Impact Investing galt lange als Nischenstrategie für Idealisten und philanthropisch motivierte Investoren. Heute entwickelt sich der Ansatz zu einem festen Bestandteil moderner Anlagestrategien. Im Gespräch mit SQAUREVEST ist Andreas Rickert, Vorsitzender des Bundesverbands Impact Investing (BVII) und CIO der DN Group AG überzeugt: „Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob Impact Investing funktioniert. Die Frage ist, wie wir diese Entwicklung beschleunigen.“

 

Impact Investing in Kürze: 

 

  • Vom Nischenkonzept zum Kapitalmarkttrend

    Impact Investing entwickelt sich rasant zum Mainstream. Prognosen zufolge könnte das globale Marktvolumen bis 2030 auf über 1,5 Billionen US-Dollar wachsen. Immer mehr institutionelle Investoren und Privatanleger integrieren Impact-Kriterien in ihre Anlagestrategien.

 

  • Rendite und Wirkung sind kein Widerspruch

    Impact Investing ist eine renditeorientierte Strategie, keine Philanthropie. Unternehmen mit messbarem gesellschaftlichem Nutzen verfügen oft über robuste Geschäftsmodelle, geringere regulatorische Risiken und langfristige Wachstumspotenziale – und können damit marktübliche oder sogar überdurchschnittliche Renditen erzielen.

 

  • Demokratisierung und struktureller Wandel des Kapitalmarkts

    Impact Investing wird zunehmend auch für Privatanleger zugänglich und ist nicht auf einzelne Anlageklassen beschränkt. Als übergreifende Investmentstrategie kann es in Venture Capital, Anleihen, Infrastruktur oder Immobilien angewendet werden – und wird damit zu einem zentralen Baustein eines zukunftsfähigen Kapitalmarkts.

 

Für Andreas Rickert ist Impact Investing Herzensthema und Daily Business zugleich. Als Vorsitzender des Bundesverbands Impact Investing (BVII), CIO des Impact Investors DN Group AG und Business Angel kennt er Höhen und Tiefen wirkungsorientierter Anlagestrategien. Er ist überzeugt, dass gesellschaftlicher Nutzen und wirtschaftlicher Erfolg einander nicht ausschließen, sondern bedingen.

„Impact-Orientierung ist für mich kein Widerspruch zum Financial Return, sondern ein Management-Tool“, sagt Rickert. Wer auf Wirkung achte, erkenne Risiken früher – etwa drohende Stranded Assets oder regulatorische Veränderungen. Und wer echte gesellschaftliche Bedürfnisse identifiziere, betreibe die beste Marktforschung, die es gebe.

 

Nachhaltigkeit unter Druck – Impact Investing nicht

Das breitere Thema Nachhaltigkeit hat in den vergangenen Monaten an Rückenwind verloren. In den USA ist es zunehmend Teil eines ideologischen Diskurses geworden – assoziiert mit politischer Gesinnung, dem Begriff „woke“, und damit für viele institutionelle Investoren zum Risikofaktor geworden. Fälle wie der Rückzug von BlackRock aus diversen ESG-Initiativen haben Schlagzeilen gemacht.

Rickert beobachtet diese Entwicklung genau – und sieht darin vor allem eine Chance für Europa. „Wenn wir es richtig anstellen, kann Europa jetzt in diesem Thema nach vorne gehen“, sagt er. In Deutschland und Europa sei Nachhaltigkeit tief in der wirtschaftlichen Tradition verankert: Das Prinzip des ehrbaren Kaufmanns, die nachhaltige Forstwirtschaft – langfristiges Denken sei Teil der ökonomischen DNA.

Impact Investing, betont Rickert, sei dabei die konsequenteste Form nachhaltigen Investierens – weil es nicht nur Risiken vermeide, sondern aktiv positiven Mehrwert schaffe. Weltweit, so Prognosen, könnte das Volumen entsprechender Investments bis 2030 auf über 1,5 Billionen US-Dollar steigen. Der neue Marktbericht des BVII soll das im ersten Halbjahr 2026 untermauern.

