Sylt ist ein Millionenmarkt. Jedes Haus, jedes Stück Land verspricht, den Verkäufer reich zu machen.

Sylt ist die einzige deutsche Nordsee-Insel mit Landzugang
Sylt ist die einzige deutsche Nordsee-Insel mit Landzugang

Sylt, die wohl liebste Nordsee-Insel der Deutschen, ist auch ein Konsumgigant. Wer denkt, dass davon nur Hotels und Restaurants profitieren, der hat sich geirrt. Die wahren Profiteure des Konsumgiganten Sylt – die kennt kaum jemand.

► Es ist zum Beispiel ein Immobilienmakler, der an Prominente verkauft. Der kassiert bis zu 245.000 Euro Provision pro verkauftes Haus.

► Oder: Ein Rolls Royce-Händler verkauft im Hafen von Hörnum vor einem Luxushotel im Sommer Autos wie warme Semmeln.

► Oder: Ein ehemaliger Zirkusangestellter hat es bis zum Butler der Milliardäre geschafft.

► Und eine Spezialfirma pumpte allein im letzten Jahr für 13,8 Millionen Euro Sand an Sylts Strände, damit die Insel nicht kleiner wird. Der Auftrag wird alle vier Jahre EU-weit neu ausgeschrieben. Der jetzige gilt bis einschließlich 2024.

Sandaufspülungen auf Sylt © O.Martens/Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH)
Sandaufspülungen auf Sylt © O.Martens/Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH)

Das Meer holt sich jedes Jahr von Sylt einen Meter Strand. Sylt würde so eines Tages von der Bildfläche verschwinden, wenn nicht Sand aus dem Meer geholt und an Land gespült wird, wie das Berlin Journal berichtete. Die Hälfte zahlt die EU, die andere Hälfte der deutsche Staat.

Aber warum wurde ausgerechnet Sylt so berühmt?

Um 1800 ist es noch eine sehr arme, einsame Fischerinsel. 100 Jahre später wird Sylt Luftkurort. Und schnell beliebter Ferienort einer kleinen Oberschicht. 1920 erregt Sylt Aufsehen. Auf der Insel wird der erste Nacktbadestrand Deutschlands eröffnet. Den größten Touristeneffekt aber hat der Bau des Hindenburgdamms. Als einzige Nordseeinsel ist Sylt ohne Schiff erreichbar. Die Einheimischen bauen ihre Häuser zu Ferienwohnungen um und verdienen so viel Geld. In den 1960er Jahren feiern Prominente wie Gunter Sachs an den Nacktstränden wilde Partys. Sylt ist immer wieder in den Schlagzeilen. Sylt hat rund 15.000 Einwohner. Aber rund 150.000 Touristen. Ein wahrer Konsumgigant.

Noch ein Beispiel: Jets als Flugtaxis statt nur Inselrundflüge

Während der Linienflug Hamburg – Westerland erst wieder ab 21. April 2022 aufgenommen wird (Tickets können ab 21. Februar 2022 gebucht werden), sind Charterflüge im Privatjet auch in Coronazeiten jederzeit möglich. Destinationsbeispiele: London – Paris – Genf – Nizza – Mallorca – Ibiza – Amsterdam – Madrid und viele mehr © Syltair.de/Charter
Während der Linienflug Hamburg – Westerland erst wieder ab 21. April 2022 aufgenommen wird (Tickets können ab 21. Februar 2022 gebucht werden), sind Charterflüge im Privatjet auch in Coronazeiten jederzeit möglich. Destinationsbeispiele: London – Paris – Genf – Nizza – Mallorca – Ibiza – Amsterdam – Madrid und viele mehr © Syltair.de/Charter

Die Suche nach den Profiteuren der Insel führte GALILEO-Autor Juris Lempfert im August 2018 zum Flughafen in der Mitte der Insel. Die 1994 gegründete Firma Sylt Air GmbH im Ortsteil Tinnum unter Leitung des Alleininhabers und Piloten Peter Siemiatkowski (66) aus Westerland war früher eine beschauliche kleine Fluggesellschaft, die Rundflüge über die 99 Quadratkilometer große Insel im Wattenmeer anbot.

