Banken, Börsen und Fintechs bauen eine neue Infrastruktur für digitale Vermögenswerte auf.  Noch vor wenigen Jahren klang Tokenisierung nach Kryptowährungen, Start-ups und Experimenten. 2026 sieht das Bild deutlich anders aus. Zentralbanken, regulierte Handelsplätze, Banken und institutionelle Investoren arbeiten daran, klassische Finanzinstrumente auf Distributed-Ledger-Infrastrukturen abzubilden. Aktien, Anleihen und Fonds verschwinden damit nicht – verändert werden vor allem die technischen Wege, über die sie ausgegeben, gehandelt und abgewickelt werden.

„Entscheidend ist nicht, ob ein Wertpapier digital wird. Entscheidend ist, ob Emission, Handel und Abwicklung dadurch tatsächlich einfacher werden.“ Business-Leaders Research Team

Wie weit diese Entwicklung inzwischen reicht, zeigte sich am 21. September 2026 besonders deutlich: Das Eurosystem startete mit Pontes eine Infrastruktur zur Abwicklung tokenisierter Vermögenswerte in Zentralbankgeld. Gleichzeitig kündigte die Europäische Zentralbank an, einen kleinen Teil ihrer eigenen Mittel künftig selbst in tokenisierte Wertpapiere investieren zu wollen. Der Schwerpunkt soll zunächst auf öffentlichen und supranationalen Euro-Wertpapieren liegen. Tokenisierung kommt damit dort an, wo Finanzinnovationen den entscheidenden Test bestehen müssen: im regulierten institutionellen Kapitalmarkt.

Tokenisierung 2026 – Das Wichtigste im Überblick:

  • Wertpapiere werden digital abgebildet
    Regulierte Infrastruktur entsteht
    Zentralbanken werden unmittelbar eingebunden
    Settlement kann schneller werden
    Institutionelle Anwendungen werden konkreter
    Blockchain ersetzt keine Bonitätsprüfung

Tokenisierung ist mehr als Krypto

Der Begriff wird häufig zu breit verwendet. Tokenisierung bedeutet zunächst, dass Rechte oder Vermögenswerte digital dargestellt und über eine Distributed-Ledger-Technologie verwaltet werden. Bei einem tokenisierten Wertpapier kann etwa eine Aktie, eine Anleihe oder ein Fondsanteil technisch als Token abgebildet werden.

Das ändert jedoch nicht automatisch den wirtschaftlichen Kern des Investments. Aus einer schwachen Anleihe wird durch eine Blockchain keine sichere Anleihe. Aus einem illiquiden Vermögenswert entsteht nicht allein deshalb ein liquider Markt, weil dieser tokenisiert wurde. Emittentenrisiko, wirtschaftliche Substanz, rechtliche Struktur und mögliche Verluste bleiben entscheidend.

Genau diese Trennung ist wichtig. Die derzeitige Entwicklung dreht sich weniger darum, klassische Geldanlagen durch „Krypto“ zu ersetzen. Vielmehr wird geprüft, ob Teile der bestehenden Kapitalmarktinfrastruktur auf DLT-Basis effizienter organisiert werden können. Auch die Schweizerische Bankiervereinigung spricht inzwischen davon, dass die Diskussion über Tokenisierung in eine neue Phase getreten sei und zunehmend die Tokenisierung klassischer Vermögenswerte in den Mittelpunkt rücke.

INFOBOX: Was bedeutet Tokenisierung?
Tokenisierung bezeichnet die digitale Darstellung eines Vermögenswertes oder Rechts durch einen Token. Dieser kann beispielsweise eine Aktie, eine Schuldverschreibung oder einen Fondsanteil repräsentieren. Welche Rechte tatsächlich bestehen, bestimmt nicht der Begriff „Token“, sondern die jeweilige rechtliche und vertragliche Ausgestaltung. Blockchain oder DLT bildet dabei die technische Infrastruktur.

