Sparen statt Spekulieren: Das Schweizer Fintech Brick Towers will mit seiner App urble die Logik des langfristigen Vermögensaufbaus auf die Blockchain übertragen. Bitcoin und Franken-Stablecoins sind die ersten Bausteine, Selbstverwahrung das Prinzip. Co-CEO Ralph Hofacker über den Anspruch, sich vom Krypto-Trading abzugrenzen, die Grenzen der Regulierung – und eine Finanzierungsrunde, die den nächsten Wachstumsschritt ermöglichen soll.

Hofacker kommt aus dem traditionellen Schweizer Finanzsektor und kennt die technischen, regulatorischen und operationellen Tücken langfristiger Spar- und Vorsorgeprodukte. Nun will er diese Erfahrung mit der neuen Finanzinfrastruktur der Blockchain verbinden. Seine These: Wer ein Finanzprodukt für Jahrzehnte bauen will, muss anders denken als ein Krypto-Startup, das auf den schnellen Trade zielt.

 

Business Leaders: Herr Hofacker, Brick Towers verbindet klassische Finanzwelt mit Blockchain und digitalen Vermögenswerten. Was hat Sie an dieser Verbindung besonders fasziniert?

Ralph Hofacker: Der Ausgangspunkt war unsere Erfahrung mit klassischen Spar- und Vorsorgeprodukten. Wir haben über viele Jahre gesehen, wie komplex solche Produkte werden können – gerade wenn man sie technisch, regulatorisch und operativ über einen langen Zeitraum betreiben muss. Gleichzeitig hat die Blockchain Möglichkeiten eröffnet, viele dieser Strukturen grundlegend neu zu denken.

Wir haben uns deshalb gefragt: Was passiert, wenn man die Prinzipien des langfristigen Sparens mit einer Infrastruktur verbindet, bei der Vermögenswerte digital abgebildet und bestimmte Prozesse über Smart Contracts automatisiert werden können? Daraus ist die Idee von Brick Towers und schliesslich urble entstanden.

 

Business Leaders: Daraus ist urble entstanden. Was steckt hinter der Idee?

Ralph Hofacker: Mit urble wollen wir einen möglichst einfachen Zugang zu langfristigem Sparen mit digitalen Vermögenswerten schaffen. Im Mittelpunkt steht nicht das Trading, sondern das Sparziel.

Ein Nutzer kann beispielsweise für die Zukunft eines Kindes, einen Notgroschen, eine Hochzeit oder eine grössere Anschaffung sparen. Er kann ein Ziel und gegebenenfalls ein Zieldatum festlegen und regelmässig Vermögen aufbauen. Auch Familie und Freunde können in ein Sparziel einbezogen werden.

Unser Anspruch ist, dass die komplexe Technologie im Hintergrund bleibt. Der Nutzer soll nicht zuerst verstehen müssen, wie Blockchain oder Smart Contracts funktionieren. Er soll einfach sparen können.

 

 

Business Leaders: Sie positionieren urble bewusst als Gegenentwurf zu klassischen Krypto-Handelsplattformen. Warum?

Ralph Hofacker: Viele Krypto-Plattformen bieten eine enorme Zahl an Möglichkeiten. Für einen aktiven Trader ist das interessant. Für jemanden, der eigentlich langfristig sparen möchte, kann diese Vielfalt aber auch überfordern.

Wir verfolgen deshalb einen anderen Ansatz. Bei urble steht regelmäßiges Sparen im Vordergrund. Wir wollen Menschen nicht dazu bringen, ständig auf den Kurs zu schauen oder kurzfristige Handelsentscheidungen zu treffen. Unser Ziel ist nachhaltiger Vermögensaufbau.

 

Business Leaders: Was unterscheidet die Entwicklung langfristiger Finanzprodukte von gewöhnlicher Software? 