Bis der heutige Co-Geschäftsführer Stephan Werner Stritter (53) aus Schleswig im April 2015 für die folgenden sechs Jahre die alleinige Geschäftsführung übernahm. Der ehemalige Bundeswehrpilot merkt schnell: Die wohlhabenden Touristen wollen eigentlich etwas anderes. Privatjets, um schnell auf die Insel und wieder zurück nach Hause zu kommen. Sie sind dafür auch bereit, etwas mehr Geld zu bezahlen.

Stritter sagte 2018: „Nach München kostet dieser Jet 8.100 Euro inklusive Mehrwertsteuer.“ Eine deutsche Familie hatte sich kurz zuvor mit dem Jet aus Monaco abholen lassen. Zum Mittagessen mit Freunden auf Sylt. Nachmittags ging es wieder zurück.

14.500 Euro für einen kranken Straßenhund aus Spanien

Oder ein anderer Auftrag, so Stritter: „Einen verletzten Hund von Mallorca nach Sylt fliegen. Ein Straßenhund, der von einer Sylterin dort aufgenommen wurde. Und dann zur Operation nach Deutschland gebracht wurde, weil es hier besser war. Und den haben wir dann geflogen.“ 14.500 Euro hat das Ticket für den Hund gekostet. Geld spielt kaum eine Rolle. Praktisch keiner versucht, beim Preis zu handeln. Die meisten Kunden nutzen die Jets wie Taxis. Stephan Stritter hat den Umsatz von Sylt Air damit um 300 Prozent gesteigert. Clever gemacht. Jets als Flugtaxis statt nur Inselrundflüge ab aktuell 300 Euro die halbe Stunde. Sylt Air ist definitiv ein großer und überraschender Profiteur des Konsumgiganten Sylt.

Aber es geht noch größer
Kampen: Gerade für 4,68 Millionen Euro verkauft - Doppelhaushälfte mit Einzelhauscharakter unter Reet im Dorfkern von Kampen, 4-Zimmer mit Kamin und Sauna auf 150 Quadratmeter Wohnfläche mit 550 Quadratmeter Grundstück Maus-Sylt.de
Kampen: Gerade für 4,68 Millionen Euro verkauft – Doppelhaushälfte mit Einzelhauscharakter unter Reet im Dorfkern von Kampen, 4-Zimmer mit Kamin und Sauna auf 150 Quadratmetern Wohnfläche mit 550 Quadratmeter Grundstück © Maus-Sylt.de

In Kampen. Das ist eine kleine Ortschaft nördlich von Westerland. Allerdings nicht irgendeine Ortschaft. Kampen gilt als teuerstes Dorf Deutschlands. Ein beliebter Spaß bei Touristen ist hier das Porsche-Zählen. Egal wo. Einmal im Karree fahren macht ungefähr 10 Porsche. Oder, wie sie hier genannt werden, die Volkswagen von Sylt. Aber nicht nur die Autos sind hier teuer, sondern vor allem die Häuser.

Ralph Justus Maus (69) aus Kampen gehört zu den Top-Maklern auf Sylt © maus-sylt.de
Ralph Justus Maus (69) aus Kampen gehört zu den Top-Maklern auf Sylt © maus-sylt.de

Der ehemalige Inneneinrichter Ralph Justus Maus (69) aus Kampen hat früh ein Geschäft gewittert. Er hat sich vor mehr als 33 Jahren auf Immobilien in Kampen, Keitum und List spezialisiert.

Maus hat eine Villa an den FC Liverpool-Cheftrainer Jürgen Klopp (54, wohnt zur Zeit im Liverpool-Vorort Formby mietfrei in einem Haus des FC Liverpool und ist seit 2016 auch Gesicht der TV-Kampagnen der Deutschen Vermögensberatung AG, DVAG, aus Frankfurt am Main) verkauft. Aber auch Villen an Verleger und Milliardäre.

Diesmal will er etwas Kleineres in Kampen zeigen. Maus: „Also ich zeige Ihnen eine superschöne ausgebaute Doppelhaushälfte. Bauursprung 1980er Jahre. Der Preis liegt in der Region von 6 Millionen Euro.“ Der Grund für diesen Preis ist ganz einfach: Solche Häuser in Spitzenlagen gibt es auf Sylt nicht viele. Damit der Charakter als Naturinsel erhalten bleibt, wird auch kein neues Bauland ausgewiesen. So entstehen die für normale Menschen als ungeheuer teuer empfundenen Preise. Für Luxusmakler sind sie jedoch völlig normal.

