Industrielle Abwärme galt lange als ungenutztes Nebenprodukt – jetzt rückt sie ins Zentrum der Energiewende. Die Energy Towers AG will daraus kontinuierlich verfügbaren Strom erzeugen und damit ein zentrales Problem lösen: die Versorgung mit grundlastfähiger, klimaneutraler Energie.

Was sind Energy Towers?

Energy Towers sind Anlagen, die industrielle Abwärme nutzen, um kontinuierlich Strom zu erzeugen – grundlastfähig, klimaneutral und unabhängig von Wetterbedingungen. Die Technologie wird von der Energy Towers AG entwickelt und könnte eine zentrale Lücke der Energiewende schließen.

Das wichtigste in Kürze:

  • Ungenutztes Energiepotenzial: Industrielle Abwärme bietet ein enormes, bislang kaum erschlossenes Energievolumen – allein in Deutschland über 200 TWh jährlich.
  • Grundlastfähig und klimaneutral: Die Technologie ermöglicht kontinuierliche Stromerzeugung ohne zusätzliche Emissionen – unabhängig von Wetter und Tageszeit.
  • Dezentrale Energielösung für die Industrie: Direkt am Verbrauchsort installiert, senkt die Technologie Netzverluste und könnte energieintensive Branchen nachhaltig transformieren.

 

Warum industrielle Abwärme ein unterschätzter Energieträger ist

In energieintensiven Industrien wie Stahl-, Zement- oder Chemiewerken entstehen enorme Mengen ungenutzter Wärme. Allein in Deutschland liegt dieses Potenzial bei über 200 Terawattstunden jährlich, europaweit sogar bei rund 900 Terawattstunden.

Diese Energie bleibt bislang weitgehend ungenutzt – obwohl sie bereits vorhanden ist und keine zusätzlichen Emissionen verursacht.

Mit steigenden regulatorischen Anforderungen, etwa durch das Energieeffizienzgesetz, wächst der Druck auf Unternehmen, Abwärme systematisch zu nutzen. Genau hier setzt die Technologie der Energy Towers AG an.

Wie funktioniert die Stromerzeugung aus Abwärme?

Die Energy-Tower-Technologie basiert auf dem archimedischen Prinzip. Erwärmte Luft steigt in einer Flüssigkeitssäule nach oben und treibt dabei Turbinen zur Stromerzeugung an.

„Wir nutzen den Auftrieb zur Stromerzeugung und erschließt dafür bislang weitgehend ungenutzte industrielle Abwärme als Energiequelle“, beschreibt Erfinder und CTO Zeki Akbayir das Grundprinzip der Energy Towers.

Funktionsweise im Überblick

  1. Industrielle Abwärme wird in das System eingespeist
  2. Luft wird erhitzt und steigt in einer Flüssigkeitssäule auf
  3. Der Auftrieb treibt mechanische Komponenten an
  4. Daraus wird kontinuierlich Strom erzeugt

Technische Merkmale

  • Zwei-Turm-System für stabilen Dauerbetrieb
  • Patentiertes Schleusensystem zur Energieübertragung
  • Geschlossener Kreislauf ohne Energieverluste nach außen

Effizienz

  • Bis zu 87 % Wirkungsgrad einzelner Komponenten
  • Über 25 % im Gesamtsystem (aktuell)

Beim Aufbau des ersten industriellen Prototyps steht für Akbayir die kontinuierliche Verbesserung im Mittelpunkt: „Wir analysieren genau, wie sich unterschiedliche Materialien und Komponenten auf den Wirkungsgrad auswirken. Unser Anspruch ist es, die Anlage technisch und wirtschaftlich so effizient wie möglich zu gestalten.“

Am Grundprinzip selbst lässt er dabei keinen Zweifel: „Dass das System als solches funktioniert, steht für mich außer Frage.“

➡️ Forschungsbericht der KIT Campus Transfer GmbH

 

Vorteile von Energy Towers gegenüber Wind- und Solarenergie

 

Kriterium Energy Towers  Solarenergie  Windenergie
Grundlastfähigkeit
Wetterabhängigkeit
Flächenbedarf gering hoch hoch
Emissionen keine keine keine

👉 Ergebnis: Energy Towers ergänzen erneuerbare Energien ideal, da sie kontinuierlich Strom liefern.

