Seit 40 Jahren kümmert sich Prinz Charles (73), der britische Thronfolger aus dem Clarence House unweit vom Londoner Buckingham Palast, um die Umwelt.

Seine Warnungen verhallten lange ungehört. Seit Glasgow interessiert er sich auch für Schokolade, mit deren Hilfe, so das Versprechen einiger Schokoladenanbieter, der durchschnittliche Temperaturanstieg auf der Erde noch auf 2°C begrenzt werden könne. Weil Bäume aufgeforstet werden, die CO2 binden. Doch dieses Lebensmittel-Marketing-Modell ist umstritten.

  Eine 100-Gramm-Tafel Schweizer Milchschokolade „Die gute Schokolade“ der bayerischen gemeinnützigen Stiftung Plant-for-the-Planet kostet in deutschen Supermärkten 1 Euro. 20 Prozent gehen an die Stiftung, die je 5 verkaufte Tafeln in Mexiko einen Baumsetzling pflanzen kann © Facebook.com/Die.Gute.Schokolade


Schokolade für Bäume: Eine 100-Gramm-Tafel Schweizer Milchschokolade „Die gute Schokolade“ der bayerischen gemeinnützigen Stiftung Plant-for-the-Planet kostet in deutschen Supermärkten 1 Euro. 20 Prozent gehen an die Stiftung, die je 5 verkaufte Tafeln in Mexiko einen Baumsetzling pflanzen kann © Facebook.com/Die.Gute.Schokolade

Am 4. November 2021 traf die gambische Klima-Optimistin Fatou Jeng, Chefin des Global Boards der bayerischen gemeinnützigen Stiftung Plant-for-the-Planet Foundation aus Uffing am Staffelsee, auf der 26. UN-Klima-Konferenz im schottischen Glasgow Prinz Charles und erzählte ihm von der Schweizer Milchschokolade „Die gute Schokolade“, mit deren Hilfe seit der UN-Klimakonferenz in Warschau im Jahr 2013, wo jeder Delegierte eine Tafel geschenkt bekam,  jedes Jahr 1 Million Bäume auf der Karibikhalbinsel Yucatan in Mexiko gepflanzt werden konnten. Nächstes Ziel: eine Trillion Bäume auf der ganzen Welt.

Die gambische Umwelt-Optimistin Fatou Jeng und Chefin im Global Board der bayrischen gemeinnützigen Stiftung Plant-for-the-Planet überreicht auf der Klimakonferenz in Glasgow am 4. November 2021 dem britischen Thronfolger Prinz Charles (73) aus London eine Tafel Schweizer Milchschokolade „Die gute Schokolade“. Für fünf verkaufte Tafeln wird in Mexiko ein Baum gepflanzt © Twitter.com/fatoulamininjeng

Die gambische Umwelt-Optimistin Fatou Jeng und Chefin im Global Board der bayrischen gemeinnützigen Stiftung Plant-for-the-Planet überreichte auf der Klimakonferenz in Glasgow am 4. November 2021 dem britischen Thronfolger Prinz Charles (73) aus London eine Tafel Schweizer Milchschokolade „Die gute Schokolade“. Für fünf verkaufte Tafeln wird in Mexiko ein Baum gepflanzt © Twitter.com/fatoulamininjeng

Für fünf gekaufte Tafeln Schokolade wird ein Baum gepflanzt. Prinz Charles fragte die Aktivistin: „Kann ich diese Schokolade mitnehmen?“. Sie erinnerte ihn daran, die Botschaft in der Schokolade zu lesen. Im Inneren der Verpackung der Guten Schokolade erklären Kinder und Jugendliche, wie der durchschnittliche Temperaturanstieg noch auf 2°C begrenzt werden kann.

 Der heute 24jährige Münchner Felix Finkbeiner gründete im Jahr 2007 als Neunjähriger die gemeinnützige bayerische Plant-for-the-Planet Foundation, die in der Schweiz von der Firma Chocolats Halba in der nähe von Basel die Milchschokolade „Die gute Schokolade“ herstellen lässt und in deutschen Märkten wie EDEKA, Feneberg, Kaufland, REWE, Combi und Hieber und in verschiedenen Dorf- und Weltläden sowie in Österreich bei Billa, Sutterlüty und Merkur verkauft. Für fünf verkaufte Tafeln pflanzt PLANT-FOR-THE-PLANET einen Baum auf dem stiftungseigenen Grundstück in Mexiko © Pressefoto obs/Tele5/David Heimerl vom 2. Juni 2017


Schokolade für Bäume: Der heute 24jährige Münchner Felix Finkbeiner gründete im Jahr 2007 als Neunjähriger die gemeinnützige bayerische Plant-for-the-Planet Foundation, die in der Schweiz von der Firma Chocolats Halba in der nähe von Basel die Milchschokolade „Die gute Schokolade“ herstellen lässt und in deutschen Märkten wie EDEKA, Feneberg, Kaufland, REWE, Combi und Hieber und in verschiedenen Dorf- und Weltläden sowie in Österreich bei Billa, Sutterlüty und Merkur verkauft. Für fünf verkaufte Tafeln pflanzt PLANT-FOR-THE-PLANET einen Baum auf dem stiftungseigenen Grundstück in Mexiko © Pressefoto obs/Tele5/David Heimerl vom 2. Juni 2017