List Westerheide: Einzelhaus unter Reet mit 4 Zimmern und Sauna unter Reet, Baujahr 2017, wurde gerade für 6,85 Millionen Euro plus Courtage von 3,57 Prozent inklusive Mehrwertsteuer verkauft © maus-sylt.de
List Westerheide: Einzelhaus unter Reet mit 4 Zimmern und Sauna unter Reet, Baujahr 2017, wurde gerade für 6,85 Millionen Euro plus Courtage von 3,57 Prozent inklusive Mehrwertsteuer verkauft © maus-sylt.de

Maus: „Die Top-Immobilien sind vergleichsweise noch günstig. Im Vergleich zu Top-Immobilien eben an der Côte d’Azur, Sardinien oder sonst wo. Also teuer, kann ich nicht finden.“

Und die größten Profiteure? Für den Immobilienmakler ganz klar: die Sylter selbst

Für die kam die plötzliche Nachfrage der Millionäre und Milliardäre nämlich überraschend. Die Häuser am Meer waren eigentlich die unbeliebtesten der ganzen Insel. Maus: „Das hat sich erst in den 1960ern, 1970ern entwickelt. Früher hieß es: Was soll ich mit dem grauen Watt? Ist alles dunkel. Keine Straßenbeleuchtung. Winter. Himmel grau. Watt grau. Das haben die Eltern mal für 500.000 Mark gekauft oder so. Das ist heute 20 Millionen Euro wert.“

Makler Maus hat vor seinem Büro in Kampen im Wattweg 1 einen Minigolfplatz für Freunde und Kunden anlegen lassen. Etwa 150 Immobilienvermittler kämpfen auf Sylt um Kunden. Für ungefähr 700 Millionen Euro werden hier jährlich Immobilien verkauft. Macht bei einer Provision von 3,57 Prozent inklusive Mehrwertsteuer rund 25 Millionen Euro Provision für die Makler pro Jahr.

Butler John
Butler John und Assistentin Helga Hansen am 1. Juli 2010 bei einem Champagnerempfang am Strand von Kampen im Gespräch mit der Juwelierin Christel Heilmann (75) aus Mettmann-Metzkausen bei Düsseldorf. Christel Heilmanns Düsseldorfer Freundinnen hatten die Überraschungs-Geburtstagsparty zum 64. Geburtstag von Christel Heilmann mit Butler John geplant © vivasylt.com/aktuelles
Butler John und Assistentin Helga Hansen am 1. Juli 2010 bei einem Champagnerempfang am Strand von Kampen im Gespräch mit der Juwelierin Christel Heilmann (heute 75) aus Mettmann-Metzkausen bei Düsseldorf. Christel Heilmanns Düsseldorfer Freundinnen hatten die Überraschungs-Geburtstagsparty zum 64. Geburtstag von Christel Heilmann mit Butler John geplant © vivasylt.com/aktuelles

Es gibt aber noch überraschendere Profiteure des Konsumgiganten Sylt. John Weber in Kampen. Der ehemalige Zirkusmitarbeiter ist hier bekannt als Butler John. Eine seiner Aufgaben: Empfangschef beim jährlichen Sylter Krebsessen im Kaamp-Hüs. Eine Kultveranstaltung für die Reichen und Prominenten. Vor 50 Jahren hat John Weber mit Gelegenheitsjobs auf Sylt angefangen, war dann kurz echter Butler bei einem Bankier und schließlich Mädchen für alles bei den Millionären und Milliardären Sylts. Seit 2018 ist er offiziell im Ruhestand. Aber so ganz will er sich noch nicht verabschieden aus dieser Millionärswelt. Abends betreut er sie. Und morgens bringt er ihnen die Brötchen.

John Weber: „Die rufen mich an. John, wir kommen morgen, und wir hätten gerne die und die Brötchen.“ Brötchen, Zeitungen, Kopfschmerztabletten. Butler John bringt, was die Herrschaften bestellen. Allerdings ist die Tour nach ein paar Tüten schon wieder vorbei. Wirklich viel hat er nicht zu tun. Und das hat seinen Grund. Die meisten Anwesen scheinen leer.

