News
Eine Wärmepumpe, die mit Eis heizt, klingt zunächst paradox. Die Schweizer Nullpunkt AG will genau dieses Prinzip für Einfamilienhäuser und kleinere Gebäude nutzbar machen. Das System Triton kombiniert einen Eisspeicher mit einem Außenwärmetauscher und einer Wärmepumpe – ohne Erdsondenbohrung und mit einem besonders leisen Nachtbetrieb.
Nullpunkt AG und das Heizen mit Eis in Kürze:
Der Wärmepumpenmarkt in Deutschland befindet sich wieder deutlich im Aufwind. 2025 wurden rund 299.000 Heizungswärmepumpen verkauft – 55 Prozent mehr als im Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2026 setzte sich die Dynamik fort: 194.500 Heizungswärmepumpen wurden abgesetzt, 40 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.
Gleichzeitig bleibt der Modernisierungsbedarf enorm. Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie sind rund vier Millionen Heizungen in Deutschland älter als 30 Jahre. Mehr als 40 Prozent der rund 21,5 Millionen Heizungen entsprechen demnach nicht dem aktuellen Stand der Technik.
Damit wächst auch der Bedarf an unterschiedlichen technischen Lösungen. Denn nicht jedes Grundstück eignet sich für eine Erdsondenbohrung und nicht überall ist ein leistungsfähiges Außengerät einer klassischen Luft-Wasser-Wärmepumpe problemlos aufstellbar.
➡️ Genau in diesem Spannungsfeld positioniert sich die Nullpunkt AG mit ihrem Eisspeicher-Wärmepumpensystem Triton.
Key Facts: Nullpunkt AG
- Schweizer Cleantech-Startup: Die Nullpunkt AG entwickelt Wärmepumpen- und Eisspeicherlösungen für eine leise und flexible Wärmeversorgung. Sitz des Unternehmens ist Oberengstringen in der Schweiz.
- Produkt Triton: Das System kombiniert Außenwärmetauscher, 1.000-Liter-Eisspeicher und Wärmepumpe und kommt ohne Erdsondenbohrung aus.
- Heizen mit Eis: Triton nutzt die beim Gefrieren von Wasser frei werdende Latentwärme. Bei 1.000 Litern Wasser beträgt diese nach Angaben von Nullpunkt rund 93 kWh.
- Leiser Nachtbetrieb: Für den Außenwärmetauscher nennt Nullpunkt 53 dB(A) tagsüber und 35 dB(A) nachts; zwischen 19 und 7 Uhr ist ein Ventilatorbetrieb mit 35 dB(A) angegeben.
- Zielgruppe: Im Fokus stehen insbesondere Einfamilienhäuser im Neubau und bei Sanierungen, vor allem dort, wo Erdsondenbohrungen nicht möglich oder nicht gewünscht sind.
Heizen mit Eis: Was steckt hinter dem Prinzip?
Die Idee basiert auf einem bekannten physikalischen Effekt: der Latentwärme.
Wird Wasser abgekühlt, erreicht es bei null Grad Celsius seinen Gefrierpunkt. Entzieht man dem Wasser anschließend weitere Energie, beginnt es zu gefrieren. Dabei bleibt die Temperatur zunächst bei etwa null Grad, obwohl weiterhin Wärmeenergie abgegeben wird.
Diese beim Phasenwechsel von Wasser zu Eis frei werdende Energie bezeichnet man als Latentwärme.
Genau diesen Effekt nutzt die Nullpunkt AG.
Das Unternehmen beschreibt einen Eisspeicher mit 1.000 Litern Wasser. Die dabei nutzbare Latentwärme beträgt nach Angaben von Nullpunkt rund 93 kWh.
Das Entscheidende: Der Eisspeicher ist nicht die eigentliche Energiequelle des Gesamtsystems. Er dient als thermischer Speicher, der Umweltwärme aufnehmen und zeitversetzt für die Wärmepumpe bereitstellen kann.
So funktioniert das Triton-System der Nullpunkt AG
Triton besteht aus drei zentralen Komponenten:
- Außenwärmetauscher
- Eisspeicher
- Wärmepumpe
Der Außenwärmetauscher nimmt Wärme aus der Umgebungsluft auf und führt sie dem System zu. Diese Energie wird genutzt, um das Wasser im Eisspeicher wieder aufzutauen beziehungsweise den Speicher thermisch aufzuladen.
