Viele Versicherte zahlen über Jahre denselben Vertrag, während Versicherungsunternehmen neue Tarifgenerationen anbieten. Dabei kann bereits eine gezielte Anfrage nach aktuellen Konditionen zu Einsparungen führen – ohne gleich den Anbieter zu verlassen. Ob Kfz-Versicherung, Hausrat, Wohngebäudeversicherung, Privathaftpflicht oder private Krankenversicherung: Zahlreiche Menschen besitzen Verträge, die sie vor fünf, zehn oder sogar zwanzig Jahren abgeschlossen haben. Die Beiträge werden regelmäßig abgebucht, gelegentlich angepasst, doch die vereinbarten Leistungen bleiben häufig über lange Zeit unverändert.

Gleichzeitig entwickeln Versicherer ihre Produkte weiter. Neue Tarife berücksichtigen veränderte Risiken, moderne Leistungsbausteine und andere Preiskalkulationen. Manchmal sind sie leistungsfähiger, manchmal günstiger und gelegentlich sogar beides. Wer seinen bestehenden Versicherungsvertrag überprüfen möchte, sollte deshalb nicht automatisch an eine Kündigung denken. Häufig lohnt sich zunächst eine einfache Frage an die eigene Versicherung:

„Welche aktuellen Tarife bieten Sie heute Neukunden an, und kann ich als langjähriger Bestandskunde zu vergleichbaren Konditionen wechseln?“

Diese Anfrage begründet außerhalb besonderer gesetzlicher Regelungen keinen Anspruch auf Neukundenkonditionen. Sie kann jedoch der Ausgangspunkt für eine wirtschaftlich interessante Vertragsoptimierung sein.

Die wichtigen Punkte für den Tarifwechsel

  • Bestehende Versicherungsverträge regelmäßig überprüfen
  • Aktuelle Neukundentarife gezielt anfragen
  • Beiträge und Versicherungsleistungen gemeinsam vergleichen
  • Gesetzliche Tarifwechselrechte richtig nutzen
  • Vertragsänderungen schriftlich bestätigen lassen
  • Fachkundige Beratung bei Bedarf einholen

 

Versicherungstarif wechseln statt kündigen

Warum alte Versicherungstarife teurer sein können

Versicherungsgesellschaften entwickeln regelmäßig neue Tarifmodelle. Dabei ändern sich Kalkulationsgrundlagen, Selbstbeteiligungen, versicherte Risiken und Leistungsumfänge. Ein Vertrag, der bei seinem Abschluss ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bot, muss deshalb nicht dauerhaft die wirtschaftlich beste Lösung bleiben.

Ein typisches Beispiel ist die Kfz-Versicherung. Die Beiträge werden durch zahlreiche Faktoren beeinflusst, darunter Schadenfreiheitsklasse, Fahrzeugtyp, Regionalklasse, jährliche Fahrleistung und Fahrerkreis. Ändern sich diese Faktoren, kann sich auch die angemessene Versicherungsprämie verändern.

Die Verbraucherzentrale empfiehlt ausdrücklich, bei der bisherigen Versicherung nach günstigeren Angeboten zu fragen. Mitunter reicht bereits ein Anruf, um einen attraktiveren Tarif zu erhalten.

Der einfache Weg: Aktuelle Tarife für Bestandskunden anfordern

Statt sofort einen neuen Versicherungsanbieter zu suchen, können Versicherte ihren bisherigen Vertrag prüfen lassen. Besonders sinnvoll ist eine schriftliche Anfrage, damit die angebotenen Konditionen nachvollziehbar bleiben.

Betreff: Anfrage zur Umstellung meines bestehenden Versicherungsvertrags auf aktuelle Tarifkonditionen

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin bereits seit mehreren Jahren bei Ihrem Unternehmen versichert und möchte meinen bestehenden Versicherungsvertrag mit den aktuell angebotenen Tarifen vergleichen.