John Weber weiß: Die meisten Besitzer nutzen die Millionen-Villen als Ferienhäuser

Für vielleicht 2 bis 3 Wochen im Jahr. Manchmal nur ein Wochenende. John Weber: „Und ich weiß, dass von diesen 300 Wohneinheiten in diesen beiden Ortschaften nur 2 Häuser bewohnt sind. Es gibt sogar, in denen alles, was drin ist, das wird, wenn die Herrschaften wegfahren, ausgeräumt, bis auf den letzten Nagel leer. Und wenn die Herrschaften wiederkommen wollen, neu eingerichtet.“ Es klingt verrückt. Aber gerade, weil die Besitzer nie da sind, brauchen sie eine große Zahl von Menschen, die sich um die Häuser kümmern. Baufirmen, die Schäden ausbessern. Und Sicherheitsfirmen, die mit aufwendigen Alarmsystemen die leeren Häuser bewachen.

Und, so Butler John: „Jeden Tag über 1.000 Gärtner, die vom Festland auf die Insel kommen, um diese Gartenanlagen zu pflegen. Umso verrückter, ausgefallener und teurer solche Sachen sind, umso mehr Menschen leben ja davon.“

Die Millionärsvillen. Die meiste Zeit des Jahres leer wie eine Filmkulisse. Aber Tausende arbeiten drum herum und profitieren davon. Es gibt aber einen letzten sehr überraschenden Gewinner in Hörnum.

Michael Gleissner ist eigentlich Rolls Royce-Händler in Köln
Michael Gleissner aus Köln erhielt mehrmals von der Edelmanufaktur Rolls Royce aus Goodwood einen "Global Dealer Award" © Foto: Procar Automobile GmbH & Co. KG
Michael Gleissner aus Köln erhielt mehrmals von der Edelmanufaktur Rolls Royce aus Goodwood einen „Global Dealer Award“ ©  Procar Automobile GmbH & Co. KG

Aber seine Netzwerkveranstaltungen auf Sylt sind legendär: Jahr für Jahr lädt er seine Freunde und Kooperationspartner nach Sylt ein. Letztes Jahr im Juli zusammen mit seinem hochkarätigen Kooperationspartner Rolls-Royce Motor Cars Berlin und dem Star der Luxusmarke, dem neuen GHOST.

Der Grund: Seine Kunden machen meist hier auf Sylt ihren Urlaub

Gleissner: „Sylt ist eine Sache, wo wir sagen, das bringt uns sehr, sehr viel. Weil wir sehr engen Kontakt haben zum Kunden. Eine sehr schöne persönliche Bindung zum Kunden aufbauen können, was ja für unseren Verkauf oder für die Beziehung zu Kunden sehr wichtig ist.“

Auf Sylt sind die Kunden plötzlich raus aus dem Arbeitsstress. Essen edel, genießen die Sonne und kommen in Urlaubsstimmung. Gleissner: „Und hier regieren einfach nur noch Emotionen. Und die bewirtschaften wir, um das einfach mal so zu sagen. Und was ein riesengroßer Vorteil ist: Wenn ich das in der Kölner Innenstadt am Ring machen würde, hätten wir natürlich ein Publikum mit Handys drum rum. Die Kunden können sich auf der Insel frei bewegen.“

Gleissner ist mit einem Kunden verabredet, einem Selfmade-Millionär aus Aachen. Der durchschnittliche Rolls Royce-Fahrer besitzt normalerweise mehrere Fahrzeuge. Für diesen Kunden ist er nur eines von vielen Autos. Der Kunde erklärt: „Ich habe einen sehr schönen Rolls Royce Corniche IV. Das Fahrzeug nehme ich immer gerne zu einer Geburtstagsausfahrt. So wird das Auto praktisch nur einmal im Jahr, aber immer am Geburtstag, bewegt. Und da wird immer zum gleichen Restaurant gefahren. Da freut man sich dann immer drauf, weil es irgendwie einen kleinen Kultstatus hat.“

Den Rolls Royce für eine Fahrt pro Jahr

Gleissner weiß, dass der Kunde Sportwagen mag. Also hat er eine Probefahrt im Sportlichsten der Modelle organisiert. Und zusätzlich ein kleines Rahmenprogramm. Erste Überraschung. Gleissner hat einen Hubschrauber vom Festland kommen lassen. Für einen Flug über die Insel. Das Probefahrt-Event hat er genau durchdacht. Andere Kunden lässt Gleissner von Sterne-Köchen privat bekochen. Für wieder andere den gesamten Nürburgring sperren für ein privates Autorennen. Gleissner: „Wir machen sehr persönliche Auftritte. Und die kriegen wir ja raus, weil wir den Kunden vorher ein bisschen testen. Wir wissen ungefähr, wo seine Vorlieben sind, was er gerne hat.“

Der Grund für den ganzen Aufwand: Rolls Royce-Kunden kaufen oft impulsiv. Es geht also darum, dass der Kunde das Auto zu jeder Zeit in einer für ihn positiven emotionalen Umgebung erlebt.

