Der Laissez-Faire-Führungsstil zeichnet sich durch ein besonders hohes Maß an Freiheit und Autonomie für die Mitarbeiter aus. Führungskräfte bleiben im Hintergrund. Dieser Stil fördert Kreativität und Motivation der Mitarbeiter, kann aber auch zu Unsicherheit und Ineffizienz führen. Bekannte deutsche Unternehmen wie SAP, die Otto Group und Jimdo nutzen diesen Führungsansatz erfolgreich, insbesondere in ihren kreativen und innovativen Abteilungen. Während der Laissez-Faire-Stil für die Mitarbeiter viele Vorteile bietet, birgt er für Unternehmen große Risiken. Der Laissez-Faire-Führungsstil kann unter bestimmten Voraussetzungen zum wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens beitragen. Eine Kombination mit anderen Führungsstilen hat sich jedoch in der Praxis als sinnvoller erwiesen, als den Laissez-Faire-Führungsstil in Reinkultur anzuwenden.

Laissez-Faire-Führungsstil – Eine Definition

Beim Laissez-Faire-Führungsstil haben die Mitarbeiter einen hohen Grad an Freiraum bei der Umsetzung ihrer Aufgaben. Die Mitarbeiter sind in ihrer Tätigkeit keinen Regeln unterworfen und kontrollieren sich selbst. Führungskräfte, die diesen Führungsstil anwenden, greifen nur minimal in die Arbeit ihrer Teammitglieder ein und überlassen ihnen die Verantwortung bei der Planung, Entscheidungsfindung und Durchführung ihrer Aufgaben.

Der Begriff „Laissez-Faire“ stammt aus dem Französischen und bedeutet übersetzt „machen lassen“ oder „gewähren lassen“.

Vorteile des Laissez-Faire-Führungsstils

 

  • Förderung der Kreativität: Die Mitarbeiter haben viel Freiraum und können Ihre eigenen Ideen und Lösungen entwickeln. Das fördert Ihre Kreativität und kann zu innovativen Ergebnissen führen. Durch die gewonnene Unabhängigkeit sind Mitarbeiter freier in ihren Entscheidungen und „trauen sich auch mal was.“

 

  • Stärkung der Motivation: Mitarbeiter, die selbstständig arbeiten dürfen, fühlen sich stärker motiviert und engagiert, da sie die Kontrolle über ihre Arbeit haben. Sie fühlen sich als wichtiger Teil des Unternehmens, da sie eigenständig ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten können.

 

  • Entwicklung von Führungsqualitäten: Das Team verteilt die Aufgaben unter den beteiligten Mitarbeitern. Dabei werden die Arbeitsbereiche nach Kompetenzen der Einzelnen aufgeteilt. Mit der übertragenen Eigenverantwortung können manche Mitarbeiter Führungskompetenzen entwickeln, die sie auf künftige Leitungspositionen vorbereiten.

 

  • Entlastung der Führungskraft: Die Führungskraft gibt die Kontroll- und Aufsichtsfunktion an das Team ab und hat sich damit Freiraum für administrative Aufgaben geschaffen. Das Team erarbeitet sich die Lösungen zu ihren Aufgaben selbständig. Die Führungskraft greift  nicht in diesen Prozess ein, sondern gibt Tipps und Empfehlungen ab, um das Team bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Nachteile des Laissez-Faire-Führungsstils

 

  • Mangel an Führung und Orientierung: Ohne klare Anweisungen und Unterstützung der Führungskräfte können manche Mitarbeiter unsicher werden, da sie das Gefühl haben, auf sich allein gestellt zu sein. Fehlt es an der führenden Rolle des Teamleiters, kann das auch dazu führen, dass manche Teammitglieder das Verhalten der Führungskraft nachahmen und sich zurückhaltend und passiv im Team verhalten.

 

  • Inkonsequenz und Ineffizienz: Wenn keine klaren Richtlinien und Strukturen vorhanden sind, kann dies zu einer inkonsequenten Arbeitsweise und Ineffizienz führen. Besonders bei unerfahrenen Teams ist die Gefahr groß, dass sie den gestellten Aufgaben nicht gewachsen sind und schließlich resignieren. Gerät ein Projekt in Schwierigkeiten, braucht ein Team neue Lösungsansätze. Können diese Lösungsansätze nicht im Team selbst entwickelt werden, kann ein Projekt deshalb scheitern. Ohne eine gewisse Kontrolle fehlt manchen Mitarbeitern bei diesem Führungsstil der Ansporn. Das Ergebnis ist oft halbherzige Arbeit oder fehlende Motivation.