Wird Wärme benötigt, entzieht die Wärmepumpe dem Speicher Energie. Dabei kann Wasser gefrieren. Der Phasenwechsel setzt zusätzliche Wärme frei, die anschließend für die Beheizung des Gebäudes genutzt wird.
Das System arbeitet damit vereinfacht nach einem Kreislauf:
Umweltwärme aufnehmen → Energie im Speicher bereitstellen → Wärme entziehen → Gebäude beheizen → Speicher wieder aufladen.
Gerade diese zeitliche Entkopplung ist ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts.
Der Eisspeicher als thermische Batterie
Die Nullpunkt AG vergleicht den Eisspeicher mit einer Batterie. Der Unterschied: Gespeichert wird keine elektrische, sondern thermische Energie.
Das Konzept hat einen praktischen Vorteil. Die Energie muss nicht genau in dem Moment aus der Außenluft gewonnen werden, in dem das Gebäude den höchsten Wärmebedarf hat.
Stattdessen kann Wärme zu günstigeren beziehungsweise thermisch günstigeren Zeitpunkten aufgenommen und später genutzt werden.
Besonders interessant ist das während der Nacht.
Wenn der Wärmebedarf des Hauses steigt, kann die Wärmepumpe auf die im Eisspeicher verfügbare Energie zurückgreifen. Der Außenwärmetauscher muss dadurch nicht permanent mit voller Leistung betrieben werden.
Die aktuelle Triton-Broschüre beschreibt genau diesen Ansatz: Das System sammelt tagsüber Wärme und nutzt nachts den Eisspeicher.
Warum Heizen mit Eis ohne Erdsonde auskommt
Erdsonden-Wärmepumpen gehören zu den effizienten Möglichkeiten, Umweltwärme zu nutzen. Ihre Installation setzt allerdings eine Bohrung voraus.
Das kann bei bestehenden Gebäuden, kleinen Grundstücken oder bestimmten geologischen beziehungsweise rechtlichen Rahmenbedingungen problematisch sein.
Triton verfolgt deshalb einen anderen Weg.
Der Eisspeicher kann laut Nullpunkt beispielsweise im Keller, in einer Garage oder einem Nebengebäude aufgestellt werden. Eine Erdsondenbohrung ist nicht erforderlich.
Damit entsteht eine Alternative zwischen zwei etablierten Konzepten:
- Luft-Wasser-Wärmepumpe: keine Bohrung, dafür ein Außengerät mit Ventilator.
- Erdsonden-Wärmepumpe: konstante Wärmequelle, dafür aufwendigere Bohrarbeiten.
- Eisspeicher-Wärmepumpe: Wärmeaufnahme über einen Außenwärmetauscher, Speicherung im Eisspeicher und Nutzung über eine Wärmepumpe – ohne Erdsonde.
Dabei handelt es sich nicht um eine neue Form der Geothermie. Der entscheidende Unterschied liegt in der Kombination von Umweltwärme, thermischem Speicher und Wärmepumpe.
Der leise Nachtbetrieb ist ein zentraler Punkt
Eine der interessantesten Eigenschaften des Triton-Konzepts ist der Umgang mit dem Außenwärmetauscher.
Klassische Luft-Wasser-Wärmepumpen benötigen einen Ventilator, um der Umgebungsluft Wärme zu entziehen. Dieser Ventilator erzeugt zwangsläufig Geräusche.
Bei Triton soll der Eisspeicher genau hier zusätzliche Flexibilität schaffen.
Der Schallpegel des Systems liegt tagsüber bei rund 53 dB(A). Nachts werden etwa 35 dB(A) angegeben; zwischen 19 und 7 Uhr kann der Ventilator zudem abgeschaltet werden.
Das macht die Technologie insbesondere für dicht bebaute Wohngebiete interessant.
Denn bei einer Wärmepumpe stellt sich nicht nur die Frage, wie effizient sie arbeitet. Entscheidend ist auch, wo sie aufgestellt werden kann und wie sich ihr Betrieb auf die unmittelbare Umgebung auswirkt.

Nullpunkt AG: Eine Alternative für schwierige Grundstücke?
Die Nullpunkt AG positioniert Triton ausdrücklich für Situationen, in denen klassische Luft- oder Erdsonden-Wärmepumpen an Grenzen stoßen. Besonders im Fokus stehen Einfamilienhäuser – sowohl im Neubau als auch bei der Sanierung bestehender Öl- oder Gasheizungen.
Dabei kommen mehrere typische Situationen infrage:
-
Einfamilienhäuser
Für Einfamilienhäuser kann der kompakte Aufbau interessant sein, wenn eine Erdsonde nicht möglich oder nicht gewünscht ist.
