Feuchte Keller, Schimmel hinter der Dämmung, teure Sanierungen ohne nachhaltigen Effekt – viele Probleme im Gebäudebestand sind hausgemacht. Warum schnelle Lösungen oft die falschen sind und weshalb „Feuchteschutz vor Wärmeschutz“ zur entscheidenden Maxime wird, erläutert Jürgen Adolphs, Geschäftsführer der Adolphs Bautenschutz GmbH, im Interview. Das Unternehmen besteht seit über 50 Jahren als familiengeführter Fachbetrieb und hat sich auf Bautenschutz und die Sanierung feuchter Bausubstanz spezialisiert.

 

Business Leaders: Herr Adolphs, Ihr Unternehmen blickt auf eine über 50-jährige Geschichte zurück. Wie hat sich das Unternehmen seit der Gründung durch Ihren Vater Dieter im Jahr 1970 bis zur heutigen Adolphs Bautenschutz GmbH verändert?

Jürgen Adolphs: Der Kern ist geblieben: Wir sind ein Familienbetrieb. Mit meinem engsten Team arbeite ich seit über 20 Jahren zusammen, das schafft ein blindes Vertrauen auf der Baustelle, das man heute selten findet. Aber die Herausforderungen haben sich massiv gewandelt. Früher ging es oft um den reinen Bau. Heute sind wir Spezialisten für Fehlerkorrektur. Wir sanieren Gebäude, die unter der ersten Wärmeschutzverordnung leiden oder falsch saniert wurden. Wir haben uns vom klassischen Baugeschäft zu einem hochspezialisierten Dienstleister für Bauwerksabdichtung und Diagnostik entwickelt.   

 

 

Business Leaders: Bauwerksabdichtung und Sanierung ist ein Thema, das lange eher ein Nischendasein geführt hat. Warum rückt es aktuell so stark in den Fokus?

Jürgen Adolphs: Weil sich zwei Entwicklungen überlagern. Zum einen haben wir einen enormen Sanierungsstau im Gebäudebestand, vor allem bei Häusern aus den 1950er- bis 1980er-Jahren. Zum anderen spüren wir die Folgen des Klimawandels sehr konkret: Starkregen, höhere Grundwasserstände, mehr Feuchtigkeit in den Gebäuden. Die Erhaltung der Bausubstanz wird damit nicht nur zu einer privaten, sondern zu einer gesamtwirtschaftlichen Aufgabe.

 

„Wir haben einen enormen Sanierungsstau im Gebäudebestand, vor allem bei Häusern aus den 1950er- bis 1980er-Jahren.“

 

Business Leaders: Ein Leitsatz Ihres Unternehmens lautet „Feuchteschutz vor Wärmeschutz“. Das klingt in Zeiten der Energiewende fast provokant. Warum diese Priorisierung?

Jürgen Adolphs: Es ist reine Bauphysik. Wenn Sie einen nassen Mantel tragen und sich eine Daunenjacke drüberziehen, wird Ihnen nicht warm – Sie fangen an zu frieren. Genauso ist es beim Haus. Viele Eigentümer dämmen auf Teufel komm raus, vergessen aber, dass ein feuchtes Mauerwerk gar nicht dämmbar ist. Wir erleben oft, dass dichte Fenster und Fassadendämmungen auf feuchte Substanz treffen. Das Wasser kann nicht mehr weg, und dann haben Sie den Schimmel im Wohnraum. Deshalb gilt bei uns eisern: Erst muss das Bauwerk trocken sein (Diagnose und Abdichtung), dann kommt die energetische Hülle.   

 

Die Adolphs Bautenschutz GmbH ist ein familiengeführter Fachbetrieb für Bauwerksabdichtung und Kellersanierung. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Engelskirchen und unterhält einen weiteren Standort in Köln.

 

Business Leaders: Wie stellen Sie sicher, dass Sie nicht „am Problem vorbei“ sanieren?

Jürgen Adolphs: Durch unseren Grundsatz „Diagnose vor Therapie“. Bevor wir auch nur einen Spaten ansetzen, kommen wir als Sachverständige. Dabei arbeiten wir evidenzbasiert. Das heißt: Messungen in der Tiefe des Mauerwerks, Thermografie zur Erkennung von Wärmebrücken und die Analyse von Salzbelastungen. Oberflächliche Widerstandsmessungen reichen schlicht nicht aus. Ich bin TÜV-zertifizierter Sachverständiger, ebenso mein Kollege Marco Bongartz. Diese Qualifikation ist für uns kein Marketinginstrument, sondern Voraussetzung für seriöse Beratung. Das unterscheidet uns von reinen Verkäufern – wir sind Spezialisten und begutachten den betroffenen Bau ausführlich, bevor wir mit der Sanierung beginnen.   