Die Schweiz hat den rechtlichen Unterbau früh geschaffen

Für die Schweiz ist diese Entwicklung nicht neu. Das Schweizer DLT-Regelwerk trat bereits am 1. August 2021 vollständig in Kraft. Es schuf unter anderem rechtliche Grundlagen für sogenannte Registerwertrechte sowie eine eigene Bewilligungskategorie für DLT-Handelssysteme. Damit können Wertpapiere auf einer Distributed-Ledger-Infrastruktur ausgegeben und innerhalb eines regulierten Rahmens gehandelt werden.

Das klingt zunächst nach einer juristischen Detailfrage, ist für einen funktionierenden Kapitalmarkt aber zentral. Ein digitales Wertpapier braucht nicht nur eine Blockchain. Es muss geklärt sein, wem ein Recht gehört, wie dieses übertragen wird, was bei Insolvenz geschieht und unter welchen Voraussetzungen Handel und Abwicklung rechtlich verbindlich sind.

Die Blockchain ist deshalb nur ein Teil des Systems. Regulierung, Identifizierung der Marktteilnehmer, Geldwäscheprävention, Verwahrung, Zahlungsverkehr und Marktaufsicht bleiben bestehen.

INFOBOX: Was ist ein Registerwertrecht?
Das Schweizer Obligationenrecht ermöglicht mit dem Registerwertrecht Rechte, die aufgrund einer Vereinbarung in einem elektronischen Register eingetragen werden und grundsätzlich nur über dieses Register ausgeübt und übertragen werden können. Damit besteht eine gesetzliche Grundlage für bestimmte blockchainbasierte Wertpapiere. Bei BX Digital können entsprechende DLT-Effekten grundsätzlich für den regulierten Handel zugelassen werden.

BX Digital zeigt, wohin der Schweizer Markt geht

Ein konkretes Beispiel ist BX Digital. Die FINMA erteilte dem Unternehmen im März 2025 die erste Schweizer Bewilligung für ein DLT-Handelssystem; nach Erfüllung der Bedingungen wurde die Bewilligung im Mai 2025 rechtskräftig. Die Infrastruktur ist für den Handel und die Abwicklung tokenisierter Wertpapiere konzipiert.

Interessant ist dabei weniger das Etikett „Blockchain“ als die Verbindung mit dem traditionellen Finanzsystem. Vermögenswerte können über eine öffentliche Blockchain übertragen werden, während die Geldseite über Schweizer Franken und eine Verbindung zum Zahlungssystem der Schweizerischen Nationalbank abgewickelt wird. Die SNB bestätigt inzwischen, dass BX Digital einen entsprechenden RTGS-Link zum Swiss Interbank Clearing in der Produktionsumgebung nutzt.

Damit zeigt sich sehr konkret, worum es bei der nächsten Stufe der Tokenisierung geht: Die neue Technik soll nicht neben dem Finanzsystem stehen. Sie wird mit bestehender regulierter Infrastruktur verbunden.

INFOBOX: Was bedeutet Delivery versus Payment?
Delivery versus Payment – kurz DvP – bedeutet vereinfacht: Das Wertpapier wird nur übertragen, wenn gleichzeitig die dazugehörige Zahlung erfolgt. Dadurch soll verhindert werden, dass eine Partei bereits geliefert hat, während die Gegenleistung ausbleibt. Bei DLT-Systemen kann dieser Vorgang technisch eng miteinander verknüpft und teilweise automatisiert werden.

Die Nationalbanken beschäftigen sich längst damit

Auch die Schweizerische Nationalbank testet diese Entwicklung nicht mehr nur im Labor. Im Rahmen von Project Helvetia untersucht sie verschiedene Möglichkeiten zur Abwicklung tokenisierter Vermögenswerte in Zentralbankgeld. Dabei werden sowohl digitales Zentralbankgeld für Finanzinstitute als auch Verbindungen zwischen DLT-Infrastrukturen und dem bestehenden Schweizer Zahlungssystem untersucht. Das Projekt läuft nach aktuellen Angaben mindestens bis Juni 2028.

