Was erhofft sich der Finanzvertrieb von einer künftigen Bundesregierung? Erhalt der Freiheit und der Erhalt der Beratung scheinen, die wichtigsten Wünsche zu sein.

Dr. Sebastian Grabmaier (50) aus Grünwald, Vorstandsvorsitzender der Jung, DMS & Cie. AG aus München © Youtube Jung, DMS & Cie. AG

„Erhalt der Freiheit“: Dr. Sebastian Grabmaier (50) aus Grünwald, Vorstandsvorsitzender der Jung, DMS & Cie. AG aus München © Youtube Jung, DMS & Cie. AG

In einer Blitzumfrage unter den Köpfen der Branche des Hamburger Magazins Cash. reichten die Wünsche von „Erhalt der Freiheit“ (Dr. Sebastian Grabmaier, Jung, DMS & Cie. AG, München) über „Von branchenhinderlichen Regulierungen absehen“ (Norbert Porazik, Fonds Finanz Maklerservice GmbH, München) bis zum „Taping zurücknehmen“ (Georg Kornmayer, FONDSNET Vermögensberatung- und verwaltungs GmbH, Erftstadt bei Bonn).

Alle Unternehmen hoffen auf die Lobbyarbeit ihres Bundesverbandes Finanzdienstleistung AfW aus Berlin. Der ist beim Bundestag und beim Europaparlament akkreditiert.

Die drei AfW-Vorstände aus Berlin von links nach rechts: Finanzwirt Frank Rottenbacher (52), Anwalt und Finanzwirt Norman Wirth (52) und Diplomvolkswirt Matthias Wiegel (70) © AfW (Arbeitgeberverband der finanzdienstleistenden Wirtschaft), Bundesverband Finanzdienstleistung e. V. aus Berlin Charlottenburg (Kurfürstendmm 37), akkreditiert beim Deutschen Bundestag und EU-Parlament

Erhalt der Beratung: Die drei AfW-Vorstände aus Berlin von links nach rechts: Finanzwirt Frank Rottenbacher (52), Anwalt und Finanzwirt Norman Wirth (52) und Diplomvolkswirt Matthias Wiegel (70) © AfW (Arbeitgeberverband der finanzdienstleistenden Wirtschaft), Bundesverband Finanzdienstleistung e. V. aus Berlin Charlottenburg (Kurfürstendmm 37), akkreditiert beim Deutschen Bundestag und EU-Parlament

Der Lobbyist der Branche will sich laut seinem  Positionspapier zur Bundestagswahl vom 10. August 2021 bei einer künftigen Bundesregierung vor allem dafür einsetzen: „Beratungsfreie Produkte in der Altersvorsorge darf es nicht geben.“

Der Grund für diese Forderung sind die Wahlprogramme der drei großen Parteien zur Alterssicherung.

CDU/CSU, Grüne, SPD wollen ein „Standardvorsorgeprodukt“

Finanz-Szene aus Hamburg fand heraus:

  • Die CDU/CSU kündigt in ihrem Wahlprogramm „ein Standardvorsorgeprodukt“ an, „verpflichtend für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer“ und „ohne Abschlusskosten und mit möglichst niedrigen Verwaltungskosten“. Siehe Wahlprogramm (PDF, S. 65)
  • Die Grünen plädieren für einen verpflichtenden „öffentlich verwalteten Bürger*innenfonds“ an, breit gestreut und mit „geringen Verwaltungskosten“. Siehe Wahlprogramm (PDF, S. 115)
  • Die SPD fordert ein „neues standardisiertes Angebot “ nach „schwedischem Vorbild“, das „kostengünstig“ zu sein habe. Zudem sprechen sich die Sozialdemokraten für eine „Pflicht zur Vorsorge“ für all diejenigen aus, die noch keine Vorsorge betreiben. Siehe Wahlprogramm (PDF, S. 35)

Wir haben es hier mit jenen drei Parteien zu tun, die laut Umfragen auf etwa 2/3 aller Stimmen kommen könnten und von denen mindestens zwei der künftigen Regierungskoalition angehören dürften.