Die global agierende Initiative PLANT-FOR-THE-PLANET Foundation aus dem bayerischen Landkreis Garmisch-Partenkirchen wurde 2007 von dem damals neunjährigen Felix Finkbeiner aus München gestartet. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, mit einer weltweiten Baum-Pflanz-Kampagne gegen die Klimakrise anzutreten. Denn Bäume sind, wie der heute 24-Jährige erklärt, die wirksamsten CO2-Killer, die es gibt.

Vorstandsvorsitzender Finkbeiner:Auf der Welt wachsen derzeit 3.000 Milliarden Bäume und es ist noch Platz für 1.000 Milliarden weitere Bäume. Sie sind eines der effektivsten, natürlichen Mittel, die uns Zeit im Kampf gegen die Klimakrise verschaffen. Nur durch die Wiederherstellung dieser Wälder werden wir in der Lage sein, den Temperaturanstieg unter 2°C zu halten.“

Um das Pflanzziel zu erreichen, arbeitet Plant-For-The-Planet seit Sommer diesen Jahres zusätzlich noch mit der Baumschule Eden Reforestations Projects zusammen, die auf Madagaskar vier verschiedene Sorten Mangroven-Setzlinge zieht und in Madagaskar auspflanzt. Die hat auch noch andere Kunden.

Schokolade für Bäume: Von Ingenieuren zu Chocolatiers

Geschäftsführer Christian Fenner (30, mitte) aus Dresden absolvierte seinen Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen an der RWTH Aachen und gründete 2016 mit seinen Studienkollegen und Freunden Mitgeschäftsführer Thomas Stoffels (33, rechts) aus Leipzig & Mitgeschäftsführer Matthias Tholey (32, links) aus Dresden das soziale Food-Start-up The Nu Company gGmbH in Leipzig. Für jeden verkauften nucao-Riegel soll Projektpartner Eden Reforestation Projects in Madagaskar einen selbstgezogenen Mangrovensetzling auspflanzen © Pressefoto The Nu Company gGmbH

Geschäftsführer Christian Fenner (30, mitte) aus Dresden absolvierte seinen Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen an der RWTH Aachen und gründete 2016 mit seinen Studienkollegen und Freunden Mitgeschäftsführer Thomas Stoffels (33, rechts) aus Leipzig & Mitgeschäftsführer Matthias Tholey (32, links) aus Dresden das soziale Food-Start-up The Nu Company gGmbH in Leipzig. Für jeden verkauften nucao-Riegel soll Projektpartner Eden Reforestation Projects in Madagaskar einen selbstgezogenen Mangrovensetzling auspflanzen © Pressefoto The Nu Company gGmbH

Mit den Eden Reforestations Projects arbeitet auch der 2016 gegründete Leipziger Schokoladenhersteller The Nu Company gmbH zusammen. Mehrheitseigner (76,09 Prozent) ist die Eden Foundation in Vaduz im Fürstentum Liechtenstein.

„Zartschmelzend statt polschmelzend!“, so das Verkaufsmotto für den veganen nucao Pinguin-Weihnachtsmann ganz ohne Milch, denn „die Herstellung von einem Liter Kuhmilch hat im globalen Durchschnitt eine Klimawirkung wie zirka 2,4 kg Kohlendioxid“, so The Nu Company gGmbH. Und weiter: „Mit nucao Snowy denkst du auch an unseren Planeten und zukünftige Generationen. Denn jeder verkaufte Snowy pflanzt einen Baum.“ © The Nu Company gGmbH

„Zartschmelzend statt polschmelzend!“, so das Verkaufsmotto für den veganen nucao Pinguin-Weihnachtsmann ganz ohne Milch, denn „die Herstellung von einem Liter Kuhmilch hat im globalen Durchschnitt eine Klimawirkung wie zirka 2,4 kg Kohlendioxid“, so The Nu Company gGmbH. Und weiter: „Mit nucao Snowy denkst du auch an unseren Planeten und zukünftige Generationen. Denn jeder verkaufte Snowy pflanzt einen Baum.“ © The Nu Company gGmbH

Jeder zum Beispiel bei REWE oder dm verkaufte vegane nucao-Pinguin-Weihnachtsmann Snowy mit Bio-Hanfsamen und Kokosblütenzucker (100 Gramm Snowy kosten 6,61 Euro) finanziert mit 0,10 US-Dollar (rund 9 Cent Euro) jeweils einen Mangroven-Setzling in Madagaskar.