Bei Leonteq arbeiteten wir mit Finanzverträgen, die Laufzeiten von bis zu 45 Jahren hatten. Die daraus entstehenden Verpflichtungen mussten langfristig korrekt abgebildet werden und der Prüfung durch Wirtschaftsprüfer standhalten. Diese Erfahrung prägt unseren Ansatz bei Brick Towers: Wir bauen nicht nur für den heutigen Betrieb, sondern für den gesamten Lebenszyklus eines Finanzprodukts. 

 

Business Leaders: Warum wird diese Infrastruktur durch KI wichtiger?

Ralph Hofacker: Mit der zunehmenden Verbreitung von KI werden auch Finanzprozesse stärker automatisiert. KI-Systeme werden innerhalb klar definierter Regeln Zahlungen auslösen, Vermögen bewegen und Finanzverträge überwachen. Dafür müssen Geld, Vermögenswerte und Berechtigungen digital nativ, programmierbar und überprüfbar sein.

Genau diese Grundlage kann die Blockchain schaffen. Aus unserer Sicht wird sie deshalb zu einer zentralen Infrastruktur für zukünftige Finanz- und Zahlungslösungen – insbesondere dort, wo Automatisierung nachvollziehbar bleiben und die Kontrolle beim Nutzer liegen soll.

 

Business Leaders: Sie setzen auf Self-Custody, die Nutzer verwalten ihre Schlüssel also selbst. Überfordert das den normalen Anleger nicht?

Ralph Hofacker: Das ist eine berechtigte Frage. Viele Nutzer schätzen es, echte Kontrolle und Ownership über ihre Assets zu haben – ähnlich wie beim physischen Besitz von Gold. Das unterscheidet unser Modell von der klassischen Verwahrung durch eine Bank oder einen Broker. Mehr Kontrolle bedeutet aber auch mehr Verantwortung, und wir wissen, dass das Risiko, die Schlüssel zu verlieren, für manche eine Hürde ist.

 

Business Leaders: Wie lösen Sie das?

Ralph Hofacker: Wir wissen, dass nicht jeder Kunde dieselbe Verantwortung übernehmen möchte. Deshalb bereiten wir unterschiedliche Verwahrmodelle vor. Dazu gehören eine optionale Recovery-Lösung sowie künftig auch die direkte Verwahrung der digitalen Vermögenswerte.

Für Letztere schaffen wir die notwendigen regulatorischen Voraussetzungen, unter anderem durch die geplante Anbindung an eine Schweizer Selbstregulierungsorganisation. So sollen die Nutzer selbst entscheiden können, welches Verhältnis von Eigenverantwortung, Unterstützung und Komfort zu ihnen passt.

 

Business Leaders: Welche Vermögenswerte stehen heute im Mittelpunkt und wie soll sich das Angebot weiterentwickeln?

Ralph Hofacker: Heute konzentrieren wir uns bewusst auf zwei klar verständliche Bereiche: Bitcoin für den langfristigen Vermögensaufbau und den Schweizer Franken-Stablecoin ZCHF für wertstabileres Sparen mit zusätzlichen, variablen Ertragsmöglichkeiten. Damit decken wir Wachstum und Stabilität ab, ohne die Nutzer mit einer zu grossen Auswahl zu überfordern.

Langfristig wollen wir weitere digitale und tokenisierte Vermögenswerte integrieren – insbesondere Aktien, Anleihen, ETFs und möglicherweise Edelmetalle. Entscheidend ist für uns dabei nicht die grösstmögliche Auswahl, sondern ob sich ein Vermögenswert transparent, effizient und sinnvoll für langfristiges Sparen einsetzen lässt.

 

urble app
Die urble-App ist im App-Store und bei Google-Play verfügbar.

 

Business Leaders: Welche digitalen Vermögenswerte stehen aktuell im Mittelpunkt?

Ralph Hofacker: Derzeit konzentrieren wir uns auf zwei Bereiche. Bitcoin ist für uns das zentrale Growth Asset und wird als eine Art modernes Gold betrachtet. Daneben setzen wir auf Schweizer-Franken-Stablecoins und damit auf einen Bereich, in dem über DeFi-Strukturen zusätzliche Ertragsmöglichkeiten entstehen.