Regulierung statt Erhalt der Freiheit: Um Finanzdienstleistungsbranche „angst und bange“

Dr. Sebastian Grabmaier, Vorstandsvorsitzender der Jung, DMS & Cie. AG aus München, urteilt: „Wenn man sich die Wahlprogramme der großen Parteien genauer ansieht, kann es einem um die Finanzdienstleistungsbranche tatsächlich angst und bange werden.“

Erhalt der Freiheit bei Alterssicherung, Krankenversicherung und Immobilien

Sein Wunsch an die Politik: „Daher erhoffe ich mir von jeder künftigen Bundesregierung steuerlichen Weitblick und den Erhalt persönlicher Freiheit in Sachen Wahl der (privaten) Alterssicherung und praktikable Regelungen, um das bewährte Leistungsniveau der privaten Krankenversicherung aufrechtzuerhalten.

Auch im Immobilienbereich erhoffe ich mir Freiheit von staatlicher Regulierung über die Mietpreisbremse hinaus: Denn ich sehe nicht, wie mehr nötiger Wohnraum geschaffen werden soll, wenn gleichzeitig Mieten gedeckelt oder eingefroren werden. Denn wenn es sich nicht lohnt, werden Investoren – egal, ob Bauherren oder Anleger – schlicht nicht bauen oder renovieren.

Insofern ist mein größter Wunsch an die künftige Bundesregierung, dass in allen Finanz- und Versicherungsangelegenheiten die marktwirtschaftliche Vernunft überwiegt. Sonst könnte sich im Extremfall jeder zweite Vermittler aus dem Markt verabschieden (müssen).“

Wie sieht denn der Erhalt der Freiheit aus?

Dr. Grabmaier erläuterte gegenüber Cash. am 16. September 2012:Kunden sind mittlerweile in allen möglichen Bereichen des Lebens sehr online-affin. Genauso, wie sich Kunden im Internet Pizzen, Schuhe oder Musik auswählen und kaufen, wollen sie sich verstärkt auch über Absicherungs-, Vorsorge- oder Anlageprodukte online informieren und dort auch abschließen.“

Freie Wahl der Altersvorsorge oder Versicherung geht nicht ohne menschliche Analysten

Daher hat sich die bayerische Versicherungsplattform Jung, DMS & Cie. AG mit dem hessischen Analysehaus Morgen & Morgen GmbH aus Hofheim am Taunus komplettiert, wie Business Leaders berichtete.

Pascal Schiffels (39) aus Wiesbaden, Geschäftsführer des Analysehauses Morgen & Morgen GmbH aus Hofheim am Taunus © Morgen & Morgen GmbH

Pascal Schiffels (39) aus Wiesbaden, Geschäftsführer des Analysehauses Morgen & Morgen GmbH aus Hofheim am Taunus © Morgen & Morgen GmbH

Morgen & Morgen-Geschäftsführer Pascal Schiffels erklärte: „Unser Ziel ist es, jeden  zu  befähigen,  die  richtigen  Entscheidungen  in  Finanz-  und  Versicherungsfragen treffen zu können.“

Als einziger Anbieter im Markt verfügt das Analysehaus neben dem IT-Team über ein eigenes Team von Versicherungsmathematikern, welches sämtliche zu vergleichende Tarife im Markt überprüft und nachkalkuliert.

Und Freiheit der Kunden geht nicht ohne Beratung und Berater.

Ideales Vertriebsmodell ist persönlich und digital

Dr. Grabmaier sagte im Interview mit Business Leaders: „Man muss ja unterscheiden. Das eine ist die Beratung selber, der Kundenkontakt. Das andere ist die Abwicklung.

Das ideale Vertriebsmodell ist persönlich und digital, da haben Sie vollkommen Recht. Denn die meisten Leute brauchen Rat, wenn es in der Risikoabsicherung ernst wird oder wenn es ums Geld geht. Auch bei volldigitalen Modellen wie unserer Geld.de, bei denen sich Kunden online eine Plattform suchen und sich dann online ein Produkt aussuchen, wollen noch 70 Prozent eine menschliche Stimme am Telefon haben, bevor sie einen Kauf entscheiden. Oder sie wollen schlicht eine Kaufbestätigung. Einfach, um zu wissen, sie haben alles richtig gemacht.