Das große Ziel für The Nu Company bis 2030: eine Milliarde Bäume gepflanzt zu haben. Mit dem im Herbst 2020 erzielten Investment in Höhe von 3,7 Millionen Euro von Lead Investor ForestFinance, Formel-1-Weltmeister und Nachhaltigkeitsunternehmer Nico Rosberg, Develey-Geschäftsführer Michael Durach und vom Linzer VC  Square One Foods scheint der Weg bis dorthin, zumindest ­finanziell schon einmal gesichert zu sein.

Doch die Setzlinge fürs Klima sind umstritten

„Endlich mal was Praktisches“, sagte der damalige Bundespräsident Joachim Gauck (81, 2. von rechts, parteiloser evangelisch-lutherischer Pastor aus Rostock, Bundespräsident von 2005 bis 2017), als ihm und seiner fränkischen Freundin Daniela Schadt (61, 2. Von links, Journalistin) der atmosfair-Gründer Dr. Dietrich Brockhagen (54, links) aus Berlin und Projektmanagerin Julia Hoffmann (rechts) auf der Woche der Umwelt im Juni 2016 auf Schloss Bellevue den Save80 vorstellten. Das ist ein rauchvermindernder Mittagessen-Ofen, der von der gemeinnützigen Klimaorganisation atmosfair gGmbH aus Berlin Kreuzberg mitentwickelte wurde und in Ruanda massenhaft zum Einsatz kommt © Newsletter-Foto atmosfair gGmbH

„Endlich mal was Praktisches“, sagte der damalige Bundespräsident Joachim Gauck (81, Zweiter von rechts, parteiloser evangelisch-lutherischer Pastor aus Rostock, Bundespräsident von 2005 bis 2017), als ihm und seiner fränkischen Freundin Daniela Schadt (61, Zweite von links, Journalistin) der atmosfair-Gründer Dr. Dietrich Brockhagen (54, links) aus Berlin und Projektmanagerin Julia Hoffmann (rechts) auf der Woche der Umwelt im Juni 2016 auf Schloss Bellevue den Save80 vorstellten. Das ist ein rauchvermindernder Mittagessen-Ofen, der von der gemeinnützigen Klimaorganisation atmosfair gGmbH aus Berlin Kreuzberg mitentwickelte wurde und in Ruanda massenhaft zum Einsatz kommt © Newsletter-Foto atmosfair gGmbH

Die Klimaschützer von “Atmosfair” aus Berlin Kreuzberg haben sich gegen Baumprojekte entschieden.

Bei dieser gemeinnützigen Klimaschutzorganisation, die 2005 gegründet wurde und im letzten Geschäftsbericht für das Jahr 2019 ein Barguthaben von rund 11,4 Millionen Euro ausweist, kann man nur Projekte unterstützen, bei denen das angegebene CO2 bereits eingespart wurde, etwa durch den Umstieg auf erneuerbare Energien.

Der atmosfair-Gründer und Geschäftsführer Dr. Dietrich Brockhagen (54) aus Berlin sagte dem ARD-Magazin Panorama in der Sendung vom 11. November 2021: „Selbst wenn Sie alle freien Flächen auf dem Planeten heute mit Bäumen bepflanzen würden, dann würde uns das vielleicht 20 Prozent des Klimaproblems lösen. Aber dafür müssten die Bäume dann auch bis zum Ende des Jahrhunderts stehen.“

Schokolade für Bäume: Niemand könne garantieren, dass die Bäume 50 Jahre stehen bleiben

Dr. Brockhagen weiter: „Und das ist das Problem. Bäume pflanzen ist gut, aber nicht für den CO2-Ausgleich, weil eben sichergestellt sein müsste, dass der Baum dann auch mindestens 50, eigentlich noch viel mehr Jahre stehen bleibt. Und das kann niemand garantieren!“

Stürme, Schädlinge, Brände vernichten regelmäßig Wald

Bei den verheerenden Bränden an der US-Westküste im Sommer 2020 brannte so unter anderem ein Waldstück ab, dessen Bäume zuvor extra zum Ausgleich von CO2-Emissionen verkauft worden waren. Der Großteil des in den Bäumen gebundenen Kohlenstoffs: zurück in der Atmosphäre. CO2-Ausgleich – gescheitert!

Von der Pflanz-Organisation Eden heißt es zu diesen Gefahren:

Mangroven seien ein guter Kohlenstoffspeicher. Man spreche aber keine Garantien für das langfristige Überleben der Bäume aus, dafür gäbe es zu viele unkontrollierbare Einflüsse.

Warum werben Unternehmen trotzdem mit CO2-Ausgleich durch gepflanzte Bäume?

The Nu Company schreibt in einer Stellungnahme am 12. November 2021 in ihrem firmeneigenen Blog: „Weder wir, noch Eden ‚verkaufen‘ Emissionszertifikate. Dennoch ist der Fakt gegeben, dass die Pflanzung von Mangroven zu einer CO2-Bindung beiträgt und wir dadurch, sofern alle Bäume überleben, in den nächsten 25 Jahren 2,74 Milliarden Tonnen CO2 binden können (also 27 x mehr, als die Riegel verursachen). Genau deswegen werden wir auch weiterhin Bäume pflanzen.“ (FM)