Bitte teilen Sie mir mit, welche vergleichbaren Tarife Sie derzeit für Neukunden anbieten und ob eine Umstellung meines bestehenden Vertrags auf diese Konditionen möglich ist.

Dabei bitte ich insbesondere um Angaben zu den jährlichen Beiträgen, den versicherten Leistungen, möglichen Selbstbeteiligungen und etwaigen Nachteilen einer Tarifumstellung.

Mein Ziel ist eine wirtschaftliche Optimierung meines Versicherungsvertrags bei möglichst gleichwertigem oder verbessertem Versicherungsschutz.

Bitte übersenden Sie mir ein entsprechendes Angebot in Textform.

Mit freundlichen Grüßen

[Name und Versicherungsnummer]

Welche Versicherungen besonders interessant sind

Nicht jeder Versicherungsbereich bietet dieselben Wechselmöglichkeiten. Die folgende Übersicht zeigt, wo eine Tarifprüfung sinnvoll ist.

Versicherungsart

Möglichkeiten der Tarifumstellung

Kfz-Versicherung

Häufig neue Tarife, angepasste Beiträge und Rabatte

Privathaftpflicht

Neuere Tarife können höhere Deckungssummen bieten

Hausratversicherung

Vergleich von Beitrag, Versicherungssumme und Zusatzleistungen

Wohngebäudeversicherung

Modernisierte Bedingungen; Wertermittlung und Elementarschutz beachten

Rechtsschutzversicherung

Andere Leistungspakete und Selbstbeteiligungen; Wartezeiten beachten

Private Krankenversicherung

Gesetzlich geregeltes Tarifwechselrecht nach § 204 VVG

Berufsunfähigkeitsversicherung

Besonders sorgfältig prüfen; bestehende Gesundheits- und Vertragsbedingungen können wertvoll sein

Besonderheit: Bei der privaten Krankenversicherung besteht ein gesetzliches Tarifwechselrecht

Während eine Kfz- oder Hausratversicherung nicht grundsätzlich verpflichtet ist, einem Bestandskunden den aktuellen Neukundentarif einzuräumen, gelten in der privaten Krankenversicherung besondere Regeln. Nach § 204 Absatz 1 Versicherungsvertragsgesetz (VVG) können Versicherte den Wechsel in andere Tarife ihres bisherigen Versicherungsunternehmens mit gleichartigem Versicherungsschutz verlangen. Bereits erworbene Rechte und Alterungsrückstellungen sind dabei anzurechnen.

Für Mehrleistungen darf der Versicherer unter bestimmten Voraussetzungen Risikozuschläge, Wartezeiten oder Leistungsausschlüsse vorsehen. Die bestehenden gesetzlichen Wechselrechte bedeuten allerdings nicht, dass ein älterer Versicherter automatisch denselben Beitrag wie ein junger Neukunde erhält. Gerade bei langfristigen Verträgen ist die Unterscheidung zwischen einer internen Tarifumstellung und einem vollständigen Versichererwechsel wesentlich.

Rechenbeispiel: Was eine günstigere Versicherung bringen kann

 

Das Beispiel zeigt, weshalb sich die Anfrage beim bisherigen Versicherer lohnen kann. Die tatsächliche Ersparnis hängt vom Vertrag und den individuellen Risikomerkmalen ab.

Professionelle Vertragsprüfung: EFS AG als Beispiel

Die Überprüfung einzelner Versicherungsverträge lässt sich auch in eine umfassendere Finanz- und Vorsorgeanalyse einordnen. Denn häufig werden verschiedene Policen zu unterschiedlichen Zeitpunkten abgeschlossen, ohne dass die Gesamtsituation später erneut betrachtet wird.

Hier setzt beispielsweise die EFS Euro-Finanz-Service Vermittlungs AG an. Das Unternehmen beschreibt auf seiner Website einen sogenannten Euro-Check, bei dem die bestehende Finanzsituation und laufende Ausgaben analysiert werden. Auf dieser Grundlage sollen individuelle Optimierungsmöglichkeiten ermittelt werden. Nach Unternehmensangaben umfasst das Beratungsangebot Versicherungen, Finanzen und Vorsorge sowie die Auswahl von Produkten verschiedener Partnergesellschaften.