 

Einsatzfelder mit Systemwirkung: Wo Energy Towers ihr Potenzial entfalten

Die Einsatzfelder der Technologie konzentrieren sich auf Bereiche, in denen hoher Energiebedarf und ungenutzte Abwärme strukturell zusammenfallen – und damit ein besonders hohes Effizienzpotenzial entsteht:

✅ Industrie und Produktion:


In energieintensiven Branchen wie Stahl, Zement, Papier, Keramik oder Chemie ist Abwärme ein systemimmanentes Nebenprodukt. Energy Towers setzen genau hier an und verwandeln bislang ungenutzte Energieverluste in einen wirtschaftlich verwertbaren Stromertrag. Damit verschiebt sich die Rolle dieser Standorte perspektivisch vom reinen Energieverbraucher hin zum teilautarken Produzenten.

✅ Rechenzentren und KI-Infrastruktur:


Der steigende Energiebedarf durch Cloud-Computing und KI-Anwendungen führt zu einer wachsenden Nachfrage nach stabiler, grundlastfähiger Versorgung. Gleichzeitig erzeugen Rechenzentren selbst erhebliche Abwärme. Energy Towers könnten hier einen geschlossenen Energiekreislauf ermöglichen und die Abhängigkeit von externen Stromquellen reduzieren.

✅ Gigafactories und Elektromobilität:


Mit dem Ausbau der Elektromobilität steigt nicht nur der Strombedarf, sondern auch der Druck auf eine zuverlässige und skalierbare Energieinfrastruktur. Energy Towers bieten die Möglichkeit, Produktionsstandorte direkt und kontinuierlich zu versorgen – ein potenzieller Standortvorteil im internationalen Wettbewerb.

✅ Dezentrale Energiesysteme und Mikronetze:


Durch ihre modulare Bauweise lassen sich Energy Towers in bestehende Industriecluster und regionale Netze integrieren. Das stärkt dezentrale Versorgungsstrukturen und reduziert zugleich Netzbelastung sowie Übertragungsverluste – ein zunehmend relevanter Faktor in einem fragmentierten Energiesystem.

Strategisch fokussiert sich Stephan Ballweg und Zeki Akbayir zunächst auf den deutschsprachigen Raum, wo regulatorischer Druck und industrielle Dichte besonders hoch sind. Parallel soll die internationale Skalierung über Lizenzmodelle erfolgen – ein Ansatz, der kapitalintensive Expansion mit schneller Marktdurchdringung verbindet.

Bis 2030 plant das Unternehmen den Aufbau von mehr als 400 Megawatt installierter Leistung. Entscheidend wird dabei sein, ob es gelingt, die Technologie nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich in industriellen Maßstab zu überführen.

 

 

Die Energy Towers AG: Innovation und Skalierung

Das Unternehmen entwickelt die Technologie mit dem Ziel, industrielle Abwärme als festen Bestandteil der Energieversorgung zu etablieren. 

CEO Stephan Ballweg: „Der Prototyp wird zeigen, dass unser Ansatz funktioniert – am Ende geht es darum, die Glühbirne wirklich zum Leuchten zu bringen.“

Aktueller Stand

  • Industrieller Prototyp in Entwicklung
  • Tests unter realen Bedingungen

Wachstumsstrategie

  • Markteintritt mit Anlagen von 100 kW bis 5 MW
  • Ausbau auf über 400 MW bis 2030
  • Internationale Skalierung über Lizenzmodelle

Ein Börsengang ist für Ende 2026 geplant, um weiteres Wachstum zu finanzieren. Ballweg unterstreicht dabei den größeren Rahmen: „Innovation braucht Investitionen. Die Energy Towers sind genau die Lösung, die wir in Deutschland und Europa brauchen, um die Energiewende voranzubringen.“ 

 

Marktumfeld: Warum die Technologie jetzt relevant ist

Die Energiewende benötigt Lösungen, die drei zentrale Anforderungen erfüllen:

  • stabile Energieversorgung
  • Klimaneutralität
  • wirtschaftliche Effizienz

Stephan Ballweg und Zeki Akbayir adressieren mit ihrem Unternehmen genau diese Schnittstelle und positionieren sich als Ergänzung zu bestehenden Technologien wie Batterien und Wasserstoff.

