräch erläutert er, welche Rolle vermögensbasierte Finanzierung dabei spielt und wie sich der Zugang zum Sportmarkt verändert.
Business Leaders: Herr Becker, Sie sagen, der Sport sei zwar seit Langem ein Milliardenmarkt, aber bislang kein echter Kapitalmarkt. Warum?
Patrick Becker: Weil die wirtschaftlichen Grundlagen zwar vorhanden waren, die passende Finanzierungsstruktur jedoch fehlte. In den vergangenen zehn Jahren hat sich Sport von einem reinen Unterhaltungsgeschäft zu einer multidimensionalen Wertschöpfungsplattform entwickelt.
Langfristig kontrahierte Medienrechte, planbare Sponsoring-Erlöse sowie skalierbare Lizenz- und Merchandising-Einnahmen schaffen Cashflow-Profile, wie Private-Credit-Investoren sie aus der Immobilien- und Infrastrukturfinanzierung seit Jahrzehnten kennen. Medienrechte profitieren vom Streaming-Boom, der Frauensport entwickelt sich dynamisch, und das Sponsoring-Volumen dürfte sich bis 2030 verdoppeln.
Dennoch gab es bislang kaum Möglichkeiten, diese Vermögenswerte in regulierte und institutionell zugängliche Investmentstrukturen zu überführen. Genau diese Lücke schließt sich nun.
«In den vergangenen zehn Jahren hat sich Sport von einem reinen Unterhaltungsgeschäft zu einer multidimensionalen Wertschöpfungsplattform entwickelt.»
Business Leaders: Welche Entwicklungen machen den Sportmarkt heute für Investoren besonders interessant?
Patrick Becker: Der Markt hat sich professionalisiert und internationalisiert. Einnahmen werden langfristiger geplant, Verträge laufen über mehrere Jahre und viele Erlösquellen sind deutlich besser prognostizierbar als früher. Gleichzeitig sorgen Streaming-Plattformen, globale Vermarktung und das Wachstum des Frauensports für zusätzliche Dynamik. Dadurch entsteht ein Marktumfeld, das Investoren aus anderen Assetklassen vertraut ist.
Business Leaders: Warum ist institutionelles Kapital bislang dennoch nur begrenzt in den Sport geflossen?
Patrick Becker: Es lag weniger an fehlender Nachfrage als an einer strukturellen Lücke. Es fehlte ein geeignetes Finanzierungsinstrument. Die verfügbaren Zugangswege waren oft unattraktiv. Direkte Beteiligungen an Clubs sind häufig illiquide und schwer vergleichbar. Spezialisierte Fonds wiederum richten sich meist an sehr große Investoren. Es fehlte ein Modell, das professionelle Standards mit breiterer Zugänglichkeit verbindet.

Business Leaders: Welche Rolle spielt die LegendsOne Capital AG dabei?
Patrick Becker: Wir sehen uns als Brückenbauer zwischen Sport und Kapitalmarkt. Unser Fokus liegt darauf, wirtschaftlich attraktive Vermögenswerte zu strukturieren und in professionelle Investmentlösungen zu überführen. Dabei schaffen wir die Rahmenbedingungen, damit Sportinvestments für institutionelle Anleger transparent, nachvollziehbar und skalierbar werden.
Business Leaders: Sie sprechen bewusst von einer Plattform und nicht von einem klassischen Investor.
Patrick Becker: Ein Investor konzentriert sich meist auf einzelne Transaktionen. Wir betrachten den Markt aus einer Infrastrukturperspektive. Unser Ziel ist es, wiederholbare Strukturen zu schaffen, über die verschiedene Sport-Assets effizient finanziert werden können. Damit entsteht ein Ökosystem statt einer Aneinanderreihung einzelner Investments.
«Wir sehen uns als Brückenbauer zwischen Sport und Kapitalmarkt. Unser Fokus liegt darauf, wirtschaftlich attraktive Vermögenswerte zu strukturieren und in professionelle Investmentlösungen zu überführen.»
Business Leaders: Welche Bedeutung hat dabei die Digitalisierung?
Patrick Becker: Eine zentrale. Ohne digitale Infrastruktur wäre ein skalierbarer Zugang zum Sportmarkt kaum möglich. Digitale Zeichnungsprozesse, elektronische Wertpapiere und zentrale Anlegerportale vereinfachen nicht nur die Abwicklung, sondern schaffen auch klare und nachvollziehbare Informationsstrukturen. Das stärkt das Vertrauen der Investoren und erhöht die Effizienz des gesamten Investmentprozesses.