-
Reihenhäuser und dicht bebaute Wohngebiete
Hier kann der Nachtbetrieb des Außenwärmetauschers eine besondere Rolle spielen. Gerade geringe Abstände zwischen Gebäuden machen den Schallschutz bei Wärmepumpen zu einem relevanten Planungsthema.
-
Sanierungen
Der Austausch alter Öl- und Gasheizungen dürfte in den kommenden Jahren einen wichtigen Teil des Wärmepumpenmarktes ausmachen. Genau hier sieht die Nullpunkt AG ein wesentliches Einsatzgebiet für Triton.
-
Kleinere Mehrfamilienhäuser
Das Unternehmen plant darüber hinaus eine Erweiterung des Systems auf Leistungsbereiche von etwa 20 bis 25 kW. Damit könnte das Konzept perspektivisch auch für kleinere Mehrfamilienhäuser relevant werden.
Der Wärmepumpenmarkt wächst – aber nicht jede Lösung passt überall
Die aktuellen Marktzahlen zeigen, wie groß der potenzielle Markt ist.
2025 wurden in Deutschland 299.000 Heizungswärmepumpen verkauft. Davon entfielen 283.000 auf luftbasierte Systeme. Damit hatten Luft-Wärmepumpen einen Anteil von rund 95 Prozent am Absatz der Heizungswärmepumpen.
Das zeigt die Dominanz der Luft-Wasser-Technologie. Gleichzeitig macht es deutlich, wo sich eine Nischenstrategie wie die von Nullpunkt positionieren könnte.
Triton muss nicht die klassische Luft-Wasser-Wärmepumpe ersetzen. Interessanter ist die Frage, ob das System dort Vorteile bietet, wo eine konventionelle Lösung weniger geeignet ist.
Dazu gehören insbesondere:
- hohe Anforderungen an den Schallschutz,
- fehlende Möglichkeit für Erdsondenbohrungen,
- begrenzte Grundstücksflächen,
- Sanierungsobjekte mit besonderen baulichen Voraussetzungen.
Was unterscheidet Triton von einer Luft-Wasser-Wärmepumpe?
Beide Systeme nutzen Umweltwärme. Der Unterschied liegt vor allem in der Art und Weise, wie diese Energie verarbeitet wird.
Bei einer klassischen Luft-Wasser-Wärmepumpe wird die Außenluft direkt als Wärmequelle genutzt. Ein Ventilator führt die Luft über einen Wärmetauscher.
Triton nutzt dagegen einen Zwischenschritt. Der Außenwärmetauscher nimmt Umweltwärme auf und führt sie dem Eisspeicher zu. Die Wärmepumpe kann anschließend die im Speicher verfügbare Energie nutzen. Damit wird der Speicher zu einer Art Puffer zwischen Wärmequelle und Wärmebedarf.
Der Vorteil dieser Konstruktion liegt weniger in einer grundsätzlich neuen Physik als in der zeitlichen Flexibilität.
Und was ist der Unterschied zur Erdsonden-Wärmepumpe?
Bei einer Erdsonden-Wärmepumpe wird Wärme aus dem Erdreich gewonnen. Dafür sind Bohrungen erforderlich.
Triton benötigt keine Erdsonde.
Das kann die Installation vereinfachen und insbesondere bei Bestandsgebäuden interessant sein. Die Nullpunkt AG wirbt deshalb mit einer Installation ohne aufwendige Tiefbauarbeiten. Allerdings ist die Technologie nicht automatisch in jedem Fall wirtschaftlicher.
Ob sich ein Eisspeichersystem lohnt, hängt unter anderem vom Gebäude, vom Wärmebedarf, von den Installationsbedingungen und den Gesamtkosten ab.
Genau diese Wirtschaftlichkeit muss sich im breiteren Markt noch beweisen.
Der Eisspeicher ist mehr als nur ein Wärmepuffer
Eine Besonderheit des Konzepts liegt in der Möglichkeit, den Speicher perspektivisch mit weiteren Wärmequellen zu verbinden.
Nullpunkt nennt unter anderem Solarthermie und Abwasserwärme als mögliche zukünftige Ergänzungen. Auch Photovoltaik wird auf der Unternehmensseite als mögliche zukünftige Erweiterung genannt.
Dabei ist eine technische Unterscheidung wichtig: Photovoltaik liefert Strom, keine Wärme.