Die allermeisten Menschen wollen daher, wenn es um Pensionsplanungen geht oder um Portfolioplanung einen Menschen sprechen. Aber wenn dann die Beratung abgeschlossen ist und es nur noch um das Ordern der Produkte geht, dann will doch keiner mehr mit dem Sachbearbeiter sprechen.  Das soll dann bitte online abgewickelt werden. Deshalb die Beratung idealerweise immer persönlich, aber die Abwicklung digital.“

Advisortech: Technik für und nicht gegen Berater

Business Leaders wollte von dem Maklerpoolchef und Plattformbetreiber wissen: In einer Umfrage von kapital-markt intern unter Maklern 2020 zeigten einige Makler aus Niedersachsen und Sachsen ein wenig Angst vor der neuen Technik. Wie nehmen Sie den Maklern diese Angst?

Dr. Grabmaier: „Wir nennen unsere Technik Advisortech, also Technik für Berater und nicht gegen sie. Wir versetzen Vermittler und Makler in die Lage, dass sie beim Kunden modernste Technik einsetzen können. Also jeder Einzelhändler kann Amazon sein. Der einzelne Makler kann so der erste sein, der Neuerungen wie PSD2-Schnittstelle, App oder Plattform seinen Kunden zuführt. Wenn er dann auch noch ein bisschen Volumen generiert, kann er für die Technologie auch einen eigenen Namen nutzen, in einer sogenannten White-Label-Lösung also beispielsweise eine „Max-Müller-App“ haben, wenn er das will. Und über die Weiterentwicklung muss sich keiner Gedanken machen. Viele unserer neuen Kunden sind Unternehmen, die Webseiten betreiben, für die wir die Abwicklung machen. Wir unterstützen unsere Makler also, sich voll digital und modern aufzustellen.“

Vor lauter Regulierung kein Geschäft mehr

Business Leaders: Würden Sie sich andere Rahmenbedingungen wünschen? Wenn Sie Bundeskanzler wären, was würden Sie für Ihr Business durchsetzen, damit so ein Maklerpool oder die Versicherungswirtschaft funktioniert?

Dr. Grabmaier sagte im August 2021 im zweiten Teil des Interviews, welcher auf News.Scoredex.com veröffentlicht wurde: „Regulierung ist natürlich wichtig in dieser Branche. Wir alle wollen eine soziale Marktwirtschaft haben, in der Verbraucher, also unsere Kunden, entsprechend geschützt sind. Aber wenn Sie mal sehen, wie wenig Vertrauen der Gesetzgeber in den einzelnen Bürger hat, führt dies zu einer immensen Überregulierung. Da sind sicher viele gute Ideen dabei. Aber wenn Sie mal sehen, was wir als Pool und Plattform in den letzten 5 Jahren an Regulierung umgesetzt haben: die Wertpapierregulierung MiFID, die Versicherungsregulierung IDD und zusätzlich eine Datenschutzregelung DSGVO, die in den Details gar nicht umsetzbar ist. Jetzt kommt als nächstes ESG, also die Einführung von Nachhaltigkeitskriterien in die Finanzbranche, Umwelt, Social responsibility und Governance. Das sind alles gute Ansätze. Aber wenn ich diese hastig und kurzfristig in ein eng geschnürtes deutsches Regelungswerk presse, dann sorgt  die Bürokratie und die Summe der Einzelmaßnahmen dafür, dass  vor allem kleinere und mittlere Unternehmen sehr stark eingeschnürt werden und am Ende vor lauter Regulierung kein Geschäft mehr rauskommt.“

 „Entbürokratisierung“ erwünscht

Dr. Grabmaier: „Es wäre also schon gut, mit Maß vorzugehen und diese ganzen Themen zu entbürokratisieren. Umweltschutz ist sicher ein wichtiges Thema. Und ordentliche Behandlung der Mitarbeiter auch. Und auch Datenschutz ist ein wichtiges Thema. Genauso wie Kundenaufklärung, also Verbraucherschutz. Aber dass Investmentanträge jetzt statt 2 Seiten 30 oder 35 Seiten haben, schützt Kunden eben nicht besser, sondern es ergibt sich im Gegenteil, dass sich die Produzenten dadurch freizeichnen und die Regulierung nach hinten losgeht.