Business Leaders: Transparenz wird oft versprochen. Wodurch unterscheiden Sie sich konkret?
Patrick Becker: Durch klare Prozesse. Statt opportunistischer Einzelentscheidungen setzen wir auf klar definierte Kriterien, transparente Prozesse und eindeutige Verantwortlichkeiten. Gerade in einem Markt, der lange für Intransparenz stand, schafft das Verlässlichkeit und macht Investitionsentscheidungen nachvollziehbar strukturiert.
Business Leaders: Sie haben es schon angesprochen. Ist Sport inzwischen eine eigenständige Assetklasse?
Patrick Becker: Ja, zunehmend schon. Die wirtschaftliche Entwicklung von Sportorganisationen wird immer stärker durch langfristige Trends geprägt, etwa die Globalisierung von Medieninhalten, die Digitalisierung oder neue Formen der Vermarktung. Dadurch entsteht ein Marktsegment mit eigenen Risiko- und Renditeprofilen, das sich deutlich von klassischen Assetklassen unterscheidet.
Sport entwickelt sich damit von einer reinen Vermarktungsplattform zu einem eigenständigen Wirtschaftsraum mit eigener Dynamik. In Verbindung mit Kapitalmarktmechanismen und digitaler Infrastruktur entsteht ein integriertes Modell, das diese Entwicklung erstmals strukturiert investierbar macht.
«Ein besonderer Fokus liegt auf Investments in Unternehmen, bei denen ehemalige oder aktive Spitzensportler selbst unternehmerisch beteiligt sind.»
Business Leaders: Welche Rolle spielen Netzwerke und gesellschaftliche Verantwortung in Ihrem Geschäftsmodell?
Patrick Becker: Neben den Investmentaktivitäten setzt die LegendsOne Group auf den Aufbau internationaler Plattformen für den Austausch zwischen Sport- und Finanzindustrie. Geplant sind exklusive Sport-Investment-Konferenzen, die gezielt Vernetzung und Wissenstransfer fördern sollen. Parallel dazu ist Nachhaltigkeit ein fester Bestandteil der Unternehmensstrategie. In Anlehnung an die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen umfasst das Engagement unter anderem soziale Sportprogramme für benachteiligte Gruppen, Initiativen zur Förderung von Gender Equality sowie Maßnahmen zur Entwicklung klimaneutraler Sportinfrastruktur.
Business Leaders: Ihre Plattform verbindet Investoren, Sportler, Unternehmen und Fans. Wie funktioniert dieses Zusammenspiel in der Praxis?
Patrick Becker: Die LegendsOne Group versteht sich als integrierte Plattform, die verschiedene Akteure des Sportökosystems zusammenbringt. Für Sportunternehmen bedeutet das nicht nur Zugang zu Kapital, sondern auch Unterstützung bei Marktpositionierung, Markenaufbau und der Skalierung ihrer Geschäftsmodelle. Grundlage dafür ist eine datenbasierte Infrastruktur, in der Sport- und Investment-Know-how systematisch miteinander verknüpft werden.
Ergänzt wird dieses Modell durch ein breites Netzwerk aus Persönlichkeiten aus Sport und Wirtschaft. Die Strategic Advisors bringen dabei operative Erfahrung, Marktverständnis und branchenspezifische Einblicke ein, die in klassische Investmentprozesse oft nicht einfließen. Dadurch entstehen zusätzliche Informations- und Zugangswege zu potenziellen Beteiligungen.
Ein besonderer Fokus liegt auf Investments in Unternehmen, bei denen ehemalige oder aktive Spitzensportler selbst unternehmerisch beteiligt sind. Diese Konstellation verbindet operative Glaubwürdigkeit im Sport mit unternehmerischer Verantwortung und schafft aus unserer Sicht besonders belastbare Investmentstrukturen.
Business Leaders: Was ist die langfristige Vision der LegendsOne Capital AG?
Patrick Becker: Wir wollen Kapitalmarkt und Sportwirtschaft strukturell miteinander verbinden. Unser Anspruch ist es, Investoren einen professionellen Zugang zu diesem Wachstumsmarkt zu eröffnen und gleichzeitig die Finanzierung von Innovation und Entwicklung im Sport zu unterstützen. Wenn beides gelingt, entsteht nachhaltiger Mehrwert für alle Beteiligten.