Noch deutlicher ist der Schritt, den das Eurosystem im September 2026 vollzogen hat. Pontes verbindet DLT-basierte Marktinfrastrukturen mit den TARGET-Diensten des Eurosystems und ermöglicht damit die Abwicklung tokenisierter Wholesale-Transaktionen in Zentralbankgeld. Zum Start waren unter anderem Banken wie Deutsche Bank, DekaBank, DZ Bank und Santander sowie Institutionen wie KfW und Europäische Investitionsbank eingebunden.

Die EZB geht sogar noch einen Schritt weiter. Sie bereitet eigene Investitionen in tokenisierte Wertpapiere vor, um Erfahrungen mit Handel, Settlement, Systemen und Portfoliomanagement zu sammeln. Das ist kein Beweis dafür, dass sich DLT flächendeckend durchsetzen wird. Es zeigt aber, dass die Technologie inzwischen auf einer Ebene erprobt wird, die mit den frühen Kryptoexperimenten kaum noch vergleichbar ist.

Europa baut parallel regulierte Handelsplätze auf

Auch innerhalb der Europäischen Union entstehen konkrete Marktstrukturen. Das europäische DLT Pilot Regime ermöglicht regulierten Finanzmarktinfrastrukturen, Wertpapiere unter bestimmten Voraussetzungen auf Distributed-Ledger-Systemen zu handeln und abzuwickeln.

Zu diesen Infrastrukturen gehört die Frankfurter 21X AG. Nach Angaben der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA erhielt 21X am 3. Dezember 2024 von der BaFin die Genehmigung als DLT Trading and Settlement System. Die Plattform ist inzwischen im operativen Betrieb. 21X ermöglicht innerhalb ihres regulatorischen Rahmens Ausgabe, Handel und Settlement tokenisierter Finanzinstrumente auf Blockchain-Infrastrukturen.

Im September 2026 wurde beispielsweise eine Kooperation bekanntgegeben, über die nativ tokenisierte Investmentfonds auf einen regulierten Sekundärmarkt gebracht werden sollen. Damit wird sichtbar, dass es längst nicht mehr nur um tokenisierte Einzelprojekte geht. Die Infrastruktur beginnt unterschiedliche Emittenten, Fonds und Marktteilnehmer miteinander zu verbinden.

Brick Towers als konkretes Praxisbeispiel

Wie diese neue Kapitalmarktinfrastruktur in der Praxis genutzt werden kann, zeigt Brick Towers. 21X gab im Juni 2025 bekannt, das Schweizer Unternehmen als Trading Participant in seine blockchainbasierte Handels- und Abwicklungsinfrastruktur aufgenommen zu haben. Damit erhielt Brick Towers Zugang zu einem regulierten Markt für tokenisierte Finanzinstrumente. Im Mittelpunkt steht dabei das Treasury Management: Nach Angaben von 21X sollen eigene Treasury-Reserven über tokenisierte Fondsinstrumente eingesetzt werden, zunächst mit Fokus auf US-Dollar-denominierte Geldmarktinstrumente.

Als Trading Participant kann Brick Towers über 21X tokenisierte Wertpapiere handeln. 21X nannte dabei unter anderem den damals auf der Plattform verfügbaren tokenisierten Geldmarktfonds USMO als Beispiel. Handel und Abwicklung erfolgen innerhalb der 21X-Infrastruktur on-chain und unter dem regulatorischen Rahmen des europäischen DLT Pilot Regime.

Das macht Brick Towers zu einem interessanten Praxisbeispiel für die Verbindung zwischen digitaler Asset-Welt und reguliertem Kapitalmarkt. Anders als bei vielen frühen Blockchain-Konzepten steht hier nicht die Entwicklung eines neuen Tokens im Mittelpunkt, sondern die Nutzung einer regulierten Infrastruktur für eine klassische Unternehmensaufgabe: die Verwaltung von Liquidität und Treasury-Reserven.