In 2 Wochen auf Sylt verkauft Gleissner so viele Fahrzeuge wie sonst in 2 Monaten

Sein Konzept funktioniert. Der Aachener Millionär bestätigt: „Wenn man mit diesen Autos eigentlich ohne Kaufabsicht unterwegs ist, dann gefällt einem das ein oder andere Auto oder die Ausstattung besonders gut, so dass man vielleicht ins Nachdenken kommt, den Fahrzeugpark auszutauschen oder ein Fahrzeug zu wechseln.“

Ausgerechnet auf einer Insel, wo die längste Strecke gerade mal 40 Kilometer misst, macht der Autohändler das Geschäft des Jahres.

Der schillerndste Autoverkäufer Deutschlands war sein Mentor

Begonnen hat er seine Karriere als Großhandelskaufmann bei BMW. Mit 27 eröffnete er die Kölner Dependance des berühmten Düsseldorfer Autohändlers Becker. Auto Becker galt als Institution, die deutsche Prominenz kaufte sich dort ihre Luxusschlitten. „Wenn der damalige US-Präsident Bill Clinton auf Staatsbesuch war, schaute er auch bei Becker vorbei“, erzählt Gleissner dem SPIEGEL.

„Helmut Becker“, sagt Gleissner, „war mein Mentor.“

Die erste Lehre aus Gleissners Jahren bei Becker: „Du musst die richtigen Typen zusammenbringen.“

Gleissner lädt seine Kunden zu Events in Jet-Set-Hochburgen wie St. Moritz und Mallorca, „Sylt bewirtschafte ich seit 1998“. Er reserviert mit einem Anruf ein paar Runden auf dem Nürburgring und lässt als Beifahrer den ehemaligen Formel-1-Piloten Adrian Sutil einfliegen. Das Besondere bei diesen Veranstaltungen sind für die Teilnehmer aber nicht die exklusiven Orte, sondern die anderen Teilnehmer. „Ich biete ein Netzwerk“, sagt Gleissner. Die Botschaft dahinter: Manche Ziele im Leben erreicht man nur in einem Rolls-Royce.

Ein Rolls-Royce zielt auf maximale Außenwirkung. Die Autos sind das Statussymbol schlechthin. Die Idee hinter einem Rolls-Royce ist nicht Diskretion, sondern Repräsentation.

„Sylt, direkt am Dünenkamm, wo das Meer die Sinne berauscht und Raum zum Entspannen und Genießen bietet“, so Michael Gleissner, „ist der ideale Ort für unsere Präsentation. Das Wechselspiel von Meer, Wind und herber Landschaft macht diese Insel unwiderstehlich.“

Gibt es einen gesellschaftlichen Wandel?

Ja. taz-Autor Dirk Knipphals, Sohn eines Kieler Rechtsanwalts, der selbst auf Sylt gelebt hat, schätzte dazu vor wenigen Tagen ein: „Tatsächlich hat sich in dem halben Jahrhundert, das ich Sylt jetzt kenne, vieles verändert, das meiste eigentlich.“

Knipphals weiter: „Das Freizeitverhalten war noch ganz anders als heute. Den Fun-Fitness-Mix aus Yoga am Strand, Aperol-Sundowner mit Meeresblick und Windsurfingkurs gab es noch nicht. Und das freie WLAN am Strand, das heutzutage auch ein Homeoffice im Strandkorb ermöglichen würde, natürlich erst recht nicht. Damals brachte man sich noch Stullen und in den Urlaubswohnungen selbst gekochten Milchreis mit an den Strand. Heute snackt man zwischendurch ­Crepes mit Schafskäse, Rucola und Honig­senf. Damals wäre niemand auf die Idee gekommen, die Promenade entlangzujoggen. Heute dominiert auch in den Restaurants die Funktionskleidung.“ Schlussendlich ist es dann doch das Meer, das Sylt ausmacht und etliche profitieren lässt. (FM)