 

„Wer Impact Investing in den Mainstream bringen will, braucht einen Return, der sich sehen lassen kann – im besten Fall sogar über dem Marktdurchschnitt.“

Andreas Rickert, Vorsitzender BVII, CIO DN Group AG

 

Drei Kriterien, die den Unterschied machen

Wo zieht Rickert die Grenze zwischen echtem Impact Investing und bloßem Greenwashing? Sein Antwort ist präzise: Es brauche drei Elemente. Erstens eine klare Intention, also den ernsthaften Willen, gesellschaftlichen Nutzen zu stiften. Zweitens die Messbarkeit der Wirkung anhand harter Kennzahlen. Und drittens einen marktüblichen finanziellen Return. „Wir reden hier nicht über Philanthropie“, stellt er klar.

Die Wirkungsmessung selbst sieht Rickert noch als Baustelle: Das Feld sei fragmentiert, jeder habe eigene Instrumente. Internationale Netzwerke und Datenbanken wie IRIS+ schafften zwar zunehmend Vergleichbarkeit – „aber da ist noch viel Arbeit vor uns“, räumt er ein.

 

 

Vom Großanleger zum Kleinsparer: die Demokratisierung des Kapitalmarkts

Lange war Impact Investing eine Domäne von Hochvermögenden, Family Offices und institutionellen Investoren. Das ändert sich. Rickert beschreibt einen strukturellen Wandel: Heute stehen alle Asset-Klassen offen – von Venture Capital über Immobilien bis hin zu Anleihen. Und immer mehr Angebote richten sich an Privatanleger.

Beispiel Deutsche Nachhaltigkeit AG: Die BaFin-genehmigte Unternehmensanleihe, die bereits ab 1.000 Euro gezeichnet werden kann, hat nach Angaben Rickerts bislang rund 30 Millionen Euro eingesammelt und zählt inzwischen über 20.000 Investoren. Das durchschnittliche Investment liege bei rund 25.000 Euro – und auch Multi-Family-Offices nutzten die Anleihe inzwischen als Fixed-Income-Beimischung.

„Nicht nur Family Offices sollen von Impact Investing profitieren, sondern auch private Kleinanleger“, sagt Rickert. Der Gedanke dahinter: Wer Kapital demokratisiert, verbreitert nicht nur die Investorenbasis, sondern verändert auch die Realwirtschaft. Denn mehr Kapital fließt dann in Unternehmen, die echte gesellschaftliche Probleme lösen – von der Energiewende über Healthcare bis zu Bildungstechnologien.

 

Europas strukturelles Problem: Skalierung

Europa bietet dafür die ideale Basis. Doch trotz guter Voraussetzungen stehen die Unternehmen hierzulande vor einer zentralen Herausforderung – Skalierung, der Weg auf die ganz große Bühne. Viele innovative Unternehmen entstehen auf dem europäischen Kontinent, werden aber in späteren Wachstumsphasen von internationalen Investoren übernommen. „Wir entwickeln in Deutschland sehr gute Ideen und Gründer. Aber dann kommen amerikanische Investoren und kaufen sie auf“, sagt Rickert.

Initiativen wie Wachstumsfonds, staatliche Innovationsförderung oder spezialisierte Impact-Fonds sollen diese Lücke schließen. Ziel ist es, europäische Unternehmen nicht nur zu gründen, sondern auch langfristig als globale Marktführer zu etablieren.

 

 

Wirkungsmessung bleibt Baustelle

Eine zentrale Voraussetzung für weiteres Wachstum ist die Standardisierung der Wirkungsmessung. Bislang existieren unterschiedliche Methoden und Kennzahlensysteme. Internationale Initiativen arbeiten daran, vergleichbare Standards zu etablieren. Auch institutionelle Investoren entwickeln zunehmend strukturierte Impact-Due-Diligence-Prozesse, die ökologische und soziale Kriterien systematisch mit finanziellen Kennzahlen verbinden. Für Rickert ist klar: Glaubwürdigkeit ist entscheidend. „Greenwashing ist das Einzige, was mich in diesem Bereich wirklich aufregt.“

 

Fazit: Eine Frage der Beschleunigung

Ob 2026 das Jahr wird, in dem Impact Investing endgültig den Mainstream erreicht, will Rickert nicht als Prüfstein formulieren. „Die entscheidende Frage ist nicht mehr, ob Impact Investing funktioniert“, sagt er. „Die Frage ist: Wie schaffen wir es, diese Entwicklung zu beschleunigen?“

Die Antwort liegt für ihn in Europa – in einem Kontinent, der gelernt hat, langfristig zu denken, und der jetzt die Chance hat, das in einen globalen Wettbewerbsvorteil zu verwandeln. Wertebasiertes Unternehmertum als Standortfaktor. Impact nicht als Kostenpunkt, sondern als Kompass.