Wir sehen darin allerdings nicht das Ende der Entwicklung. Langfristig erwarten wir, dass immer mehr klassische Finanzinstrumente direkt auf der Blockchain ausgegeben werden.

 

Business Leaders: Ihre technische Arbeit wurde auch ausserhalb des Unternehmens wahrgenommen. Welche Beispiele gibt es?

Als Team haben wir drei aufeinanderfolgende internationale Hackathons rund um die privatsphärenorientierte Midnight- und Zero-Knowledge-Technologie gewonnen. Diese Erfolge zeigen unsere Anpassungsfähigkeit und dass wir uns auch technologisch mit deutlich grösseren Akteuren messen können. Entscheidend ist für uns jedoch, dass solche Innovationen nicht im Prototyp bleiben, sondern schnell in die Weiterentwicklung von urble einfliessen.

 

Business Leaders: Was könnte das für den Anleger bedeuten?

Ralph Hofacker: Das Angebot wird sich erheblich erweitern. Über die kommenden Monate können Nutzer beispielsweise tokenisierte Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe und tokenisierte Anlagegefässe wie Fonds oder ETFs in ihren langfristigen 

Sparplänen nutzen. Die Vision ist also nicht, eine bessere Krypto-Börse zu bauen. Wir wollen eine neue Form des langfristigen Sparens ermöglichen, bei der die Vorteile der Blockchain im Hintergrund genutzt werden.

 

Business Leaders: Wo sehen Sie den entscheidenden Wettbewerbsvorteil von Brick Towers?

Ralph Hofacker: In der Verbindung zweier Welten. Unsere Erfahrung kommt aus der klassischen Finanzwirtschaft. Wir wissen, wie komplex langfristige Finanzprodukte technisch, operationell und regulatorisch sind.

Gleichzeitig denken wir diese Strukturen heute mit Blockchain und digitalen Assets neu. Dadurch geht es bei uns nicht nur um eine neue Technologie, sondern darum, wie ein Finanzprodukt über seinen gesamten Lebenszyklus funktionieren muss.

 

Business Leaders: Der Markt ist allerdings stark umkämpft. Wie unterscheiden Sie sich von Neobanken und Web3-Anbietern?

Ralph Hofacker: Neobanken bieten digitale Vermögenswerte meist als zusätzliche Handelsfunktion an, während sich Web3-Anbieter häufig auf Trading, Staking oder einzelne Protokolle konzentrieren. Wir beginnen dagegen mit der langfristigen Sparbeziehung. 

urble bildet den gesamten Lebenszyklus des Sparens ab: individuelle Ziele, regelmässige Einzahlungen, Sparen für andere sowie unterschiedliche Rollen und Berechtigungen. Diese Logik verbinden wir mit Self-Custody und einer möglichst einfachen Nutzererfahrung. 

Unser Vorteil liegt daher nicht in einem einzelnen Feature, sondern in einer Produkt- und Infrastrukturarchitektur, die langfristiges Sparen programmierbar macht und später auch von Banken, Versicherungen und Fintechs genutzt werden kann.

 

Business Leaders: Welche Zielgruppe wollen Sie zunächst erreichen?

Ralph Hofacker: Wir gehen davon aus, dass viele Nutzer zunächst mit kleineren Beträgen beginnen. Für uns ist deshalb nicht nur die Höhe des ersten Investments interessant, sondern vor allem die Regelmässigkeit. Ein regelmässig besparter Plan ist für uns wesentlich wertvoller als ein Nutzer, der die App lediglich herunterlädt.

Die Schweiz ist unser bewusster Ausgangsmarkt: Sie verbindet eine ausgeprägte Sparkultur, einen starken Finanzplatz und eine hohe Offenheit gegenüber digitalen Vermögenswerten. Hier wollen wir Produkt, Regulierung und Geschäftsmodell validieren und urble anschliessend über Partnerschaften in weitere europäische Märkte bringen.