 

Fazit: Zukunft der Energie aus Abwärme

Energy Towers könnten sich als wichtiger Baustein der Energiewende etablieren. Die Kombination aus ungenutztem Energiepotenzial, technischer Skalierbarkeit und klimaneutraler Stromerzeugung macht die Technologie besonders attraktiv.

Der entscheidende Faktor bleibt die erfolgreiche Skalierung durch die Energy Towers AG. Gelingt dieser Schritt, entsteht ein neuer Standard für dezentrale Energieversorgung.

 

❗Lesen Sie auch: Der Archimedes-Code – Wie Energy Towers an der Energiewende arbeitet

 

FAQ zu Energy Towers

Was sind Energy Towers?

Energy Towers sind Kraftwerksanlagen, die industrielle Abwärme – bislang ein ungenutzter Verlust – in kontinuierlich erzeugten Strom umwandeln. Das Grundprinzip nutzt aufsteigende Heißluft, die in einem vertikalen Turm Turbinen antreibt: ohne Verbrennung, ohne Emissionen, ohne zusätzlichen Brennstoff.

Wie effizient ist die Technologie?

Einzelne Komponenten des Systems erreichen Wirkungsgrade von bis zu 87 Prozent, das Gesamtsystem liegt aktuell bei über 25 Prozent – gemessen von der eingespeisten Abwärme bis zur erzeugten Kilowattstunde. Da der energetische Input andernfalls vollständig verloren ginge, entspricht jede erzeugte Kilowattstunde einem reinen wirtschaftlichen Gewinn.

Wo werden Energy Towers eingesetzt?

Der Einsatz konzentriert sich auf Industrieanlagen, Rechenzentren und energieintensive Infrastrukturen – überall dort, wo große Mengen Abwärme als Nebenprodukt anfallen. Genau diese Standorte verwandelt die Technologie von Energieverbrauchern mit Entsorgungsproblem in dezentrale, saubere Stromerzeuger.

Was macht die Energy Towers AG?

Die Energy Towers AG entwickelt, testet und skaliert die Technologie mit dem Ziel, sie zur kommerziellen Marktreife zu führen. Das Unternehmen verantwortet dabei die gesamte Wertschöpfungskette – von der ingenieurwissenschaftlichen Weiterentwicklung über die Pilotprojekte bis hin zur Partnerschaft mit Industriekunden und Investoren.

Kann man aus Abwärme Strom erzeugen?

Ja, Abwärme kann in Strom umgewandelt werden – allerdings nicht beliebig effizient. Technisch geschieht das über Verfahren wie den Organic Rankine Cycle, thermoelektrische Generatoren oder neuartige Ansätze wie Auftriebssysteme (z. B. Energy Towers).

Entscheidend ist das Temperaturniveau:

  • Hohe Temperaturen (z. B. Stahlindustrie) → gute Stromausbeute möglich
  • Niedrige Temperaturen → eher begrenzte Effizienz

Grundsätzlich gilt: Strom aus Abwärme ist besonders attraktiv, weil die Energiequelle bereits vorhanden ist und keine zusätzlichen Brennstoffe benötigt werden.

Wie viel Energie steckt in Abwärme?

Das Potenzial ist enorm – und bislang nur teilweise erschlossen:

  • Deutschland: über 200 Terawattstunden (TWh) pro Jahr
  • Europa: rund 900 TWh pro Jahr

Zum Vergleich: 200 TWh entsprechen etwa einem erheblichen Anteil des deutschen Stromverbrauchs.

Ein großer Teil dieser Energie entsteht in Branchen wie Stahl, Chemie oder Zement – oft als unvermeidbares Nebenprodukt industrieller Prozesse.

Ist Abwärmenutzung wirtschaftlich?

In vielen Fällen ja. Da Abwärme bereits als Nebenprodukt entsteht, fallen keine zusätzlichen Brennstoffkosten an. Besonders wirtschaftlich ist die Nutzung, wenn die Energie direkt vor Ort eingesetzt oder in Strom umgewandelt wird. Steigende Energiepreise und strengere Klimavorgaben verbessern die Rentabilität zusätzlich.