Partizipationsscheine – öffnen sie Betrügern Tür & Tor?

Partizipationsscheine – öffnen sie Betrügern Tür & Tor? – © BiggiBe – Pixabay.de

So manch ein Investor schläft wie ein Baby, nachdem er Partizipationsscheine kaufte:

„Er wacht jede Stunde heulend auf!“

Natürlich sollen Partizipationsscheine hier nicht komplett verteufelt werden, aber man muss vorsichtig sein. Während der vergangenen Krisen haben viele Unternehmen auf Kapital aus Partizipationsscheinen zurückgegriffen, um zu überleben. Es tummeln sich aber auch viele schwarze Schafe. Die das Konzept gnadenlos ausnutzen. Der Blick fällt dabei oft Richtung Alpen in die Schweiz oder nach Österreich.

Was sind Partizipationsscheine?

Partizipationsscheine werden von einer Aktiengesellschaft (AG) ausgestellt und sind im Prinzip eine Aktie ohne Stimmrechte.  Das einzige Recht, das man erhält, ist ein Anrecht auf einen Teil von dem Gewinn des Unternehmens. Bei Partizipationsscheinen aus Österreich wird man sogar an den Verlusten beteiligt, wodurch das eingezahlte Kapital verschwindet und man sich fragt: „Ist jetzt wirklich all mein Geld weg?“ Keine Sorge, Nein! Das ist doch nicht weg. Es gehört jetzt nur jemand anderem!

Hier soll es aber um die Schweizer Partizipationsscheine gehen. Diese darf man wie Aktien wieder verkaufen, wenn man einen Käufer findet. Im Gegensatz zu Aktien gibt es dafür keinen öffentlichen Markt wie die Börse. Weil man die Scheine handeln darf, kann sich natürlich auch der Wert verändern, meistens zusammen mit der Bewertung oder der Bilanz von dem Emittenten. Erfinderreiche Betrüger finden Wege, um die Bewertung der Partizipationsscheine nach oben zu treiben. Selbst Banken und Handelshäuser können gute Preise für Partizipationsscheine angeben, da das meistens automatisch läuft und die genauen Hintergründe nur der Emittent selbst kennt.

So weit, so gut, so viele Möglichkeiten …

Der Ablauf

Eine Schweizer Aktiengesellschaft muss ausreichend Stammkapital für die Partizipationsscheine hinterlegen. Hinterlegt der Emittent beispielsweise 100.000 SFR, könnte dieser 10.000.000  Partizipationsscheine zu je einem Rappen herausgeben. Ein vertrauenswürdiger, verschwiegener, qualifizierter Berater kümmert sich um die bürokratischen Angelegenheiten bei einer Bank und richtet das entsprechende Konto für einen (eventuellen) Partizipations-Schein-Handel ein.

Mit einer bösen Absicht wäre das Ziel nun, mit so wenig Aufwand wie möglich die Bewertung der  Partizipationsscheine zu erhöhen. Die anfänglichen 100.000 SFR können sich so ganz schnell verdoppeln oder sogar verzehnfachen. Ein Investor sieht ein erfolgreiches Unternehmen und hätte zuvor für 100.000 SFR alle Partizipationsscheine kaufen können. Der Emittent verkauft auf einmal nur 10 %, anstatt 100 % um seine anfängliche Investition wieder herausbekommen. Mit einer guten Planung ein grandioses Geschäft.

Wo die Gier zupackt, sitzt der Verstand auf gepackten Koffern.

Oftmals werden die Schweizer Aktiengesellschaften nur gegründet, um Kapital einzusammeln. Der Rest ist nur eine hübsche Fassade und man sollte sich fragen, ob man sein Geld nicht lieber in Schnaps anlegen sollte, da gibt es garantierte 40 %!

In den vergangenen Jahren wurde wieder öfters auf Partizipationsscheine zurückgegriffen, da das Geld knapp war und Insolvenzen an die Tür klopften. Gerade junge oder familiäre Unternehmen wollen keine Kontrolle abgeben und setzen eher auf Partizipationsscheine zur Kapitalbeschaffung.

Seriöse Unternehmen und dem Finanzstandort Schweiz schadet das gierige Verhalten vereinzelter Emittenten. Wer es mit Partizipationsscheinen schafft ein kleines Vermögen aufzubauen, nachdem er ein Großes investiert hat, hält sich anschließend fern davon. Das System funktioniert trotzdem gut, weil viele Investoren in Risikobereiche wie Partizipationsscheine nur das Spielgeld investieren, also weniger als 5 % des gesamten Kapitals. Solange die restlichen 95 % wie ein guter Wein reifen, fallen die Verluste gar nicht auf.

Wenn du den Wert des Geldes kennenlernen willst, versuche dir welches zu leihen

… sagte Benjamin Franklin einst. Partizipationsscheine sind eine moderne Form von Krediten. Quasi ein Wettschein der Anleger, dass ein angeschlagener Emittent sich mit dem bereitgestellten Geld erholt und seine Wettschulden einlöst. Kommen wir zurück zu dem Beispiel einer Schweizer Aktiengesellschaft mit 100.000 SFR Stammkapital und 10 Mio. Partizipationsscheinen. Das Unternehmen hat Geld eingesammelt, um nach Schürfrechten in Afrika zu suchen, um Gold oder andere wertvolle Rohstoffe abzubauen. Hier müsste schon die erste Alarmglocke losgehen, denn wenn es wirklich etwas Wertvolles zu holen geben würde, dann würde auch eine Bank mit Freude einen Kredit gewähren.

Auf dem Papier erwirbt die AG dann Schürfrechte in einem schlecht kontrollierten Drittland. Die zuständige Behörde hat nach einer großzügigen Spende oder „höflichster Überzeugungsarbeit“ entsprechende Bescheinigungen und Dokumente schnell ausgestellt. Das Unternehmen kann darauf einen neuen Meilenstein verkünden. Das ganze Projekt nimmt Gestalt an und steigert den Wert des Unternehmens und damit auch der Partizipationsscheine.

Ein paar weitere positive Nachrichten über erworbene Grundstücke und „Bodenanalysen von Experten“ schafft weiteres Vertrauen und steigert den Wert weiter. Die Gier packt zu und der Verstand setzt aus. Schnell einsteigen, bevor die nächsten Freudenbotschaften kommen. Irgendwann verkauft das Unternehmen sogar das erste Gold oder andere Rohstoffe. Woher diese tatsächlich stammen ist nebensächlich, man muss die Anleger ja nur weiter bei Laune halten.

Wieso Partizipationsscheine und kein Kredit?

In schwierigen Situationen finden sich häufig Investoren, die lieber in eine Beteiligung investieren, anstatt einen Kredit zu einem festen Zinssatz zu gewähren. Geht die Wette in 4 von 5 Fällen auf, hat sich der Einsatz mehr als gelohnt. Für ein Unternehmen entsteht ein weiterer Vorteil, da sich durch  Partizipationsscheine das Eigenkapital erhöht und dadurch die Bonität steigt. Ein neuer Kredit kann dadurch erst wieder ermöglicht werden oder in vielen Fällen ist das Kreditvolumen deutlich höher.

Mehr Risiko für die Investoren, weniger Risiko für Unternehmen. Finanzberater in diesem Bereich sind immer Experten, am nächsten Tag kann er genau erklären, wieso die Dinge von gestern nicht funktioniert haben.

In dem Sinne …