PV-Strom kann beispielsweise genutzt werden, um die Wärmepumpe zu betreiben. Solarthermie dagegen liefert unmittelbar thermische Energie. Der Eisspeicher könnte damit langfristig als eine Art thermische Schnittstelle verschiedener Energiequellen fungieren.
Warum die Kombination mit Photovoltaik interessant sein kann
Photovoltaik und Wärmepumpe ergänzen sich grundsätzlich gut.
PV-Anlagen produzieren Strom vor allem während der Tagesstunden. Der Wärmebedarf eines Gebäudes verteilt sich dagegen über den gesamten Tag und steigt häufig gerade morgens und abends.
Ein thermischer Speicher kann dabei helfen, die zeitliche Differenz zwischen Energieerzeugung und Wärmebedarf zu überbrücken. Bei Triton kommt eine weitere Besonderheit hinzu: Der Speicher arbeitet mit dem Phasenwechsel von Wasser.
Damit wird nicht einfach nur warmes Wasser in einem klassischen Pufferspeicher bevorratet. Die Energie wird über einen anderen physikalischen Prozess aufgenommen und wieder abgegeben.
Die Technologie ist bekannt – die Anwendung ist der interessante Teil
Heizen mit Eis ist keine neue physikalische Entdeckung.
Eisspeicher und die Nutzung von Latentwärme sind seit Jahren bekannt. Auch das Prinzip, Wasser beim Gefrieren als thermischen Energiespeicher einzusetzen, ist wissenschaftlich und technisch etabliert. Die interessante Frage lautet deshalb nicht, ob Eis Wärme speichern kann.
Das kann es.
Die Frage ist vielmehr, ob sich das Prinzip kompakt, zuverlässig und wirtschaftlich für den Heizungsmarkt von Einfamilienhäusern einsetzen lässt. Genau darin liegt die Entwicklungsleistung der Nullpunkt AG.
Das Unternehmen versucht, ein bekanntes physikalisches Prinzip in ein standardisiertes Heizsystem zu überführen.
Nullpunkt AG: Vom Ingenieurbüro zum Heizungs-Startup
Hinter dem Unternehmen stehen die Maschinenbauingenieure Thomas Degelo, Michael Egli und Pascal Barmet.
Das gemeinsame Ingenieurbüro besteht nach Angaben von Nullpunkt bereits seit 2014. Die Entwicklung der Eisspeicher-Technologie begann 2023; die Nullpunkt AG wurde 2025 gegründet. Der Markteintritt in der Schweiz erfolgte im Oktober 2025.
Damit befindet sich das Unternehmen noch in einer frühen Phase. Die technische Entwicklung ist dabei nur eine Seite. Für ein Hardware-Startup ist der Übergang vom Prototyp zu einem skalierbaren Produkt eine mindestens ebenso große Herausforderung.
Eine Heizungsanlage muss nicht nur funktionieren. Sie muss einfach planbar und installierbar sein, zuverlässig laufen, gewartet werden können und wirtschaftlich produziert werden.
Ein wachsendes Netzwerk von Installationspartnern
Eine zentrale Rolle spielt deshalb das Fachhandwerk.
Nach Angaben der Nullpunkt AG verfügt das Unternehmen inzwischen über ein Netzwerk von mehr als 30 Installationspartnern in der Schweiz. Das ist für die weitere Marktentwicklung entscheidend.
Denn Heizungen werden nicht wie klassische Consumer-Elektronik verkauft. Der Installateur ist Teil des gesamten Entscheidungsprozesses – von der Dimensionierung über die Installation bis zum späteren Service.
Je größer das Partnernetzwerk wird, desto leichter kann eine neue Technologie in den Markt gelangen.
Die nächste Herausforderung der Nullpunkt AG: Skalierung
Mit dem Markteintritt beginnt für Nullpunkt die nächste Phase.
Mehrere Anlagen wurden seit Oktober 2025 in der Schweiz realisiert. Gleichzeitig baut das Unternehmen sein Netzwerk von Installationspartnern aus.
Jetzt geht es um Fragen, die über die reine Technologie hinausgehen:
- Wie zuverlässig funktioniert Triton im langjährigen Betrieb?
- Wie entwickelt sich der tatsächliche Energieverbrauch in unterschiedlichen Gebäuden?
- Welche Installationskosten entstehen im Vergleich zu anderen Wärmepumpen?
- Wie schnell kann die Produktion skaliert werden?
- Wie groß wird das Netzwerk an Fachpartnern?
- Wie entwickelt sich die Nachfrage außerhalb der Schweiz?