 

„Wir sind Spezialisten und begutachten den betroffenen Bau ausführlich, bevor wir mit der Sanierung beginnen.“

 

Business Leaders: Können Sie ein Beispiel nennen, wo diese Herangehensweise einen Unterschied gemacht hat?

Jürgen Adolphs: Das ist sehr häufig der Fall, beispielsweise bei einem leerstehenden Haus mit feuchten Kellerwänden. Wettbewerber empfehlen dann gerne eine komplette Außenabdichtung – Kostenpunkt schnell fünfstellig. Unsere Messungen zeigen oft: Es handelt sich um Kondensationsfeuchte durch fehlende Beheizung und falsches Lüften. In solchen Fällen wären teure Erdarbeiten nicht nur unnötig, sondern fachlich falsch.

Business Leaders: Sie agieren in einem Markt mit großen Wettbewerbern. Wie behaupten Sie sich als Mittelständler dagegen?

Jürgen Adolphs: Wir punkten mit Verbindlichkeit und Transparenz. Bei uns gibt es Festpreise. Das Thema „Nachträge“ ist im Bau ein rotes Tuch, das wir unseren Kunden ersparen wollen. Zudem sind wir keine Kette mit wechselnden Subunternehmern. Wir bilden selbst aus, etwa zum Holz- und Bautenschutzmeister, und arbeiten streng nach WTA-Richtlinien. Und wenn wir doch mal Unterstützung brauchen, greifen wir auf unser Netzwerk von erfahrenen Partnerfirmen zurück. Für den Kunden bleiben wir aber der einzige Ansprechpartner – wir kümmern uns um die Schnittstellen.   

 

Jürgen Adolphs (v.l.) hat ein erfolgreiches Team aufgebaut, dass teilweise seit mehr als 20 Jahren zusammenarbeitet.

 

Business Leaders: Blickt man auf die Unternehmensbewertungen, scheint Ihnen der Erfolg recht zu geben.

Jürgen Adolphs: Zufriedene Kunden sind der Maßstab unseres Erfolgs. Möglich wird das durch die Verbindung von handwerklicher Erfahrung und zeitgemäßer Vertriebsstrategie. Eine zentrale Rolle spielt dabei mein Sohn Paul, der den Vertrieb konsequent digitalisiert hat. Während früher Empfehlungen die wichtigste Quelle waren, erreichen wir heute gezielt Kunden über themenspezifische Landingpages – exakt für die Problemstellungen, die wir lösen können.

 

„Die klimatischen Veränderungen, vor allem Starkregenereignisse, werden die Anforderungen an die Bauwerksabdichtung weiter erhöhen.“

 

Business Leaders: Sie sind auch sehr aktiv im Ausbau von Souterrainwohnungen, betreiben in Köln auch eine Musterwohnung. Ist das ein Trend?

Jürgen Adolphs: Absolut. Wohnraum ist knapp und teuer. Der alte Kartoffelkeller ist toter Raum. Wir wandeln diese Nutzkeller in hochwertigen Wohnraum um. Das ist bauphysikalisch die Königsklasse, weil Sie aus einem kalten Keller einen warmen Wohnraum machen müssen, ohne dass Ihnen das Kondenswasser die Wände runterläuft. Da arbeiten wir viel mit Innendämmung und Calciumsilikatplatten, die Feuchtigkeit puffern können.   

Business Leaders: Wo sehen Sie die Adolphs Bautenschutz GmbH in fünf Jahren?

Jürgen Adolphs: Die klimatischen Veränderungen, vor allem Starkregenereignisse, werden die Anforderungen an die Bauwerksabdichtung weiter erhöhen. Wir werden technisch aufrüsten, aber unsere Seele als Familienbetrieb behalten. Unser Ziel ist nicht, das größte Bautenschutz-Unternehmen zu werden, sondern das mit der höchsten Problemlösungskompetenz in der Region. Und solange wir finanziell so stabil aufgestellt sind können wir auch ruhig schlafen und unsere 10-Jahres-Garantien guten Gewissens geben.