Hauptversammlung bestätigt Strategie mit großer Mehrheit – mehr als 50 autonome Systeme bis Jahresende geplant. Doch nach dem Prognose-Rückschlag im Juli muss Circus SE nun beweisen, dass sich Robotik, KI und Software auch wirtschaftlich skalieren lassen.

 

Circus SE Hauptversammlung 2026 in Kürze: 

 

  • Hauptversammlung bestätigt Kurs: Aktionäre stimmen mit großer Mehrheit für die Strategie und den globalen Ausbau der KI-Robotik.

 

  • Von der Technologie zur Skalierung: Circus will bis Ende 2026 mehr als 50 autonome Systeme in neun Ländern einsetzen und die Produktionskosten des CA-1 weiter senken.

 

  • Entscheidendes Jahr für das Geschäftsmodell: Nach der deutlichen Prognosekorrektur muss Circus nun zeigen, dass sich Robotik, KI und CircusOS auch wirtschaftlich skalieren lassen.

 

Die Aktionäre von Circus SE haben dem Unternehmen am Donnerstag, 20. August, den Rücken gestärkt. Bei der virtuellen Hauptversammlung waren rund 49 Prozent des Grundkapitals vertreten. Alle elf Tagesordnungspunkte wurden mit Zustimmungsquoten zwischen 97,78 und 99,37 Prozent angenommen. Für Gründer und CEO Nikolas Bullwinkel ist das ein klares Mandat, den eingeschlagenen Kurs fortzusetzen.

Doch hinter den hohen Zustimmungsquoten steht eine deutlich interessantere wirtschaftliche Frage: Kann Circus aus einer technologisch ambitionierten Robotikplattform ein skalierbares Geschäftsmodell machen?

Das Unternehmen will bis Ende 2026 mehr als 50 autonome KI-Robotersysteme in neun Ländern im Einsatz haben. Gesteuert werden sollen sie über die eigene Plattform CircusOS. Nach Unternehmensangaben wäre damit die weltweit größte vernetzte Flotte autonomer Versorgungssysteme entstanden.

Die Richtung ist damit klar. Die entscheidende Bewährungsprobe beginnt allerdings gerade erst.

 

2025 war das Jahr des Übergangs

Der Geschäftsbericht 2025 beschreibt einen Wendepunkt. Circus SE sei im vergangenen Geschäftsjahr von einem Entwicklungsunternehmen zu einem operativen Anbieter von Systemen geworden, schreibt der Verwaltungsrat. Im Mittelpunkt standen die industrielle Serienproduktion des CA-1 und die ersten kommerziellen Einsätze bei Kunden wie Meta und REWE.

Das ist mehr als eine Formulierung im Geschäftsbericht. Vier Jahre hatte Circus nach eigenen Angaben intensiv an Technologie und Produktentwicklung gearbeitet. 2025 folgte dann der Schritt in den Markt.

Im April wurde die vierte Generation des CA-1 vorgestellt. Im August startete die Serienproduktion. Nur rund sechs Monate nach dem Aufbau der Produktionsstätte wurde das erste System ausgeliefert. Als Produktionspartner arbeitet Circus mit Celestica, einem global tätigen Auftragsfertiger.

Im September 2025 ging der erste kommerzielle CA-1 bei Meta in Deutschland in Betrieb. Noch im vierten Quartal folgten Systeme bei REWE. Dort wurde die Robotik nicht isoliert eingesetzt, sondern in bestehende Warenwirtschafts- und Kassensysteme integriert.

Damit begann für Circus das, was für viele Deep-Tech-Unternehmen der schwierigste Teil der Entwicklung ist, der Übergang vom funktionierenden Prototypen zum reproduzierbaren Geschäft.

 

Der Umsatz zeigt, wie früh die Geschichte noch ist

Wie früh diese Phase tatsächlich war, lässt sich am Geschäftsbericht besonders gut ablesen.

Circus erzielte 2025 einen Umsatz von 1,56 Millionen Euro nach 251.000 Euro im Vorjahr. Der größte Teil davon entstand erst im vierten Quartal mit dem Beginn der Serienauslieferungen. 1,325 Millionen Euro entfielen auf den Verkauf von CA-1-Systemen, weitere 209.000 Euro auf Komponenten und Teile im Zusammenhang mit der CA-1-Produktion. Hinzu kamen 26.000 Euro Umsatz mit Lebensmitteln für REWE.

Das Unternehmen ist damit wirtschaftlich noch weit von einem etablierten Robotikhersteller entfernt.

