Die Schweiz ist eine der reichsten und stabilsten Volkswirtschaften in Europa und in der Welt – und wirkt damit anziehend auf Menschen, die sich beruflich verbessern wollen. Ein Blick in die Geschichte der modernen Schweiz zeigt dabei, dass es gerade Zeiten mit wirtschaftlicher Dynamik waren, in denen die Schweiz wie ein Magnet wirkte.

Vor diesem Hintergrund spielen andere Argumente – wie beispielsweise bürgernahe Steuern – heute kaum mehr eine Rolle. „Es ist vielmehr ein Wechselspiel von Vorteilen, die die Schweiz so unwiderstehlich macht“, meint Unternehmensberater Michael Oehme.

Schweiz als Einwanderungsland - Meinung des Michael Oehme, Unternehmensberater aus St. Gallen
Schweiz als Einwanderungsland – Meinung des Michael Oehme, Unternehmensberater aus St. Gallen

Michael Oehme, Unternehmensberater aus St. Gallen – Migrationsland Schweiz

Ein Drittel der gegenwärtig in der Schweiz lebenden Bevölkerung ist in den letzten 50 Jahren eingewandert oder besitzt zumindest einen eingewanderten Elternteil. Die Schweiz schafft es dabei, nicht nur unterschiedliche Nationalitäten zu verbinden, sondern „funktioniert“ auch noch in vier unterschiedlichen Sprachen. Die Schweiz weist damit neben Luxemburg den höchsten Ausländeranteil in der Wohnbevölkerung in Europa auf. Zum einen aufgrund der geographischen Lage, zum anderen aufgrund der Weltoffenheit ist die Schweiz dabei ein offenes Tor zu Europa, hält aber auch intensive Beziehungen zu Russland, China und Indien. Nicht zuletzt waren es die USA, die im vergangenen Jahr zum ersten Mal Deutschland als Abnehmerland Schweizer Produkte übertroffen haben. Der Handelsüberschuss zwischen den USA und der Schweiz spielt den Helvetiern dabei in die Karten. Amerikaner kaufen mehr Produkte „made in swiss“ als Schweizer amerikanische.

Stabile Wirtschaft

Es gehört zu den positiven Nachrichten, dass die Schweizer Wirtschaft sich im Corona Jahr 2021 viel schneller erholen konnte als viele andere Volkswirtschaften in Europa. Neben etwas Glück hat der Schweiz vor allem ihr von seinen Nachbarländern als eigentümlich beschriebener Corona-Mittelweg geholfen. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass der Staat mit Milliarden an Härtefall- und Kurzarbeitergeld ausgeholfen hat, was er sich nicht zuletzt aufgrund seiner stabilen fiskalischen Situation leisten konnte. Die Schweiz hat auch nach Corona noch das höchste Bonitätsrating aller europäischen Länder. Konkret verhängten die Behörden deutlich mildere Beschränkungen als in den Nachbarländern und ließen Menschen und Wirtschaft damit mehr Freiheit. Die verständigen Schweizer sorgten durch eine freiwillige Beschränkung von Sozialkontakten aber auch ein Stück weit mit dazu bei. Wir lernen: Per Dekret lässt sich der Schweizer nichts sagen. Wenn er Verständnis dafür hat, schon. Das unterscheidet ihn deutlich vom Deutschen. Die einzigartige Basisdemokratie der Schweiz mit Volksentscheiden, findet eben nicht nur auf politischer Ebene statt. Der Schweizer redet mit – und er diskutiert für sein Leben gern.

Deutlicher Zuwachs beim Zuzug

Das Statistische Bundesamt wies für den Januar dieses Jahres einen Bevölkerungsstand von rund 8,8 Millionen Schweizer Bürgern aus. Dies entspricht einem Zuwachs von mehr als 100.000 Personen gegenüber dem Vorjahr und setzt das statistische Wachstum der Wohnbevölkerung in der Schweiz fort. Bis zum Jahr 2030, davon gehen seriöse Studien aus, dürfte die Bevölkerung in der Schweiz mehr als zehn Millionen Bürger ausmachen. Dabei sind es nicht nur die Reichen, aber auch die, die es in die Schweiz zieht. Vielmehr ist es ihr neutraler Status, der zu wirtschaftlicher Stabilität und einer sehr niedrigen Inflationsrate beigetragen hat, so dass der Schweizer Franken zu einer der stärksten Währungen der Welt geworden ist. Arbeitnehmer genießen eines der höchsten Pro-Kopf-Löhne in Europa. Und die Lebensqualität wird von vielen internationalen Consultingfirmen als eine der besten in der Welt beurteilt.