Gerade die letzte Frage ist relevant, weil Deutschland aufgrund seiner Marktgröße ein naheliegender Expansionsmarkt ist.
Deutschland bietet einen großen potenziellen Markt
Die Voraussetzungen sind grundsätzlich interessant. Die Wärmepumpe hat sich in Deutschland zu einer etablierten Heiztechnologie entwickelt. Gleichzeitig ist der Gebäudebestand in vielen Bereichen veraltet. Allein 2025 wurden 299.000 Heizungswärmepumpen verkauft. Im ersten Halbjahr 2026 kamen weitere 194.500 hinzu.
Damit entsteht ein Markt, in dem sich neben den großen etablierten Herstellern auch spezialisierte Technologien positionieren können. <qFür Nullpunkt könnte gerade die Kombination aus Wärmepumpe, Eisspeicher und leisem Nachtbetrieb ein Differenzierungsmerkmal sein.
Neue Rahmenbedingungen für den Heizungsmarkt
Auch die politischen Rahmenbedingungen haben sich 2026 verändert.
Am 29. Juli 2026 trat das neue Gebäudemodernisierungsgesetz in Kraft. Die bisherige einheitliche Vorgabe, dass neue Heizungen mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien nutzen müssen, wurde gestrichen. Stattdessen können Eigentümer grundsätzlich stärker zwischen verschiedenen Heiztechnologien wählen; gleichzeitig gelten neue Vorgaben für die schrittweise Nutzung klimaneutraler Brennstoffe.
Für den Wärmepumpenmarkt bedeutet das nicht automatisch weniger Nachfrage.
Entscheidender dürfte sein, wie Eigentümer die unterschiedlichen Systeme hinsichtlich Kosten, Betrieb, Fördermöglichkeiten, Zukunftssicherheit und Komfort bewerten.
Damit gewinnt die technische Differenzierung an Bedeutung.
Eine Wärmepumpe muss nicht nur effizient sein. Sie muss auch zur Immobilie passen.
Die Finanzierung soll die nächste Wachstumsphase ermöglichen
Die Nullpunkt AG hat inzwischen eine weitere Finanzierungsrunde gestartet.
Gemeinsam mit Companisto bietet das Unternehmen Investitionsmöglichkeiten ab 283 Euro an. Ziel der Finanzierungsrunde ist es nach Angaben von Nullpunkt, die Weiterentwicklung des Eisspeicher-Heizsystems zu beschleunigen und den Ausbau des Unternehmens voranzutreiben.
Damit befindet sich Nullpunkt an einem für Technologie-Start-ups typischen Übergang: Aus einer technischen Innovation soll ein skalierbares Geschäftsmodell entstehen.
Für Investoren ist dabei nicht nur die Technologie interessant. Entscheidend wird sein, ob es dem Unternehmen gelingt, die Herstellung, den Vertrieb und die Installation wirtschaftlich zu skalieren.
Was die Nullpunkt AG noch beweisen muss
Die Technologie ist interessant – aber gerade deshalb sollten die offenen Fragen nicht ausgeblendet werden.
Langzeitbetrieb
Heizungen werden für viele Jahre installiert. Langfristige Felddaten sind deshalb entscheidend.
Wirtschaftlichkeit
Ein Eisspeicher verursacht zusätzliche Systemkomponenten. Entscheidend ist, ob diese durch Einsparungen bei Installation, Betrieb oder anderen Systembestandteilen ausgeglichen werden können.
Skalierbarkeit
Die Entwicklung eines funktionierenden Systems ist etwas anderes als die Produktion in großen Stückzahlen.
Installationsnetz
Eine neue Heiztechnik benötigt Fachbetriebe, die das System planen, installieren und warten können.
Marktzugang
Die Technologie muss sich gegenüber etablierten Luft-, Erdsonden- und anderen Wärmepumpensystemen behaupten.
Diese Punkte sind keine Schwächen des Konzepts. Sie markieren vielmehr die typischen Herausforderungen eines jungen Technologieunternehmens beim Übergang vom Entwicklungs- in den Wachstumsmarkt.
Heizen mit Eis könnte eine Nische mit Potenzial sein
Die Nullpunkt AG muss nicht den gesamten Wärmepumpenmarkt verändern.
Eine realistischere Perspektive ist die Besetzung einer spezifischen Nische:
Gebäude, bei denen eine Erdsonde nicht möglich ist, eine klassische Luft-Wasser-Wärmepumpe aber aufgrund von Schall, Platz oder anderen Rahmenbedingungen weniger attraktiv erscheint.