Auch das Ergebnisbild macht diese Situation deutlich. Das bereinigte EBITDA lag 2025 bei minus 15,54 Millionen Euro, das HGB-EBITDA bei minus 18,8 Millionen Euro. Der Jahresfehlbetrag belief sich auf 21,77 Millionen Euro.

Das ist allerdings nicht überraschend für ein Unternehmen, das gerade erst von der Entwicklung in die Serienproduktion wechselt. Die entscheidende Frage für Investoren lautet deshalb nicht, ob Circus 2025 profitabel war. Das war das Unternehmen erwartungsgemäß nicht.

Entscheidend ist vielmehr, wie schnell aus den hohen Vorleistungen ein Geschäft mit wiederholbaren Umsätzen und besseren Margen entsteht.

 

Genau hier liegt die eigentliche Bedeutung von CircusOS

Die vielleicht wichtigste Entwicklung findet deshalb nicht ausschließlich im Roboter selbst statt.

CircusOS soll die zentrale Betriebsebene der gesamten Robotikflotte werden. Ende 2025 umfasste die Plattform nach Angaben des Unternehmens mehr als 20 Software- und KI-Dienste. Sie verbindet die Robotersysteme unter anderem mit Warenwirtschafts-, ERP- und Kassensystemen der Kunden.

Damit verfolgt Circus einen Ansatz, der über den Verkauf von Maschinen hinausgeht.

Der Roboter ist die sichtbare Hardware. Dahinter entsteht eine Softwareplattform, die Beschaffung, Hygiene, Wartung, Nachfrageprognosen und weitere operative Prozesse miteinander verbinden soll. Circus sieht darin auch die Grundlage für wiederkehrende SaaS-Umsätze.

Das ist strategisch interessant, weil sich ein Robotikgeschäft auf diese Weise langfristig anders skalieren lässt als ein reines Maschinenbaugeschäft.

Ein zusätzlicher Roboter verursacht nicht zwangsläufig im gleichen Umfang zusätzliche Softwarekosten. Je größer die installierte Basis wird, desto stärker könnten sich wiederkehrende Erlöse aus Software, KI-Diensten, Wartung, Lizenzen und weiteren Services entwickeln.

Aber genau das ist bislang eine Zukunftsperspektive. Der Geschäftsbericht zeigt, dass Circus 2025 gerade erst damit begonnen hat, dieses Modell in der Praxis zu erproben.

 

KI soll aus einzelnen Robotern ein lernendes System machen

Ein weiterer Baustein ist die Übernahme von FullyAI.

Das Unternehmen entwickelte agentische KI-Systeme, die selbstständig Entscheidungen treffen und sich an veränderte Umgebungen anpassen können. Circus hat diese Technologie in den eigenen KI-Stack und in CircusOS integriert.

Nach Angaben des Unternehmens basieren die eigenen KI-Modelle inzwischen auf mehr als 70.000 Betriebsstunden. Sie sollen unter anderem für kulinarische Intelligenz, Nachfrageprognosen, Bestandsoptimierung und die Reduzierung von Lebensmittelabfällen eingesetzt werden.

Das ist für das Geschäftsmodell von größerer Bedeutung, als es auf den ersten Blick scheint.

Ein autonomer Roboter muss nicht nur Bewegungen ausführen. Er muss erkennen, was produziert werden soll, welche Mengen benötigt werden, welche Zutaten verfügbar sind und wie sich Prozesse an unterschiedliche Situationen anpassen lassen.

Je mehr Systeme im Einsatz sind, desto größer wird potenziell die Datenbasis. Daraus könnte ein Kreislauf entstehen: mehr Systeme, mehr Daten, bessere Modelle, bessere Systeme.

Ob dieser Effekt tatsächlich einen nachhaltigen technologischen Vorsprung erzeugt, muss sich allerdings erst zeigen.

 

REWE und Meta sind wichtige Referenzen

Die ersten Kunden liefern dafür reale Testumgebungen.

Meta war einer der ersten globalen Unternehmenskunden. Der CA-1 wurde in die Büroinfrastruktur in München integriert und versorgt dort Mitarbeiter und Gäste. Die Zusammenarbeit reicht nach Angaben des Geschäftsberichts inzwischen über die Hardware hinaus und umfasst auch die gemeinsame Entwicklung von Funktionen auf Basis von KI-Technologien.

Noch strategischer könnte die Zusammenarbeit mit REWE sein.

Circus bezeichnet die Integration autonomer Essensversorgung in den Einzelhandel als Weltpremiere. Die Systeme wurden in mehreren Städten eingesetzt und tief in Warenwirtschaft und Kassensysteme integriert.

