Auswandern lohnt sich für Deutsche auch mit einer kleinen Rente.

Die Zahl der Rentner, die sich ihre Rente ins Ausland überweisen lassen, hat zugenommen. 2020 waren es rund 248.000 Ruheständler, wie aus dem Rentenatlas der Deutschen Rentenversicherung hervorgeht. Das ist ein neuer Rekord beim Auswandern – und rund 20 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren.

Dafür gibt es zwei Gründe: wärmeres Wetter im Süden. Und die Chance auf besseren Lebensstil aufgrund niedrigerer Kosten.

Preis-Leistungs-Sieger ist in dieser Hinsicht noch immer Südostasien. Wobei allerdings Thailand von Kambodscha neuerdings überholt wurde. Aber auch ein Neuanfang in der Türkei oder in Georgien am Rande Europas kann sich finanziell lohnen.

► Auswandern ins Königreich Kambodscha: das neue Rentnerparadies in Südostasien

Königreich Kambodscha mit der Hauptstadt Phnom Penh © Wikipedia.org
Auswandern ins Königreich Kambodscha mit der Hauptstadt Phnom Penh © Wikipedia.org

Das Magazin „International Living“ listet Kambodscha als eines der weltweit fünf günstigsten Länder für den Ruhestand. Für Ruheständler in Asien hat sich Kambodscha in den vergangenen Jahren als zunehmend beliebte Alternative zum benachbarten Thailand etabliert, das lange das gefragteste Auswanderungsziel für europäische Rentner und Rentnerinnen auf dem Kontinent war.

Doch steigende Lebenshaltungskosten und bürokratische Hürden kratzen an Thailands Attraktivität: So müssen Inhaber des Rentnervisums alle drei Monate ihren Aufenthaltsort bestätigen und eine monatliche Rente von mindestens 1.700 Euro oder 21.000 Euro auf einem thailändischen Bankkonto nachweisen.

Koh Rong – Kambodschas Trauminsel im Golf von Thailand. Mehrmals täglich gibt es eine Fähre vom Hafen Sihanoukville. Die Hin- und Rückfahrt kostet rund 20 Dollar (18,20 Euro) © pixabay.com
Koh Rong – Kambodschas Trauminsel im Golf von Thailand. Mehrmals täglich gibt es eine Fähre vom Hafen Sihanoukville. Die Hin- und Rückfahrt kostet rund 20 Dollar (18,20 Euro) © pixabay.com

In Kambodscha entfallen solche strikten finanziellen Anforderungen: Wer über 55 Jahre alt ist, muss für ein Rentnervisum lediglich nachweisen können, über ausreichend Einkommen zu verfügen oder Ersparnisse für den Lebensunterhalt zu haben.

Jüngere Ruheständler können relativ unbürokratisch Geschäftsvisa in der Botschaft in Berlin Pankow erhalten, mit denen sie längerfristig im Land bleiben können. Die jährliche Visumsverlängerung in Phnom Penh kostet 300 Dollar (274 Euro).

Die Ausgaben im Alltag liegen in vielen Bereichen deutlich unter dem, was ein vergleichbarer Lebensstil in Europa kosten würde: Komfortable Ein-Zimmer-Wohnungen in der Hauptstadt Phnom Penh mit Pool und Fitnessstudiozugang sind für 400 bis 500 Dollar (365 bis 457 Euro) zu haben. In kleineren Städten kann man für 200 Dollar (183 Euro) Miete im Monat in einer modern eingerichteten Wohnung leben. Insgesamt kommt man mit rund 1.000 Dollar (913 Euro) im Monat gut über die Runden – inklusive Krankenversicherung und ausgiebiger Reisen im Land, wie der deutsche Frührentner Gary Rothenbücher (55), der von Mieteinnahmen lebt, im Januar 2022 dem Handelsblatt aus Düsseldorf erzählte.

Ein Essen in einem günstigen Restaurant kostet weniger als fünf Dollar (4,57 Euro). Ein lokales Bier kostet rund einen Dollar (91 Cent).

Einen Nachteil sieht Auswanderer Rothenbücher in der Gesundheitsversorgung: „Es gibt zwar in Phnom Penh ein paar sehr gute Krankenhäuser“, sagt er. „Im Rest des Landes ist die Versorgung aber sehr einfach.“

Für größere medizinische Eingriffe begeben sich Ausländer häufig nach Thailand, wo das Niveau der Gesundheitsdienste höher liegt. Eine private Auslandskrankenversicherung ist für solche Fälle dringend empfehlenswert, da sich die Behandlungskosten schnell auf mehrere Tausend Euro belaufen können.

► Alanya, Türkische Riviera: Dreizimmerwohnung ab 50.000 Euro Kaufpreis

Alanya – Wohnungen in der türkischen Hafenstadt mit Blick aufs Mittelmeer © pixabay.com
Auswandern nach Alanya – Wohnungen in der türkischen Hafenstadt mit Blick aufs Mittelmeer © pixabay.com

Viel Sonne, günstige Preise. Allein in Alanya an der türkischen Riviera am Mittelmeer in Kleinasien sind rund zehn Prozent der rund 300.000 Einwohner Ausländer mit Aufenthaltserlaubnis. Rund die Hälfte davon kommt aus Deutschland.