Seit dem öffentlichen Launch haben sich bereits mehr als 370 Nutzer registriert, rund 60 nutzen urble mit eingezahltem Guthaben. Zudem wurden über 100 Einladungen zwischen Nutzern angenommen – bislang ohne bezahltes Marketing (Stand: September 2026).

 

Business Leaders: Brick Towers befindet sich derzeit in einer Finanzierungsphase. Welche nächsten Schritte wollen Sie damit ermöglichen?

Ralph Hofacker:  Wir führen derzeit eine Bridge-Runde in Form von Convertible Loan Notes durch, von der ein erster Teil bereits gesichert ist. Die Wandeldarlehen werden bei der nächsten qualifizierten Eigenkapitalrunde zu bevorzugten Konditionen in Aktien umgewandelt.

Mit dem Kapital wollen wir den Schritt vom funktionierenden Produkt zum nachweisbaren Geschäftsmodell vollziehen. Wir investieren in die Weiterentwicklung von urble, die regulatorischen Grundlagen und den gezielten Marktausbau. Gleichzeitig führen wir kostenpflichtige Services ein und erzielen erste Umsätze über nutzungsabhängige Gebühren rund um Transaktionen, Vermögenswertwechsel und Yield-Angebote.

Mit 1.000 aktiven Sparern und einem validierten Erlösmodell wollen wir anschliessend eine institutionelle Finanzierungsrunde mit einem Venture-Capital-Investor als Lead abschliessen. Damit sollen die heutigen Wandeldarlehensgeber zu Aktionären werden und das bewährte Modell bis zur Profitabilität skaliert werden.

 

Business Leaders: Welche Investoren und strategischen Partner suchen Sie für diese Wachstumsphase?

Ralph Hofacker: Für die aktuelle Bridge-Runde suchen wir insbesondere unternehmerisch geprägte Business Angels und Family Offices mit Erfahrung in Fintech, digitalen Vermögenswerten, Regulierung oder Distribution. Entscheidend ist für uns neben dem Kapital auch der Zugang zu relevanten Netzwerken und möglichen Vertriebspartnern.

Für die anschliessende Seed-Runde wollen wir einen institutionellen Lead-Investor gewinnen, der Erfahrung mit der Skalierung digitaler Finanzprodukte und internationaler Infrastrukturunternehmen mitbringt.

 

Business Leaders: Wenn Sie einige Jahre nach vorne schauen: Was soll aus Brick Towers werden?

Ralph Hofacker: Unser Ziel ist es, Brick Towers zu einer europäischen Infrastrukturplattform für programmierbares Sparen zu entwickeln. Mit urble beweisen wir das Modell zunächst im direkten Kundengeschäft: Menschen können in Schweizer Franken und Bitcoin regelmässig und zielgerichtet Vermögen aufbauen.

Der nächste Schritt ist die Öffnung dieser Infrastruktur für Banken, Versicherungen und Fintechs. Sie sollen auf Brick Towers eigene Sparprodukte aufsetzen und dabei Funktionen wie Sparziele, regelmässige Einzahlungen, Self-Custody und unterschiedliche Berechtigungsmodelle individuell konfigurieren können – ohne die technologische Basis selbst entwickeln und betreiben zu müssen.

So entsteht aus urble der erste Anwendungsfall für eine Plattform, die langfristig viele unterschiedliche Sparprodukte und Anbieter unterstützen kann. Unser Anspruch ist, für das programmierbare Sparen eine Infrastruktur bereitzustellen, auf der andere Finanzunternehmen ihre eigenen Lösungen aufbauen können.

Der Name Brick Towers passt deshalb sehr gut zu unserer Philosophie. Nachhaltiger Vermögensaufbau entsteht nicht über Nacht, sondern Stein für Stein. Die Blockchain ist dabei nicht das Ziel, sondern das Werkzeug: Sie ermöglicht transparente Regeln, effiziente Automatisierung und Lösungen, bei denen die Kontrolle über das Vermögen beim Kunden bleibt.