Für Circus ist das ein wichtiger Unterschied. Ein Roboter, der unter kontrollierten Bedingungen funktioniert, ist technologisch interessant. Ein Roboter, der in einem laufenden Einzelhandelsbetrieb zuverlässig arbeitet und sich in dessen bestehende IT-Strukturen integrieren lässt, ist ein potenziell skalierbares Produkt.

Genau solche Referenzen braucht das Unternehmen jetzt.

 

Von der Food-Robotik zum Dual-Use-Unternehmen

Parallel hat Circus 2025 ein zweites Geschäftsfeld aufgebaut: den Verteidigungsbereich.

Mit Circus Defence SE wurde eine eigene Gesellschaft geschaffen. Das Unternehmen entwickelte den CA-M, ein mobiles, containerbasiertes autonomes Versorgungssystem für militärische Anwendungen. Kooperationen mit dem ukrainischen Innovationsprogramm BRAVE1 und der 3rd Assault Brigade wurden vereinbart. Zudem erhielt Circus einen ersten Auftrag der Bundeswehr für die Integration autonomer Versorgungssysteme.

Im April 2026 wurde das System erstmals auf einem gesicherten Militärgelände eingesetzt. Die Bundeswehr wurde damit zum ersten aktiven Kunden von Circus Defence.

Für Circus eröffnet das ein zusätzliches Marktsegment mit potenziell hohen Anforderungen an Autonomie, Robustheit und Sicherheit.

Gleichzeitig verändert sich dadurch die Unternehmensstory. Circus ist nicht mehr ausschließlich ein Unternehmen für automatisierte Lebensmittelzubereitung. Die Gesellschaft positioniert sich zunehmend als Dual-Use-Technologieunternehmen, dessen KI- und Robotikplattform sowohl für zivile als auch für militärische Anwendungen genutzt werden soll.

 

Das Portfolio wird breiter

Auch auf der Produktseite hat Circus seine Strategie ausgeweitet.

Mit der Übernahme von K-Robotics wurde der Zugang zum US-Markt und zu weiteren Robotiktechnologien ausgebaut.

Hinzu kommt die geplante beziehungsweise inzwischen vorangetriebene Integration der belgischen Food-Robotik-Technologie von Alberts. Laut Geschäftsbericht soll damit das Portfolio um kompaktere Systeme erweitert werden, die bei Kunden wie Danone, Decathlon und Sodexo validiert worden seien.

Die Strategie dahinter ist nachvollziehbar: Wenn unterschiedliche Robotersysteme auf derselben KI- und Softwareplattform betrieben werden können, könnte Circus seine Technologie in verschiedene Einsatzbereiche bringen, ohne jedes Mal ein vollständig neues Geschäftsmodell aufbauen zu müssen.

Die Gefahr besteht allerdings darin, dass ein solches Portfolio die Organisation schneller komplexer macht, als die Umsätze wachsen.

 

Der entscheidende Punkt: Circus hat seine Prognose deutlich zurückgenommen

Hier liegt die wichtigste Einschränkung zur derzeit positiven Unternehmenskommunikation.

Der Geschäftsbericht 2025, der Ende Juni veröffentlicht wurde, stellte 2026 noch als „Year of Scaling“ dar und erwartete eine deutliche Umsatzsteigerung. Die Prognose beruhte unter anderem auf höheren Auslieferungen, zusätzlichen Software-, KI-, Service- und Lizenzumsätzen sowie ersten CA-M-Lieferungen an europäische Streitkräfte.

Nur wenige Wochen später musste Circus die Erwartungen jedoch deutlich korrigieren.

Am 16. Juli senkte das Unternehmen die Umsatzprognose für 2026 von ursprünglich 44 bis 55 Millionen Euro auf 5,2 Millionen Euro. Die EBITDA-Prognose wurde von minus 6 bis 8 Millionen Euro auf rund minus 17 Millionen Euro angepasst.

Das ist keine kleine Korrektur.

Circus begründete den Schritt damit, dass ein Teil der ursprünglich für 2026 vorgesehenen Systemeinführungen auf 2027 verschoben werde. Vor allem Onboarding, Integration und laufender Service hätten bislang nicht in dem Maße skaliert, wie es für die geplante Wirtschaftlichkeit notwendig gewesen wäre. Der Fokus soll deshalb stärker auf den sogenannten Unit Economics liegen.

Damit wird rückblickend eine zentrale Passage des Geschäftsberichts besonders interessant.