Warum Alanya gerade bei den Deutschen so beliebt ist, erklärt Martina Yaman, die in Alanya das deutschsprachige „Türkis Magazin“ herausgibt, dem Handelsblatt folgendermaßen.

Eine Dreizimmerwohnung auf mittlerem Niveau bekommt man für etwa 50.000 Euro. Für freistehende Häuser beginnen die Kaufpreise bei rund 100.000 Euro.

Die Türkei punktet mit einer relativ niedrigen Investitionssumme und Wohnsitzanforderungen. Zu den Vorteilen einer Investition im Rahmen des „Turkey Citizenship by Investment“-Programms gehören staatliche Anreize wie niedrigere Kaufsteuern und die Befreiung von der Mehrwertsteuer, wie Business Leaders berichtete. Die Immobilienpreise sind wettbewerbsfähig geblieben, was den Erwerb von Eigentum noch attraktiver macht.

Gerade für Europäer, insbesondere für Deutsche, sei die Beantragung einer Aufenthaltserlaubnis fast nur eine Formsache, erklärt Yaman. Voraussetzung ist lediglich ein Mietvertrag, Eigentum oder bei einer Dauer bis zu zwölf Monaten auch eine Hotelreservierung, ein gültiger Reisepass und der Nachweis von 500 Euro pro Monat Aufenthalt.

„Dieser Betrag ist unverändert seit Einführung des Euros“ am 1. Januar 2002, erklärt Yaman. Antragsteller unter 65 Jahren müssen eine Krankenversicherung nachweisen. Eine türkische private Versicherung kostet je nach Alter zwischen 250 und 2.500 Lira pro Monat – umgerechnet zwischen 15,48 Euro und 155 Euro.

Die Gesundheitsversorgung ist mit sieben privaten Kliniken und dem Staatlichen Universitätskrankenhaus auf einem hohen Niveau. Viele Ältere lassen sich im staatlichen Krankenhaus sogar lieber behandeln als in den Privatkliniken. Das Ausländeramt und auch die türkische gesetzliche Krankenversicherung böten regelmäßig Informationsveranstaltungen an.

Da insbesondere viele ältere Auswanderer die türkische Sprache nicht beherrschen, gibt es viele Serviceangebote zur Begleitung bei Behördengängen oder Arztbesuchen. Die sieben privaten Kliniken bieten fast alle einen kostenlosen Dolmetscherservice. Und die meisten Banken der Stadt haben zumindest einen deutschsprachigen Mitarbeiter. „Das dürften neben den relativ niedrigen Lebenshaltungskosten die Hauptgründe sein, warum Alanya gerade bei den Deutschen so beliebt ist“, meint Yaman.

► In Europa: Geheimtipp Georgien im Kaukasus am Schwarzen Meer – für Rentner und Digitalnomaden

In Georgien im Kaukasus-Gebirge geht so manches etwas lockerer zu als in Deutschland © pixabay.com
Auswandern nach Georgien: Im Kaukasus-Gebirge geht so manches etwas lockerer zu als in Deutschland © pixabay.com

Die Kaukasusrepublik Georgien am Rande Europas lockt zum Auswandern mit ihrer Küche, wahlweise subtropischem Schwarzmeerklima oder Bergluft, sehr günstigen Mieten, Steuerfreiheit für Einkünfte wie Renten aus dem Ausland und einfach zu erhaltenem Visum.

Am 3. März 2022 hat Georgien den Antrag auf Mitgliedschaft in der Europäischen Union (EU) gestellt, wie Georgiens Regierungschef Irakli Garibaschwili (39) am selben Tag  twitterte.

In das Land können Deutsche visafrei für ein Jahr einreisen. Wer sich dann dort nicht mit einer Aufenthaltserlaubnis niederlassen möchte, kann einfach kurz aus- und dann wieder einreisen. Viele Behördengänge laufen zudem inzwischen elektronisch.

Wer länger als ein halbes Jahr in dem Land lebt, wird dort steuerpflichtig. Allerdings sind Einkünfte, die man aus dem Ausland erhält, steuerfrei. Und wer von der Hauptstadt Tiflis oder dem Schwarzmeer-Kurort Batumi aus noch etwas arbeiten muss oder will, muss 20 Prozent Einkommenssteuer entrichten.

Auch Wohnungen sind günstig im Vergleich zur alten Heimat Deutschland: Neubauten sind für unter 1.000 Euro pro Quadratmeter zu kaufen. Eine größere Wohnung kann für 300 Euro gemietet werden.

Allerdings ist die georgische Sprache schwierig. Ältere, noch in der Sowjetunion Geborene sprechen meist noch Russisch. Die Jüngeren sprechen oft Englisch. (FM)