 

  • Konfliktpotenzial: Die Autonomie kann auch zu Konflikten innerhalb des Teams führen, insbesondere wenn unterschiedliche Meinungen und Arbeitsweisen aufeinandertreffen. Unterschiedliche Meinungen zu Projekten können auch zur Spaltung eines Teams führen und/ oder Konkurrenzverhalten mit sich bringen. Die Führungskraft als Moderator und Mediator ist bei diesem Führungsstil „nicht zuständig“ und entzieht sich gewissermaßen der Führungsverantwortung.
Marcel Burgstaller Gründer und CEO istraw GmbH & Co. KG
Marcel Burgstaller Gründer und CEO istraw GmbH & Co. KG

Expertenmeinung zum Laissez-Faire-Führungsstil von Marcel Burgstaller

„Ich habe mich bewusst für den Laissez-Faire-Führungsstil in meinem Unternehmen entschieden, weil ich meinen Mitarbeitern das Vertrauen und die Freiheit geben möchte, ihre Aufgaben selbstständig zu erledigen. In der Vergangenheit führte das zu mehr Kreativität und Innovation, da meine Mitarbeiter nicht durch laufende Anweisungen und Kontrollen eingeschränkt werden. Natürlich erfordert dieser Führungsstil ein hohes Maß an Vertrauen und Eigenverantwortung seitens der Mitarbeiter. Ich habe erstklassige Experten auf Ihrem Gebiet. Da kann ich mich zu hundert Prozent darauf verlassen. Und ich kann mich darauf verlassen, dass meine Teams ihre Freiheiten und mein Vertrauen in sie nicht missbrauchen.

Die Arbeit meiner Teams führt oft zu erstaunlichen Ergebnissen. Es ist trotzdem wichtig, den Teams klare Ziele und Deadlines zu setzen und die notwendigen Ressourcen für ihre Projekte bereitzustellen. Meine Mitarbeiter haben dann die Freiheit, ihren eigenen Weg zu finden, um das Ziel zu erreichen. Der Laissez-Faire-Stil fördert ein Umfeld, in dem sich unsere Mitarbeiter wirklich als Teil des Unternehmens fühlen und sich deshalb mehr in Projekte einbringen.

Aber als Unternehmer will ich auch, dass mein Team erfolgreich ist. Deshalb setzen wir uns regelmäßig zusammen und besprechen die Fortschritte der Projekte gemeinsam. Mit meiner Expertise kann ich die Teams unterstützen, um gemeinsam erfolgreich zu werden.“

Marcel Burgstaller, Gründer & CEO von istraw GmbH & Co KG

Beispiele aus der Deutschen Wirtschaft

Der Laissez-Faire-Führungsstil ist vorwiegend in der Kreativbranche anzutreffen. In Werbeagenturen und Designstudios wird dieser Stil häufig angewendet, um den kreativen Prozess nicht durch strenge Vorgaben einzuschränken. Auch in der IT-Branche und in Start-ups wird dieser Führungsstil oft genutzt, um neue Innovationen und flexible Arbeitsmethoden zu fördern.

 

SAP SE

Als einer der weltweit größten Softwarehersteller setzt SAP in den Bereichen Forschungs- und Entwicklung auf einen Laissez-Faire-Führungsstil. Den Teams wird viel Freiraum gegeben, um kreative Lösungen zu entwickeln und neue Technologien zu erforschen. Diese Freiheit hat maßgeblich zur Entwicklung innovativer Produkte und Lösungen beigetragen.

 

Otto Group

Die Otto Group, eines der größten deutschen Handels- und Dienstleistungsunternehmen, hat nach einem Generationswechsel in einigen ihrer Tochtergesellschaften für die Abteilungen E-Commerce und digitale Innovationen den Laissez-Faire-Führungsansatz implementiert. Durch die Förderung eines offenen und selbstbestimmten Arbeitsumfelds sollen Mitarbeiter in ungestörter, freier Atmosphäre neue Ideen und Geschäftsmodelle entwickeln.

 

SoundCloud

Obwohl das Unternehmen international tätig ist, hat SoundCloud deutsche Wurzeln und hat ihren Hauptsitz an der Spree. SoundCloud setzt stark auf den Laissez-Faire-Führungsstil. Das Unternehmen legt großen Wert auf eine flache Hierarchie und ein hohes Maß an Eigenverantwortung für seine Mitarbeiter. Dies fördert eine Kultur der Innovation und Kreativität, die in der schnelllebigen Musik- und Technologiebranche unerlässlich ist.

 

Jimdo GmbH

Jimdo, ein Hamburger Unternehmen, das sich auf die Erstellung von Webseiten spezialisiert hat, fördert eine offene und flexible Arbeitskultur. Mitarbeiter bei Jimdo haben die Freiheit, ihre Arbeitszeiten und -methoden selbst zu gestalten, was zu einer hohen Zufriedenheit und Produktivität führt. Dieser Laissez-Faire-Ansatz unterstützt die Entwicklung kreativer und benutzerfreundlicher Produkte.

Fazit

Der Laissez-Faire-Führungsstil kann die Kreativität und Motivation der Mitarbeiter stärken und Innovationen für ein Unternehmen beflügeln. Er hat aber gleichzeitig viel Potential für schlechte Arbeitsergebnisse und Misserfolge. Unternehmen sollten deshalb sorgfältig abwägen, in welchen Bereichen und für welche Teams dieser Führungsstil überhaupt geeignet ist. Die völlig passive Rolle der Führungskraft ist aus Erfahrungswerten nur in sehr seltenen Konstellationen zielführend.

Erfolgreicher werden laissez-faire-gesteuerte Teams, wenn die Führungskraft beratend zur Seite steht und ihre Expertise mit einbringt. Ein ausgewogener Mix mit anderen Führungspraktiken bringt meist bessere Arbeitsergebnisse.

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