Das Beispiel verdeutlicht den möglichen Nutzen einer strukturierten Bestandsaufnahme: Statt ausschließlich auf den Beitrag einer einzelnen Versicherung zu schauen, lassen sich bestehende Absicherungen, Leistungen und laufende Kosten gemeinsam betrachten. Ob eine Tarifumstellung oder ein Anbieterwechsel sinnvoll ist, hängt vom jeweiligen Vertrag ab. Weitere Informationen: EFS AG 

Worauf Versicherte vor einer Umstellung achten sollten

Ein günstigerer Beitrag allein macht einen neuen Tarif noch nicht besser. Entscheidend ist das Verhältnis von Preis und Leistung. Besonders bei der privaten Krankenversicherung, der Berufsunfähigkeitsversicherung und der Rechtsschutzversicherung können bestehende Vertragsrechte und Bedingungen einen erheblichen Wert haben.

Bei einer Umstellung sollten daher neben dem Beitrag auch Ausschlüsse, Deckungssummen, Selbstbeteiligungen, Wartezeiten und der Umgang mit bereits bestehenden Versicherungsfällen verglichen werden.

 
Kann ich verlangen, als Bestandskunde den Neukundentarif zu bekommen?

Bei vielen Sachversicherungen besteht kein allgemeiner gesetzlicher Anspruch darauf. Die Anfrage ist dennoch sinnvoll. In der substitutiven privaten Krankenversicherung besteht ein besonderes Tarifwechselrecht nach § 204 VVG.

Kann ich innerhalb meiner Versicherung wechseln, ohne zu kündigen?

Ja, wenn der Versicherer eine entsprechende Vertragsumstellung anbietet oder ein gesetzliches Tarifwechselrecht besteht. Die rechtlichen und vertraglichen Folgen sollten vorab geklärt werden.

Muss ich bei einer Tarifumstellung eine neue Gesundheitsprüfung machen?

Nicht generell. Bei einem internen PKV-Tarifwechsel darf sich eine Risikoprüfung auf Mehrleistungen beziehen. Bei anderen personenbezogenen Versicherungen können abweichende Regeln gelten.

Wann ist der beste Zeitpunkt für eine Tarifprüfung?

Bei der Kfz-Versicherung ist der Herbst besonders interessant. Bei anderen Versicherungen bieten Beitragsanpassungen, Veränderungen der Lebenssituation oder die regelmäßige Überprüfung der persönlichen Finanzen einen geeigneten Anlass.

Kann eine professionelle Versicherungsberatung helfen?

Ja. Eine qualifizierte Beratung kann Leistungsunterschiede, mögliche Einsparungen und Risiken eines Wechsels aufzeigen. Wichtig ist, dass die Empfehlung nachvollziehbar dokumentiert wird.

Fazit: Erst den bestehenden Vertrag prüfen, dann über einen Wechsel entscheiden

Ein Versicherungswechsel muss nicht zwangsläufig mit einem neuen Anbieter beginnen. Manchmal liegt eine wirtschaftlich interessante Alternative bereits beim bisherigen Versicherer.

Wer aktuelle Tarifangebote anfordert, Leistungen vergleicht und seine bestehenden Vertragsrechte berücksichtigt, schafft eine bessere Entscheidungsgrundlage. Besonders sinnvoll ist es, diese Prüfung regelmäßig vorzunehmen, statt erst nach einer deutlichen Beitragserhöhung zu reagieren.

Quellen

Abrufdatum: 19. Oktober 2026

Rechtlicher Hinweis:

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information zum deutschen Versicherungsrecht und ersetzt keine individuelle Versicherungs- oder Rechtsberatung. Tarifwechsel und Beitragsvorteile hängen von den jeweiligen Vertragsbedingungen und gesetzlichen Voraussetzungen ab.