Genau hier kann ein kompakter Eisspeicher seine Stärken ausspielen.
Der Ansatz verbindet mehrere bekannte Technologien zu einem neuen Gesamtsystem:
Umweltwärme + Eisspeicher + Wärmepumpe + zeitlich flexibler Betrieb.
Das ist keine Revolution der Physik.
Es ist eine interessante Anwendung bekannter physikalischer Prinzipien auf ein konkretes Problem des Gebäudesektors.
Fazit: Nullpunkt AG setzt auf einen ungewöhnlichen Wärmespeicher
Die Idee klingt zunächst widersprüchlich: Mit Eis heizen.
Technisch steckt dahinter jedoch ein gut nachvollziehbares Prinzip. Beim Gefrieren von Wasser wird Latentwärme frei. Ein Eisspeicher kann diese Energie nutzen und zeitlich versetzt für eine Wärmepumpe bereitstellen.
Die Nullpunkt AG kombiniert diesen Ansatz im Triton-System mit einem Außenwärmetauscher und einer Wärmepumpe.
Der wesentliche Unterschied zu klassischen Lösungen liegt dabei nicht allein in der Wärmequelle. Entscheidend ist die Möglichkeit, Umweltwärme zwischenzuspeichern und den Außenwärmetauscher zeitlich flexibler zu betreiben.
Daraus ergeben sich drei zentrale Merkmale:
keine Erdsondenbohrung, ein kompakter thermischer Speicher und ein besonders leiser Nachtbetrieb.
Ob daraus ein relevanter Markt entsteht, wird sich allerdings erst in der Skalierungsphase zeigen.
Die Ausgangslage ist durchaus interessant: Der Wärmepumpenmarkt wächst wieder deutlich, der deutsche Gebäudebestand bietet einen enormen Sanierungsbedarf und gleichzeitig suchen Eigentümer nach Lösungen, die technisch, wirtschaftlich und praktisch zu ihrem Gebäude passen.
Die Nullpunkt AG versucht, genau für diese Schnittstelle eine Lösung anzubieten.
Heizen mit Eis ist deshalb weniger eine verrückte Idee als ein ungewöhnlicher Ansatz für ein reales Problem: Wie lässt sich Umweltwärme effizient speichern und möglichst leise für die Wärmeversorgung eines Gebäudes nutzen?
Die Physik dahinter ist bekannt.
Die eigentliche Innovation muss Nullpunkt nun im Markt beweisen.
Häufige Fragen zur Nullpunkt AG und zum Heizen mit Eis
Was ist die Nullpunkt AG?
![]()
Die Nullpunkt AG ist ein Schweizer Technologieunternehmen, das Wärmepumpensysteme mit Eisspeicher entwickelt. Das Unternehmen sitzt in Oberengstringen im Kanton Zürich und ist seit Oktober 2025 mit dem Triton-System am Schweizer Markt aktiv.
Wie funktioniert Heizen mit Eis?
![]()
Beim Gefrieren von Wasser wird Wärmeenergie freigesetzt. Diese sogenannte Latentwärme kann von einer Wärmepumpe genutzt werden. Beim Triton-System wird zuvor Umweltwärme über einen Außenwärmetauscher in den Eisspeicher eingebracht.
Wie leise ist die Wärmepumpe der Nullpunkt AG?
![]()
Nullpunkt gibt für Triton einen Schallpegel von rund 53 dB(A) tagsüber und etwa 35 dB(A) nachts an. Der Außenventilator kann nach Unternehmensangaben zwischen 19 und 7 Uhr abgeschaltet werden.
Für welche Gebäude eignet sich Triton?
![]()
Die Nullpunkt AG richtet Triton insbesondere an Einfamilienhäuser im Neubau und in der Sanierung. Interessant kann das System vor allem dort sein, wo eine Erdsondenbohrung nicht möglich oder nicht gewünscht ist und der Nachtbetrieb einer Luft-Wasser-Wärmepumpe zum Problem werden könnte.
Kann der Eisspeicher mit anderen Energiequellen kombiniert werden?
![]()
Nullpunkt sieht perspektivisch die Nutzung weiterer Wärmequellen wie Solarthermie und Abwasserwärme vor. Photovoltaik kann Strom für den Betrieb der Wärmepumpe bereitstellen. Das Unternehmen nennt auch PV als mögliche zukünftige Erweiterung des Systems.









Noch kein Kommentar vorhanden.