Thomas Degelo kommt aus dem Flugzeugbau und überträgt dessen Prinzipien auf die Heiztechnik: möglichst wenig Material, präzise Systemarchitektur und keine unnötigen Bohrungen. Mit der nullpunkt AG entwickelt er und seine Mitgründer eine Wärmepumpe, die die beim Gefrieren von Wasser frei werdende Energie nutzt. Im Gespräch erklärt Degelo, warum sein System mit rund 1.000 Litern Speicher auskommt, weshalb Förderprogramme für ihn eher Hindernis als Hilfe sind – und warum sein strategisches Ziel trotzdem klar lautet: „Ein Exit.“
Business Leaders: Herr Degelo, Sie kommen aus dem Flugzeugbau. Wie landet man von dort in der Heiztechnik?
Thomas Degelo: Über die Physik. In der Luftfahrt lernen Sie, jedes Gramm und jedes Watt zu rechtfertigen – da gibt es keine Reserve, die man großzügig einplant. Diese Denkweise haben wir, meine Mitgründer Michael Egli und Pascal Barmet mitgenommen. Als wir uns die Wärmepumpe angeschaut haben, ist uns aufgefallen, dass ein Effekt praktisch ungenutzt bleibt, die Energie, die frei wird, wenn Wasser gefriert. Das ist keine neue Physik. Neu ist, wie man sie in ein System packt, das in ein normales Einfamilienhaus passt.
Business Leaders: Eisspeicher gibt es seit Jahren. Was macht Ihr System anders?
Thomas Degelo: Die Betriebsweise. Klassische Eisspeicher arbeiten saisonal – man lädt im Sommer, entlädt im Winter, und dafür braucht man sehr große, meist vergrabene Behälter. Wir fahren einen Pendelbetrieb im Tages- und Wochenrhythmus. Dadurch kommen wir mit rund tausend Litern aus, und der Speicher steht im Keller, in der Garage oder im Nebengebäude. Kein Bagger, keine Bohrung.
Business Leaders: Wo liegt für den Hauseigentümer der spürbare Unterschied zur Luftwärmepumpe?
Thomas Degelo: Beim Lärm und bei der Baustelle. Unsere Anlage liegt tagsüber bei 53 dB(A) und nachts bei etwa 35 dB(A). In dicht bebauten Schweizer Quartieren ist das oft der Punkt, an dem ein Projekt überhaupt erst bewilligungsfähig wird. Und preislich liegen wir zwischen Luftwärmepumpe und Erdsonde – Sie bekommen also einen großen Teil des Erdsonden-Komforts, ohne bohren zu müssen.
Business Leaders: Sie fertigen die Wärmepumpe nicht selbst. Ist das nicht ein Risiko?
Thomas Degelo: Es ist eine bewusste Entscheidung. Wärmepumpen bauen andere seit Jahrzehnten sehr gut, da müssen wir nicht antreten. Unsere Wertschöpfung liegt in der Systemarchitektur, im Speicherdesign, in der Steuerung und in der Software – und genau dort haben wir zwei Patente angemeldet und veröffentlicht. Eine niedrige Fertigungstiefe hält uns außerdem beweglich, solange die Stückzahlen noch klein sind.
Business Leaders: Im September 2025 ist EBP Ventures eingestiegen. Was bringt Ihnen dieser Partner über das Kapital hinaus?
Thomas Degelo: „Ein kompetenter Partner wie EBP wird uns auch fachlich die richtigen Impulse bringen, um Nullpunkt nachhaltig am Markt zu etablieren.“ EBP ist in der Energie- und Gebäudetechnik tief verankert. Für ein junges Unternehmen ist dieser Zugang zu Erfahrung und Netzwerk mindestens so viel wert wie das Geld.
Business Leaders: Parallel sammeln Sie über Companisto 1,1 Millionen Franken bei Kleinanlegern ein. Warum dieser Weg?
Thomas Degelo: Weil er zu unserem Produkt passt. Wer bei uns investiert, ist häufig selbst Hauseigentümer und versteht das Problem, das wir lösen. Im vorgelagerten Angel-Club-Segment sind innerhalb einer Woche über 250.000 Euro zusammengekommen – das ist für uns auch ein Marktsignal, nicht nur eine Finanzierung. Das Kapital fließt in Marketing, Personal und den Ausbau der Serienfertigung.
Business Leaders: Wie groß ist der Markt, auf den Sie zielen – und welchen Anteil trauen Sie sich zu?
Thomas Degelo: Für Geräte unter 13 Kilowatt wird der europäische Markt bis 2029 auf rund 29 Milliarden US-Dollar geschätzt. Unser realistischer Anteil daran liegt „wahrscheinlich bei wenigen Prozent“ – und das genügt vollkommen. Wir planen für 2026 mit 10 bis 15 Anlagen und für 2027, bei erfolgreicher Finanzierung, mit rund 90. Das sind Zahlen, an denen man uns messen kann.
Business Leaders: Deutschland hat den Förderrahmen für Wärmepumpen zuletzt umgebaut. Trifft Sie das?
Thomas Degelo: Wenn es gar keine Fördergelder geben würde, wäre das für uns fast einfacher. Förderprogramme legen fest, welche Technologien sie kennen – und Eisspeicher waren in den Normenwerken lange schlicht nicht vorgesehen. In der Schweiz haben wir die Förderfähigkeit über den Fachverband erreicht, das war ein zäher Weg. Ein Produkt, das sich ohne Subvention rechnet, ist am Ende das robustere Geschäftsmodell.
Business Leaders: Was steht als Nächstes an?
Thomas Degelo: Zwei Themen stehen als Nächstes im Fokus. Zum einen arbeiten wir an Anlagen mit einer Leistung von 20 bis 25 Kilowatt, um die Nullpunkt-Technologie auch für kleinere Mehrfamilienhäuser nutzbar zu machen. Zum anderen wollen wir weitere Energiequellen integrieren. Solarthermie lässt sich beispielsweise sehr gut mit unserem Speichersystem kombinieren. Gleichzeitig bauen wir unser Partnernetz weiter aus. Mehr als 30 Installateure in der Schweiz sind für uns ein wichtiger Anfang, aber noch lange nicht das Ziel.
Business Leaders: Wo soll die nullpunkt AG in fünf Jahren stehen?
Thomas Degelo: Unser strategisches Ziel ist klar formuliert: „Ein Exit.“ Das heißt nicht, dass wir kurzfristig denken – im Gegenteil. Ein Unternehmen wird nur dann übernahmefähig, wenn Technologie, Schutzrechte, Partnernetz und Servicequalität wirklich stehen. Genau daran arbeiten wir.