Dort nennt Circus selbst Kundenabhängigkeit, Produktionshochlauf, Finanzierung und Liquidität als relevante Risiken. Veränderungen bei den Abrufmengen einzelner strategischer Kunden könnten die kurzfristige Umsatzentwicklung beeinflussen.

Die Juli-Korrektur zeigt, dass diese Risiken nicht nur theoretischer Natur sind.

 

Die 50 Roboter sind deshalb nicht die wichtigste Kennzahl

Vor diesem Hintergrund bekommt die Aussage der Hauptversammlung, bis Jahresende mehr als 50 autonome Systeme in neun Ländern im Einsatz zu haben, eine andere Bedeutung.

Die Zahl klingt zunächst nach einem klassischen Wachstumsindikator. Für die wirtschaftliche Bewertung von Circus ist sie aber nur bedingt aussagekräftig.

Entscheidender ist, was jeder einzelne Roboter wirtschaftlich leistet.

Wie hoch sind die Installationskosten? Wie viel Aufwand verursacht die Integration? Wie viele Mitarbeiter benötigt ein Kunde für den Betrieb? Wie hoch sind Service- und Wartungskosten? Welche Marge erzielt Circus pro System? Und welche wiederkehrenden Umsätze entstehen über CircusOS, KI, Zutaten und Services?

Genau diese Fragen stehen hinter dem Begriff „Unit Economics“, auf den Circus seit der Prognosekorrektur stärker fokussiert.

Die Produktionskosten des CA-1 sind nach Unternehmensangaben inzwischen im Jahresvergleich um mehr als 25 Prozent gesunken. Das ist ein positives Signal. Gleichzeitig muss nun bewiesen werden, dass nicht nur die Produktion, sondern die gesamte Wertschöpfungskette skalierbar wird.

 

Kapital ist vorhanden – aber Wachstum kostet Geld

Circus hat sich 2025 finanziell zunächst erheblichen Spielraum verschafft.

Zwei Kapitalerhöhungen brachten insgesamt 48,2 Millionen Euro brutto ein: 18,7 Millionen Euro im ersten Quartal und weitere 29,5 Millionen Euro im vierten Quartal.

Zum Jahresende verfügte Circus laut Cashflow-Rechnung über rund 21,46 Millionen Euro an liquiden Mitteln.

Das ist für ein Unternehmen in dieser Entwicklungsphase ein wichtiger Puffer.

Gleichzeitig weist Circus im eigenen Risikobericht ausdrücklich darauf hin, dass das geplante Wachstum weiterhin Zugang zu Kapital und Working Capital erfordert. Sale-and-Leaseback-Finanzierungen schaffen kurzfristig Liquidität, bringen aber langfristige Zahlungsverpflichtungen mit sich. Auch Anleihen führen zu Zins- und Rückzahlungsverpflichtungen.

Der Kapitalmarkt bleibt damit ein wichtiger Bestandteil der Unternehmensstrategie.

 

Die Börse hat die Geschichte bisher skeptischer bewertet

Auch der Blick auf die Aktie zeigt, dass die Investoren die Wachstumsstory keineswegs durchgehend euphorisch aufgenommen haben.

Die Circus-Aktie startete 2025 bei 25 Euro und beendete das Jahr bei 12 Euro. Das entspricht einem Minus von 52 Prozent. Das Jahreshoch lag bei 26,80 Euro, das Jahrestief bei 11,80 Euro.

Gleichzeitig stieg das Handelsvolumen deutlich. 2025 wurden auf Xetra insgesamt mehr als 5,29 Millionen Aktien gehandelt – gegenüber rund 452.000 im Gesamtjahr 2024.

Das zeigt ein interessantes Spannungsfeld: Circus ist für den Kapitalmarkt deutlich sichtbarer geworden, aber die Bewertung reagiert empfindlich auf Zweifel an der Geschwindigkeit der operativen Skalierung.

Das ist nach der Prognosekorrektur im Juli besonders relevant. Der Markt muss nun nicht mehr nur eine Technologie bewerten, sondern die Frage beantworten, wie lange der Weg von der Technologie zum profitablen Geschäft tatsächlich dauert.

 

Hauptversammlung als Vertrauensvotum – nicht als Beweis des Geschäftsmodells

Die Hauptversammlung selbst ist deshalb vor allem ein politisches und strategisches Signal innerhalb des Unternehmens.

Die Aktionäre haben dem Management mit überwältigender Mehrheit Zustimmung gegeben. Alle elf Beschlüsse erhielten mindestens 97,78 Prozent der Stimmen. Allerdings waren nur rund 49 Prozent des Grundkapitals vertreten.