Für Brick Towers passt dieser Schritt auch zum eigenen technologischen Umfeld. Das Unternehmen hat seinen Sitz in Zug und ist im Schweizer UID-Register als aktive Aktiengesellschaft geführt. Gleichzeitig positioniert sich Brick Towers im Bereich digitaler Asset-Infrastrukturen und entwickelt mit urble eine Anwendung, die Blockchain-Technologie mit klassischen Spar- und Vermögenskonzepten verbinden soll.

Gerade die Verbindung zu 21X zeigt, wie sich die Grenzen zunehmend verschieben: Auf der einen Seite stehen Blockchain-Technologie und digitale Vermögenswerte, auf der anderen regulierter Wertpapierhandel, Fonds und institutionelles Treasury Management. In der Praxis wachsen diese bislang getrennten Bereiche immer stärker zusammen.

INFOBOX: Brick Towers und 21X

Trading Participant: Brick Towers wurde 2025 als Handelsteilnehmer auf der regulierten 21X-Infrastruktur aufgenommen.

Treasury Management: Vorgesehen ist die Nutzung tokenisierter Fondsinstrumente für eigene Treasury-Reserven.

Erster Schwerpunkt: US-Dollar-denominierte Geldmarktinstrumente.

Regulierter Markt: 21X betreibt ein DLT Trading and Settlement System innerhalb des europäischen DLT-Regimes.

On-chain-Abwicklung: Handel und Settlement der entsprechenden tokenisierten Wertpapiere erfolgen über die blockchainbasierte Infrastruktur von 21X.

Die Veröffentlichung nennt keine aktuellen Anlagevolumina oder Bestände von Brick Towers. Für die Einordnung als Praxisbeispiel ist das jedoch nicht entscheidend: Relevant ist der dokumentierte Zugang zu einer regulierten Infrastruktur für tokenisierte Finanzinstrumente.

Stablecoins spielen eine Rolle – sind aber etwas anderes

In der Diskussion werden tokenisierte Wertpapiere und Stablecoins häufig miteinander vermischt. Das ist sachlich falsch. Ein tokenisierter Fondsanteil oder eine tokenisierte Anleihe repräsentiert ein Finanzinstrument. Ein Stablecoin soll dagegen in der Regel einen stabilen Wert gegenüber einer Referenzwährung wie Dollar, Euro oder Franken abbilden.

Beide Welten können sich dennoch treffen. Für digitale Kapitalmärkte wird neben dem Wertpapier auch eine geeignete Geldseite benötigt. Dafür kommen je nach System unter anderem Zentralbankgeld, tokenisierte Bankeinlagen oder entsprechend regulierte Stablecoins infrage. Das Eurosystem beschreibt ausdrücklich ein Modell, in dem unterschiedliche Formen digitalen Geldes nebeneinander bestehen können.

Die Schweiz behandelt Stablecoins dabei keineswegs als regulatorisches Niemandsland. Die SNB bezeichnet sie 2026 im Schweizer Finanzsystem noch als Nischenphänomen, verweist aber gleichzeitig auf mögliche Risiken bei zunehmender Verbreitung und auf die Notwendigkeit international abgestimmter Regulierung.

INFOBOX: Stablecoin ist kein Wertpapier-Token
Stablecoin: digitaler Vermögenswert, dessen Wert meist an eine Währung gekoppelt werden soll.
Tokenisiertes Wertpapier: digitale Darstellung eines Finanzinstruments wie Aktie, Anleihe oder Fondsanteil.
Tokenisierte Einlage: digitale Abbildung einer Bankeinlage.
Wholesale CBDC: digitales Zentralbankgeld für Finanzinstitute.

Technisch können diese Instrumente ähnliche Infrastrukturen nutzen. Rechtlich und wirtschaftlich sind sie jedoch unterschiedlich.