Der Gesetzgeber sollte also bei jeder Regelung, die er macht, zuerst einmal die Auswirkungen auf die Praxis beachten. Das würde ich mehr im Auge haben als Kanzler. Und würde sehen, dass ich lieber weniger, aber klarere Regelungen mache. Denn auch was gut gemeint ist, ist oft nicht gut gemacht.“

AfW: Keine beratungsfreien Produkte in der Altersvorsorge

Der Lobbyverband AfW sieht das ähnlich: „Die Sehnsucht nach einfachen Lösungen, die den Wahlberechtigten Patentlösungen vorgaukeln, hat die Wahlprogramme und dort leider auch unsere Branche erreicht.“

Der AfW hat hier eine klare grundsätzliche Position: „Alle von solchen nur scheinbar einfachen Patentlösungen betroffenen Personen beziehungsweise Verbraucher:innen müssen beraten werden (können). Oder, um es konkreter zu formulieren: Beratungsfreie Produkte in der Altersvorsorge darf es nicht geben.“

AfW: Für Rente auch eine 4. Säule

Bezüglich der Altersvorsorge heißt das laut AfW konkret: „Wir erwarten, dass ein nachhaltigeres System auf den bewährten 3 Säulen geschaffen wird. Die Riester-Rente muss erhalten bleiben – unter Abschaffung der Beitragsgarantie, einer erheblichen Entbürokratisierung (unter anderem im Zulagenverfahren) und der Öffnung für weitere Berufsgruppen.  Einer 4. Säule, wie sie derzeit schon intensiv diskutiert wird, stehen wir unter bestimmten Prämissen offen gegenüber (unter anderem. Opt-Out-Möglichkeit, keine Garantievorgaben).

Grundsätzlich muss bei kapitalgedeckter Altersvorsorge weiterhin gelten, dass diese nur mit qualifizierter Beratung einhergehen darf.“

Über den Bundesverband AfW

Der AfW (Arbeitgeberverband der finanzdienstleistenden Wirtschaft), Bundesverband Finanzdienstleistung e. V. aus Berlin ist der führende Berufsverband unabhängiger Finanzberater:innen.

Er wurde 1992 gegründet. Zirka 40.000 Versicherungs-, Kapitalanlage- und Immobiliardarlehensvermittler:innen werden durch seine zirka 2.100 Mitgliedsunternehmen repräsentiert. Der AfW ist gefragter Gesprächspartner der Politik im gesamten Bereich der Finanzdienstleistung. Sein aktives Engagement ist Garant dafür, dass die Interessen der unabhängigen Finanzberater:innen in Politik, Wirtschaft und Presse wahrgenommen und berücksichtigt werden.

Er ist als Interessenverband beim Deutschen Bundestag und beim Europäischen Parlament akkreditiert und engagiert sich stark in Brancheninitiativen zum Thema Nachhaltigkeit in der Finanz- und Versicherungswirtschaft. Die Arbeit des AfW wird durch eine große Anzahl von Fördermitgliedsunternehmen unterstützt. Weiter Informationen auf www.bundesverband-finanzdienstleistung.de.

Über Jung, DMS & Cie.

Jung, DMS & Cie. aus München ist eine Service- und Technologie-Plattform für derzeit rund 16.000  Finanzdienstleister in Deutschland und Österreich. Die Vertriebspartner profitieren von modernster Prozess- und Beratungstechnologie, spezialisierten Kompetenz-Centern und  einem erfahrenen Produktmanagement in allen Sparten.

Jung, DMS & Cie. stellt seinen Vertriebspartnern über 12.000 Produkte von mehr als 1.000  Gesellschaften aus den Bereichen Investmentfonds, Versicherungen, Beteiligungen sowie Finanzierungen und im Haftungsdach der österreichischen Tochter Jung, DMS & Cie. GmbH  auch strukturierte Bankprodukte wie beispielsweise Zertifikate oder ETFs zur Verfügung.

Im Rahmen unserer Advisortech-Strategie bietet Jung, DMS & Cie. innovative Beratungs-, Prozess- und Verwaltungstechnologien für unsere Vertriebspartner. Während viele den technologischen Wandel als Problem und die jungen Fintech-Firmen als neue Wettbewerber sehen, betrachtet Jung, DMS & Cie. den Faktor „Technologie“ als große Chance. Die Advisortech-Lösungen sollen ihren Vertriebspartnern helfen, ihre Kunden noch besser zu betreuen und im Ergebnis mehr Umsatz zu generieren. Mit einem notariell beglaubigten Eigenkapital von über 16 Millionen Euro gehört Jung, DMS & Cie. zu den finanzstärksten Service- und Technologie-Diensteistern für den Finanz- und Versicherungsvertrieb. Weitere Informationen auf www.jungdms.de. (FM)