Das Ergebnis ist somit ein klares Vertrauensvotum der vertretenen Aktionäre. Es ist aber kein Beweis dafür, dass das Geschäftsmodell bereits funktioniert.

Dieser Beweis muss aus dem operativen Geschäft kommen.

Circus muss zeigen, dass sich die Produktionskosten weiter reduzieren lassen, dass die Integration neuer Systeme schneller und günstiger wird und dass die installierte Flotte tatsächlich wiederkehrende Umsätze generiert.

Erst dann wird aus der Robotikplattform ein belastbares Geschäftsmodell.

 

Circus SE Geschäftsbericht
Der Geschäftsbericht der Circus SE für das Geschäftsjahr 2025 steht auf der Webseite des Unternehmens zum Download zur Verfügung.

 

Der Geschäftsbericht liefert dafür eine interessante Ausgangsbasis

Technologisch ist Circus SE inzwischen deutlich weiter als noch vor einem Jahr.

Das Unternehmen verfügt über die vierte Generation des CA-1, eine laufende Serienproduktion, CircusOS, eigene KI-Modelle, die FullyAI-Technologie und ein Patentportfolio von fast 40 internationalen Schutzrechten.

Auch organisatorisch hat sich Circus verändert. Ende 2025 beschäftigte das Unternehmen 87 Mitarbeiter aus mehr als 20 Nationen. Mit Claus Holst-Gydesen wurde ein erfahrener Manager für internationale Expansion und Strategie als Co-CEO gewonnen.

Hinzu kommen Kundenreferenzen, erste Verteidigungsaufträge und die internationale Expansion.

Das sind reale Fortschritte.

Aber sie führen nicht automatisch zu einem profitablen Geschäft.

 

Was jetzt wirklich zählt

Nach der Hauptversammlung lässt sich die Circus-Story deshalb nüchterner beschreiben als noch vor einigen Monaten.

Die Technologiephase ist weitgehend abgeschlossen. Die Skalierungsphase hat begonnen – und sie ist schwieriger als erwartet.

Das Unternehmen hat gezeigt, dass es einen autonomen KI-Roboter entwickeln, industriell fertigen und bei großen Unternehmen einsetzen kann. Es hat gezeigt, dass CircusOS mehrere Prozesse integrieren kann und dass die Technologie auch für militärische Anwendungen interessant ist.

Jetzt muss Circus zeigen, dass diese Fähigkeiten wirtschaftlich reproduzierbar sind.

Die Entwicklung der Produktionskosten ist dabei ein positives Signal. Der Ausbau von CircusOS könnte langfristig für wiederkehrende Erlöse sorgen. Die wachsende Zahl von Kunden und die Expansion in Verteidigung, Einzelhandel, Gesundheitswesen und Infrastruktur erweitern den adressierbaren Markt.

Auf der anderen Seite stehen hohe laufende Kosten, ein weiterhin negatives EBITDA, die Abhängigkeit von wenigen strategischen Kunden und die Tatsache, dass der geplante Rollout bereits einmal deutlich verlangsamt werden musste.

 

Circus steht damit an einem entscheidenden Punkt

Die Geschichte von Circus SE ist deshalb weder die einer fertigen Robotik-Erfolgsgeschichte noch die eines gescheiterten Technologieversuchs.

Sie ist die Geschichte eines Unternehmens genau an der Schwelle zwischen beidem.

2025 hat Circus den Übergang vom Entwickler zum Anbieter industrieller Robotik geschafft. 2026 soll daraus ein globales Netzwerk werden. Die Hauptversammlung hat den eingeschlagenen Kurs mit großer Mehrheit bestätigt. Gleichzeitig hat die Prognosekorrektur im Juli deutlich gemacht, dass die Realität der Skalierung komplexer ist als die ursprüngliche Planung.

Für die kommenden Monate sind deshalb weniger spektakuläre Produktankündigungen entscheidend als operative Kennzahlen: Auslieferungen, Installationszeiten, Produktionskosten, Serviceaufwand, wiederkehrende Softwareumsätze und der Umsatz pro eingesetztem System.

Wenn Circus diese Größen nachhaltig verbessern kann, könnte aus CA-1 und CircusOS tatsächlich eine globale Plattform für autonome Versorgungssysteme entstehen.

Wenn nicht, bleibt das Unternehmen ein technologisch interessantes, aber kapitalintensives Robotikprojekt.

Die Hauptversammlung hat Circus SE den politischen Rückenwind gegeben. Den wirtschaftlichen Beweis muss das Unternehmen nun selbst liefern.