Warum Institutionen überhaupt tokenisieren wollen

Der mögliche Nutzen liegt vor allem in den Abläufen hinter einem Wertpapier. Heute sind Emission, Handel, Clearing, Settlement, Verwahrung und Corporate Actions häufig auf verschiedene Systeme und Marktteilnehmer verteilt. Daten müssen abgeglichen und Transaktionen zwischen mehreren Stellen weitergereicht werden.

DLT kann einzelne dieser Schritte technisch enger miteinander verbinden. Smart Contracts können definierte Prozesse automatisieren. Handel und Settlement können näher zusammenrücken. Zahlungen und Wertpapierübertragungen lassen sich technisch miteinander verknüpfen. Genau deshalb beschäftigen sich inzwischen Börsen, Zentralbanken und große Finanzinstitute mit dieser Infrastruktur. Die Schweizerische Bankiervereinigung nennt unter anderem Effizienz, Automatisierung und perspektivisch längere Verfügbarkeitszeiten der Kapitalmärkte als mögliche Vorteile. Gleichzeitig weist sie auf offene Fragen bei Rechtssicherheit, Interoperabilität und Regulierung hin.

Der entscheidende Punkt ist das Wort möglich. Tokenisierung garantiert weder niedrigere Kosten noch höhere Liquidität. Ein schlecht konstruiertes digitales System bleibt ein schlechtes System – nur eben auf einer Blockchain.

Blockchain löst die klassischen Risiken nicht auf

Gerade weil sich die Technologie professionalisiert, sollte man sie nicht mystifizieren. Bei einer tokenisierten Unternehmensanleihe bleibt die Zahlungsfähigkeit des Emittenten entscheidend. Bei einem tokenisierten Fonds bleibt wichtig, in welche Vermögenswerte dieser investiert. Bei einem tokenisierten Sachwert bleibt entscheidend, ob der Sachwert existiert, wem er gehört und welche Ansprüche der Anleger tatsächlich besitzt.

Hinzu kommen neue technische und organisatorische Fragen:

  • Welche Blockchain wird verwendet?
  • Wie werden Wallets und private Schlüssel verwaltet?
  • Wie sicher sind Smart Contracts? Wie kommunizieren unterschiedliche Systeme miteinander?
  • Was passiert bei technischen Störungen oder wenn ein Marktteilnehmer ausfällt?

Tokenisierung beseitigt Risiken also nicht. Sie verändert einen Teil davon und kann zugleich neue schaffen.

Vom Kryptomarkt zur Kapitalmarktinfrastruktur

Gerade darin liegt die eigentliche Entwicklung des Jahres 2026. Tokenisierung wird erwachsen. Nicht weil jedes Wertpapier künftig zwangsläufig auf einer Blockchain liegen wird, sondern weil regulierte Institutionen inzwischen reale Infrastruktur dafür schaffen.

Die Schweiz verfügt über ein eigenes DLT-Regelwerk, die SNB arbeitet an der Abwicklung tokenisierter Vermögenswerte in Zentralbankgeld, BX Digital baut einen regulierten DLT-Markt auf. In der EU existieren mit dem DLT Pilot Regime regulierte Handels- und Abwicklungsmodelle wie 21X. Seit September 2026 stellt das Eurosystem mit Pontes eine Verbindung zum Zentralbankgeld bereit – und die EZB selbst will praktische Erfahrung als Investor in tokenisierten Wertpapieren sammeln.

Unternehmen wie Brick Towers stehen innerhalb dieser Entwicklung nicht für den gesamten Markt. Sie zeigen aber an einem konkreten Anwendungsfall, wie sich die Grenze zwischen Blockchain-Unternehmen und traditioneller Finanzinfrastruktur verschiebt.

Vielleicht ist das am Ende sogar der wichtigste Hinweis auf den Erfolg der Technologie: Je weiter Tokenisierung in den regulierten Finanzmarkt hineinwächst, desto weniger muss der Nutzer überhaupt noch merken, dass im Hintergrund eine Blockchain arbeitet.