Offenheit gegenüber Fremden

Immer wieder wird bezweifelt, dass sich die Schweiz (Stichwort Zuwanderungsinitiative) aufgrund der politischen Diskussionen für Ausländer anbietet. Dabei sollte man sich einmal in die Situation der Schweizer versetzen, bei denen die Quote der Einheimischen seit Jahrzehnten im Verhältnis zu Neu-Schweizern sinkt. In Wirklichkeit ist die Schweiz für Ausländer sehr offen – nicht zuletzt aufgrund seiner ohnehin schon vielfältigen Bevölkerung. Rund ein Viertel der Gesamtbevölkerung besteht aus ausländischen Arbeitnehmern, die zu einem großen Teil nicht nur mehrsprachig sind, sondern auch qualitativ hochwertige Jobs erledigen. In der Schweiz ist es üblich, unterschiedliche Sprachen zu nutzen. Im Straßenbild vermischen sich Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch – nur in bestimmten Regionen noch Rätoromanisch als „Ursprache“ der Schweizer. Und wenn man manchmal meint, die Schweiz sei das Land der Schokolade, des Käse und des Tourismus, wird man mit einem Blick in die Statistik des Schweizer Bruttoinlands- und Bruttoauslandsprodukts eines Besseren belehrt. Die Schweiz liefert hochwertige Produktionsgüter in die ganze Welt. Steuert einen wesentlichen Teil der weltweiten Chemie-, Nahrungsmittel- und Pharmaproduktion und ist nicht zuletzt eines der wichtigsten globalen Handelshäuser. Dies bietet auch für die kommenden Jahre ausgezeichnete Perspektiven für qualifizierte Arbeitskräfte. Nebenbei bietet die Schweiz eines der freundlichsten Steuersysteme und für Unternehmen Steueranreize unterschiedlichster Art. Den Schutz der Privatsphäre halten die Schweizer dabei für wichtig. Und eine Neidgesellschaft ist den Schweizern ebenso fremd wie seinen Nachbarn im Zweifel nicht hilfreich zur Verfügung zu stehen. Wer jahrhundertelang von seinen Mitmenschen abhängig war, verlernt dies auch nicht in einem zivilisierten Umfeld. Wir sollten nicht vergessen, dass die Schweiz vor 200 Jahren noch eines der ärmsten Länder Europas war, ohne Rohstoffvorkommen (außer Holz) und in einem überwiegend rauen Klima Ackerbau und Viehzucht betrieb. Das prägt.

Michael Oehme bekennender Fan der Schweiz

Was die Schweiz als Einwanderungsland so lukrativ macht - von Michael Oehme, Unternehmensberater aus St. Gallen
Was die Schweiz als Einwanderungsland so lukrativ macht – von Michael Oehme, Unternehmensberater aus St. Gallen


Michael Oehme ist Consultant bei der CapitalPR AG, St. Gallen/Schweiz. In seine Wahlheimat Schweiz siedelte er 2011 aus – nicht erst seitdem ist er bekennender „Fan“ und „Botschafter“ der Schweiz. Der studierte Betriebswirt ist Finanz- und Immobilienjournalist, Fachbuchautor und gefragter Referent u. a. mit seinem Vortrag: „Ist die Schweiz ein Vorbild, von dem Europa lernen kann?“. Schwerpunkt seiner Beratungstätigkeit ist die Ansiedelung von Unternehmen und Privatpersonen in der Schweiz. Der leidenschaftliche Berater ist zudem anerkannter Immobilienexperte. Er berät Schweizer Immobilienunternehmen bei der strategischen Ausrichtung, Positionierung und Realisierung von Erfolgsstrategien. (FM)