Was ist ein tokenisiertes Wertpapier?

Ein tokenisiertes Wertpapier ist ein Finanzinstrument, dessen Rechte beziehungsweise Übertragung ganz oder teilweise über eine Distributed-Ledger- oder Blockchain-Infrastruktur abgebildet werden. Die konkrete rechtliche Wirkung hängt von der jeweiligen Rechtsordnung und Ausgestaltung ab.

Sind tokenisierte Wertpapiere Kryptowährungen?

Nicht automatisch. Ein Token kann ein klassisches Wertpapier wie eine Aktie, Anleihe oder einen Fondsanteil repräsentieren. Kryptowährungen wie Bitcoin besitzen eine andere wirtschaftliche und rechtliche Struktur.

Werden Wertpapierbörsen durch Blockchain überflüssig?

Dafür gibt es derzeit keine belastbare Grundlage. Vielmehr entstehen regulierte Handelsplätze, die Blockchain-Technologie in bestehende Kapitalmarktstrukturen integrieren. Wahrscheinlicher ist derzeit eine Verbindung beziehungsweise Koexistenz verschiedener Systeme als ein unmittelbarer vollständiger Ersatz.

Sind tokenisierte Investments sicherer?

Nicht allein aufgrund ihrer technischen Struktur. Kredit-, Markt-, Liquiditäts-, Emittenten- und Produktrisiken bleiben bestehen. Zusätzlich können technische Risiken etwa durch Smart Contracts, Wallets oder verwendete Netzwerke entstehen.

Welche Rolle spielt die Schweiz?

Die Schweiz verfügt seit 2021 über einen spezifischen DLT-Rechtsrahmen. Mit SDX, BX Digital und Project Helvetia existieren zudem konkrete Infrastrukturen und Projekte für tokenisierte Wertpapiere und deren Abwicklung.

Quellen

  • Europäische Zentralbank: Eurosystem brings central bank money to tokenised finance, 21.09.2026.
  • Europäische Zentralbank: ECB to invest part of own funds in tokenised securities, 21.09.2026.
  • Schweizerische Nationalbank: Project Helvetia, aktueller Projektstand.
  • Staatssekretariat für internationale Finanzfragen: DLT / Blockchain / Tokenisierung.
  • Schweizerische Bankiervereinigung: Mehr als digitales Geld: Wie Tokenisierung die Finanzmärkte verändert, 09.07.2026.
  • ESMA: Report on the functioning and review of the DLT Pilot Regime.
  • BX Digital: Informationen zu Bewilligung, Handel und Abwicklung von DLT-Effekten.
  • 21X: Brick Towers joins 21X as a trading participant for on-chain treasury management, 03.06.2025.
  • Schweizerische Nationalbank: Finanzstabilitätsbericht 2026, Stablecoins.

Abruf und redaktioneller Stand: 22. September 2026

Redaktioneller Hinweis

Der Beitrag beschreibt die Entwicklung tokenisierter Finanzmarktinfrastrukturen anhand öffentlich zugänglicher Informationen. Unternehmensangaben und Mitteilungen beteiligter Marktteilnehmer wurden, soweit möglich, mit Veröffentlichungen von Aufsichtsbehörden, Zentralbanken oder öffentlichen Stellen abgeglichen. Aussagen über zukünftige Entwicklungen sind nicht als Prognose zu verstehen.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Anlageempfehlung, Finanzanalyse, Rechts- oder Steuerberatung oder Aufforderung zum Erwerb oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder digitalen Vermögenswerten dar. Tokenisierung verändert nicht automatisch die wirtschaftlichen oder rechtlichen Risiken eines Investments. Maßgeblich sind stets die konkreten Vertragsbedingungen, Emissionsunterlagen, regulatorischen Rahmenbedingungen und die wirtschaftliche Situation des jeweiligen Emittenten.